Harsche Kritik am Millionen-Projekt

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100 Parkplätze würden an der Stadthalle wegfallen – auch das ruft Kritik hervor. ▪

MEINERZHAGEN ▪ „Das ist weder naturnah noch ökologisch sinnvoll. Das neue Sträßchen hinter der Stadthalle wird den Verkehr nicht aufnehmen können. Das gibt Chaos hoch drei.“

Ingolf Becker von den Grünen/Bündnis 90 fand im Haupt- und Finanzausschuss keine lobenden Worte für das Millionen-Projekt Innenstadt-Sanierung mit Volme-Renaturierung und Straßen-Neubau (wir berichteten). Der geplante Ausbau des Stadthallen-Umfeldes im Zuge der Regionale 2013 bereitete ihm sichtbares Unbehagen – vor allem auch deshalb, weil die Volme an einer Spundwand der neuen Straße entlangführen soll.

Eigentlich sollte das „Innenstadt-Programm“ den Hauptausschuss am Dienstag mehr oder weniger „diskussionslos“ passieren. Darauf hatten sich die Fraktionen nach ausgiebigen Beratungen im Ausschuss für Planung, Stadtentwicklung, Verkehr und Umwelt geeinigt. Doch auch im Hauptausschuss stand der millionenschwere Umbau mit geplanter Freilegung der Volme, Schließung der Straße An der Stadthalle, Bau einer Ersatzstraße an der B 54 und eines Kreisverkehres im Bereich Lindenstraße/Birkeshöhstraße und Schaffung eines zentralen „Volmemarktes“ vor der Stadthalle auf der Tagesordnung. Statt – wie ursprünglich geplant – die Nachberatungen in die kommende Ratssitzung zu schieben, lieferte Becker mit seinem Beitrag dann doch „Munition“ für eine erneute Diskussion.

Gerd Wirth (SPD) platzte ob der Becker-Einwände spontan der Kragen. Er warf dem Grünen vor, plumpe Behauptungen aufzustellen. „Wir lassen uns von ihnen nicht in die Ecke stellen. Sie haben das Verkehrsgutachten, dann lesen sie es“, konterte Wirth die Behauptung, dass die neu geplante Straße an der Stadthalle den Verkehr nicht aufnehmen könne.

Der Stein war ins Rollen gebracht – und so nutzte auch Raimo Benger (UWG) die Gelegenheit, die Einwände seiner Fraktion darzulegen: „Wir haben Fragen zum Kreisverkehr im Zusammenhang mit der Steilheit des Geländes in diesem Bereich. Außerdem beschäftigt uns der Wegfall von 100 Parkplätzen an der Stadthalle. Das könnte Freitag nachmittags Probleme geben. Außerdem gibt es Studien die besagen, dass in Kleinstädten öffentliche Plätze eher zurückgebaut als neu angelegt werden sollten. Wir wollen keinen Geisterplatz. Und schließlich ist die Stadthalle ein beliebter Platz als Treffpunkt bei Fahrten, beispielsweise beim SGV. Was wird daraus in Zukunft?“

Bürgermeister Erhard Pierlings ging kurz auf die Einwände ein und verwies auf die Gutachter, die die Machbarkeit des Projektes attestierten. In Bezug auf die Parkplätze argumentierte er mit dem „großzügigen Angebot“, das es in dieser Hinsicht in Meinerzhagen gebe. Außerdem habe man sich natürlich noch nicht festgelegt, wie der Platz genau aussehen soll. „Dazu veranstalten wir noch einen Ideenwettbewerb.“ Pierlings weiter: „Grund für die Planungen ist, die Regionale für erhebliche innerstädtische Verbesserungen zu nutzen.“

Thomas Sanden (FDP) plädierte dafür, die Derschlager Straße in diesem Zusammenhang zu „öffnen“, damit sie im hinteren Bereich nicht veröde. „Man muss die Menschen dazu bringen, sich in der Stadt aufzuhalten. Wo Menschen sind, profitiert auch der Einzelhandel. Wie das alles umzusetzen ist, ist Sache des Wettbewerbes und des Architekturbüros.“

Gerd Wirth ging abschließend noch einmal auf Ingolf Becker ein, der die für ihn nicht ausreichende Renaturierung der Volme kritisiert hatte: „Keiner kann mir erzählen, dass die Offenlegung der Volme wie geplant nicht besser ist als das, was wir jetzt haben. Und der Freitag ist in Meinerzhagen ,Boomtag’. Warum sollten wir nicht sogar versuchen, einen zweiten Markttag einzurichten.“

Jan Nesselrath (CDU) schließlich fühlte sich in der „sehr guten Sitzung des Fachausschusses“ ausreichend über das Projekt informiert. „Jetzt sollten wir uns mit Inhalten beschäftigen. Mit den offenen Fragen setzen wir uns im Rat auseinander“, kündigte er an.

Eine Abstimmung über das „Innenstadt-Programm“ gab es am Dienstag nicht. Das sei angesichts der Diskussion etwas inkonsequent, befand Bürgermeister Erhard Pierlings. Nun wird im Rat am 10. Juni erneut über das Projekt diskutiert. ▪ beil

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