Bürgerradweg rückt in greifbare Nähe

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Eberhard Zimmerschied, Abteilungsleiter bei der Regionalniederlassung Südwestfalen in Netphen (links), erläutert die verschiedenen Möglichkeiten für einen Rad- und Fußweg vor Ort. Initiator Ralf Conrady (Dritter von links) und seine Mitstreiter hören erwartungsvoll zu. Auch Markus Schade und Jürgen Tischbiereck erfuhren eine „Neuigkeit“. ▪

VALBERT ▪ Die Freude war am Dienstagnachmittag bei Ralf Conrady und Ulrich Hügenberg groß. Der von den beiden zusammen mit Markus Braun angeregte Rad- und Gehweg entlang der L539 zwischen Hösinghausen und Valbert, hat eine echte Chance gebaut zu werden.

Bekanntlich starten Anfang Mai die Reparaturarbeiten an der maroden Fahrbahnoberfläche der Landstraße 539 zwischen Hösinghausen und Haumcher Mühle (MZ berichtete).

Für den fast fünf Kilometer langen Streckenabschnitt stellt das Land rund 2,4 Millionen zur Verfügung, um etwa 62 000 Quadratmeter der vorhandenen Fahrbahnoberfläche zu erneuern. In Kenntnis dieser anstehenden Bauarbeiten war bei einigen Hösinghauser Bürgern wieder der Wunsch nach einer sichereren Wegeverbindung ins Ebbedorf aufgekommen. Dementsprechend zögerten Ralf Conrady und seine Mitstreiter nicht lange und schrieben diesen Wunsch den zuständigen Stellen, besonders dem Eigentümer der Landstraße, dem Landesbetrieb Straßen NRW.

Auch im zuständigen Fachausschuss verschaffte man sich Gehör in der Sache und übergab eine Liste mit Unterschriften von mehr als 500 Befürwortern des Wegebaus. Um nochmals gemeinsam und grundsätzlich über die Möglichkeiten sprechen zu können, hatte Jürgen Tischbiereck (Fachbereichsleiter Bauen und Wohnen bei der Stadt Meinerzhagen) einen Ortstermin angeregt. Vertreter des Landesbetriebes, der Stadt und der Kreispolizei, kamen am Dienstag dem folgend nach Hösinghausen.

Jens Naumann von der Kreispolizeibehörde des Märkischen Kreises schilderte zunächst die Verkehrssituation auf der L 539 anhand der seit Jahren geführten Statistik. Danach sei der Abschnitt vom Autobahnanschluss Meinerzhagen bis zum Biggesee als unfallträchtig einzustufen. „Wir haben hier ein hohes Verkehrsaufkommen. Dabei ist auch der recht starke Lkw-Verkehr und der landwirtschaftliche Verkehr von Bedeutung“, erläuterte Jens Naumann. Gerade diese beiden Faktoren führten in der Vergangenheit zu riskanten Überholmanövern, die zum Teil schwere Unfälle zur Folge hatten. „Ein Unfallschwerpunkt liegt auf dem Streckenabschnitt aber nicht vor“, so Naumann.

Eberhard Zimmerschied, Abteilungsleiter bei Straßen NRW in der Regionalniederlassung Südwestfalen, ging in seinen Ausführungen sehr umfassend auf die Situation ein. Schon eine Woche vor dem Ortstermin hatte er sich – unterstützt durch die Kollegen aus Herscheid – „auf der Strecke“ kundig gemacht. „Wir haben den Auftrag für die Oberflächenerneuerung der L 539 bereits vor einiger Zeit vergeben. Eine Einbeziehung eines eventuellen Rad- und Gehwegebaus, wäre sowohl planungstechnisch, als auch finanziell gar nicht mehr möglich“, so Zimmerschied. Ebenso musste er die Vorstellungen zunichte machen, dass der vorhandene Seitenstreifen für die Wünsche der Hösinghauser genutzt werden könnte. „Der Seitenstreifen wird fast im gesamten Streckenabschnitt genutzt, um gerade das Überholen des Schwerlastverkehr und der landwirtschaftlichen Fahrzeuge zu ermöglichen. Wenn hier dann auf einmal eine Unterbrechung einträte, könnte das zu Gefahrensituationen führen“. Nachdem er mit diesen Äußerungen fast schon sämtliche Hoffnungen auf einen „Wunscherfüllung“ zerstört hatte, ließ Zimmerschied dann doch noch die sprichwörtliche Katze aus dem Sack: „Wir haben hier am Straßenrand einen Graben, in dem zumindest nur auf einem kleinen Abschnitt ein Gewässer geführt wird. Unserer Meinung nach, könnte auf dieser Trasse ein Bürgerradweg angelegt werden“.

In dem 2005 vom NRW-Verkehrsministerium ins Leben gerufenen Modellprojekt entstehen Bürgerradwege durch bürgerschaftliches Engagement vor Ort und je nach Ausgangslage mit Beteiligung lokaler Bauunternehmen, den Kreisen und Kommunen sowie dem Landesbetrieb Straßen NRW. Sie können mit einem leicht reduzierten Standard gebaut werden, entsprechen aber dem Stand der Technik und den aktuellen Sicherheitsanforderungen. In 2012 flossen in NRW rund 2,2 Millionen Euro in 24 Projekte aus dem Programm „Bürgerradwege“. Davon gingen 1,7 Millionen Euro in neue Radwege und der Rest in bereits begonnene Projekte.

„Ich bin zuversichtlich, dass wir die Mittel für den Bau als Straßenbaulastträger aufbringen können“, so Eberhard Zimmerschied vor Ort. Im Falle einer Realisierung wäre Straßen NRW auch für die Unterhaltung des Weges verantwortlich. Hinsichtlich des Zeitrahmens für eine Umsetzung der Maßnahme komme es jetzt darauf an, zügig die notwendige Planung zu erstellen. Dieses wäre die Aufgabe der Stadt Meinerzhagen.

„Ich bin freudig überrascht von dem Vorschlag. Zwar muss natürlich die Angelegenheit erst noch hausintern abgestimmt werden, wir werden aber versuchen, die Finanzierung der Planung hinzubekommen“, so Jürgen Tischbiereck. Bei dieser Planung gehe es speziell auch darum, den „Auf- beziehungsweise Abstieg“ des Weges in der Ortseinfahrt von Hösinghausen zu schaffen. Derzeit sei dort ein Bachdurchlass mit einem so genannten Hamco-Profil. Möglicherweise könne dieses verlängert und dann als Untergrund genutzt werden.

Neben den originären Planungsarbeiten für den Bürgerradweg sind wegen des Bachlaufes und der Böschungsflächen gleichfalls noch Absprachen mit den zuständigen Stellen des Märkischen Kreises zu treffen. Damit nicht unnötig Zeit ins Land gehe, sollten diese möglichst zeitnah erfolgen. Klappe alles reibungslos, könne ein Beginn der Maßnahme bereits Mitte 2014 erfolgen.

„Ich bin völlig überrascht und sehr zufrieden mit dem heutigen Ergebnis. Meinen Mitstreitern und mir zeigt es, dass sich persönlicher Einsatz für die Allgemeinheit lohnen kann“, so ein sichtlich beeindruckter Ralf Conrady nach dem Ortstermin. Dabei hob er die Unterstützung durch die Bürgerinnen und Bürger bei der Unterschriftenaktion genauso hervor, wie die tatkräftige Mitwirkung der städtischen Mitarbeiter. „Man hat von allen beteiligten Behörden eine praktizierte Bürgernähe spüren können“, so Conradys Resümee. ▪ jjh

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