Initiative Stolpersteine: "Dringlicher denn je, Zeichen zu setzen" 

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Meinerzhagen – Unter der Überschrift „Kein Stein bleibt in dieser Nacht allein“ führte die Initiative Stolpersteine am Samstagabend zum dritten Mal ihre Lichter-Aktion durch. Christina Först stimmte die aktiven „Stolpersteiner“ und weitere Bürger beim Start vor der Buchhandlung Schmitz auf den Besuch der zehn Verlegeorte in der Innenstadt ein.

Erinnert wird so an die 47 ehemaligen Meinerzhagener, die zur Nazizeit allein wegen ihrer Religion vertrieben, verfolgt und grausam ermordet wurden. „Durch immer mehr fremdenfeindliche Gewalt in Wort und Tat, die sich auch wieder gegen Deutsche jüdischen Glaubens richtet, erscheint es dringlicher denn je, Zeichen zu setzen und Erinnerung zu wahren“, betonte Christina Först.

Am 9. November 1938, der Pogromnacht, wurden in ganz Deutschland jüdische Geschäfte geplündert und verwüstet, Hunderte jüdische Menschen aus ihren Häusern gezerrt, misshandelt, getötet, Tausende in KZs deportiert. „Vor genau einem Monat wäre im deutschen Halle beinahe wieder eine Synagoge geschändet und viele Menschen jüdischen Glaubens getötet worden. Unser heutiger Rundgang ist deshalb nicht nur Erinnerung an die 47 jüdischen Opfer hier in Meinerzhagen, sondern auch Mahnung, wohin Hass, Hetze und Herabsetzung der vermeintlich Anderen führen“, so die Sprecherin der Initiative Stolpersteine.

Wer vor Ort die vermeintlich Anderen, die Menschen jüdischen Glaubens, waren, wurde im Verlauf des Rundgangs mit der Verlesung der Namen auf den Stolpersteinen beantwortet. Start war in der Fußgängerzone Zur Alten Post 8 – früher Hauptstraße 6. Hier erinnern die Stolpersteine an Julius, Cilly und Erwin Stern sowie an Jenny Weil, Siegfried und Erna Schwarz. Während Beate Hoppe, wie auch an den anderen Verlegestellen, die Namen verlas und Bürger Kerzen auf die Steine stellten, erzählte Christina Först von den Nachfahren der Überlebenden. 

So nahmen Gail Stern, ihr Bruder Jeff Stern und dessen Frau Sheri im August 2014 an der Verlegung der sechs Steine teil und sind seitdem fast jährlich zu Besuch in Meinerzhagen. „Im Zuge der Recherchen, vor allem von Stadtarchivarin Ira Zezulak-Hölzer, haben durch die Verlegung der Steine quasi Familienzusammenführungen stattgefunden. Cousins und Cousinen haben sich erst in Meinerzhagen bei unseren Verlegeaktionen kennengelernt“, berichtete Christina Först. 

Die weiteren Stationen: Hauptstraße 15 (Max, Rosa, Ilse und Walter Rosenthal sowie Paula Brandes), Zufahrt Aldi-Parkplatz – früher Teichstraße 10 (Johanna Stern mit ihren Töchtern Hilde und Edith), Lindenstraße 14 (hier wird an Oskar und Jenny Fischbach und deren Töchter Margot und Ellen erinnert), Hauptstraße 31 (Louis, Thekla, Arthur und Erich Stern). Hauptstraße 32 (noch offener Verlegort –Emil, Paula, Hans und Herbert Stern), Kirchstraße 5 (Leo, Erna, Franziska, Bernhard, Kurt und Karola Stern sowie Hedwig Rosenberg), Zum Alten Teich 2 (noch offener Verlegeort – Nathan, Rosa, Hugo, Hedwig und Paula Stern), Kirchstraße 22 (David und Erna Borenstein, Rudi Becker, Johanne Rosenthal, Pauline Stern), Derschlager Straße 9/11 (Julius und Hedwig Fischbach mit den Kindern Eugen und Eva).

Im Anschluss an die Lichter-Aktion wurde auf zwei Termine hingewiesen: Am Volkstrauertag, 17. November, startet die Initiative Stolpersteine um 10.45 Uhr an der Gedenktafel für jüdische Opfer an der Hochstraße zu einem öffentlichen Rundgang zu allen Kriegsgräberstätten. Seit vergangenem Jahr findet auch eine Kranzniederlegung für die Zwangsarbeiter statt, die auf dem neuen jüdischen Friedhof ihre Ruhestätte gefunden haben.

Am Mittwoch, 4. Dezember, gestalten die „Stolpersteiner“ zusammen mit anderen ab 19 Uhr im Veranstaltungsraum der Stadtwerke ein Treffen zum 90. Geburtstag von Eva Fischbach. Die in Amerika lebende Meinerzhagenerin ist die einzige der 47 Opfer, die bei der Verlegung ihres eigenen Stolpersteins im Jahr 2014 dabei sein konnte.

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