Gedenkfeier zur Pogromnacht: „Erinnern für die Zukunft“

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Andächtig lauschten die Besucher in der Galerie Langenohl den Ausführungen über die Schicksale der jüdischen Bürger.

Meinerzhagen - „Erinnern für die Zukunft“ lautete das Thema der Gedenkfeier, zu der die Mitglieder der Initiative Stolpersteine für Donnerstagabend in die Galerie Langenohl eingeladen hatten.

Neben den zahlreichen Besuchern begrüßte Rolf Janßen Matthias Wagner, Initiator der Ge-Denk-Zellen Altes Rathaus Lüdenscheid. In seinem Vortrag erinnerte er eindrucksvoll an die Pogromnacht vor 78 Jahren, die in Meinerzhagen und auch in Lüdenscheid für die jüdischen Familien in den frühen Morgenstunden des 11. November begann. „Es gibt 26 Gedenkstätten in NRW“, sagte Wagner. „Die kleinste ist im ehemaligen Polizeigefängnis des Alten Rathauses Lüdenscheid. Dort hat der Verein eine Ausstellung geschaffen, in der über einige der rund 800 politischen Häftlinge und an die mehr als 800 Todesopfer des NS-Terrors informiert wird.“ In der Synagogengemeinde Lüdenscheid lebten um 1924 rund 130 Mitglieder und in der Synagogengemeinde Altena mit den Untergemeinden in Neuenrade, Meinerzhagen und Plettenberg etwa 150.

In seinen Ausführungen ging Wagner auf die „Polenaktion“ im Oktober 1938, die Ereignisse zwischen der Pogromnacht und dem Jahresende 1938 ein. Dabei las er aus dem Tagebuch von Hermann Berendt vor. Zudem ging er auch ein auf das Schicksal der jüdischen Familie Ripp.

Auch Rolf Janßen gedachte in seinem Vortrag der Opfer der Pogromnacht. Er nahm Stellung zu den Ausschreitungen der Ortspolizeibehörden, die die „Maßnahmen gegen die Juden“ nach einem Geheimschreiben aus Berlin durchführten. Danach durften Geschäfte und Wohnungen von Juden lediglich zerstört, nicht aber geplündert werden. Detailliert schilderte Janßen den zeitlichen Ablauf der Aktionen, die zur Festnahme von Nathan Stern, Max Rosenthal, Leo Stern und Emil Stern führten. Nach Auskunft der Gedenkstätte Sachsenhausen befanden sich alle Männer im dortigen Konzentrationslager in „Schutzhaft“, führte Janßen weiter aus. Von den fünf genannten Familienoberhäuptern gelang lediglich Nathan Stern mit seiner Frau Rose aus Meinerzhagen am 10. Dezember 1940 die Flucht über Lissabon nach Buenos Aires, wo sie nach zwei Monaten ankamen. Sohn Hugo Stern war bereits 1936 dorthin geflohen. Weitere zwei Monate nach der Ankunft „floh“ Nathan Stern am 14. April 1941 in den Tod. Julius Stern, Max Rosenthal und Leo Stern wurden am 28. April 1942 nach Zamosc deportiert und in einem der nahegelegenen Vernichtungslager ermordet. Emil Stern und sein Bruder Nathan „flohen“ nach Erhalt ihres Deportationsbefehls am 20. Juli 1942 ebenfalls in den Tod.

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