Wanderweg Höhenflug: Zertifikat steht auf dem Spiel

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Was die heimische Wirtschaft freut, stößt bei Wanderern auf Kritik: Die Route des Sauerland Höhenflugs muss aufgrund des Gewerbegebiets Grünewald verändert werden. Vom historischen Bodendenkmal ist kaum etwas zu sehen.

Meinerzhagen - Grünewald. Das klingt für Nicht-Meinerzhagener nach Natur, Erholung und Ruhe.

Einheimische wissen indes, dass der Name für ein interkommunales Industriegebiet steht, das nicht zuletzt der Firma Fuchs Ausbaumöglichkeiten bot. Und: Die Industriefläche beschäftigt nun auch die Akteure des Wanderwegs Sauerland Höhenflug. Die Auszeichnung als „Qualitätswanderweg“ steht auf dem Spiel.

Der Blick auf die Route des Höhenflugs zeigt mitunter spannende Wegeführungen. Die etwa 600 Meter lange Strecke zwischen den Ortslagen Grünewald und Bracht gehört zweifellos dazu.

Nicht nur wegen des schnurgeraden Weges, sondern auch wegen dessen Historie. Bereits Ende des 18. Jahrhunderts, so heißt es in entsprechenden Abhandlungen, sei die Strecke als Teilstück der ersten preußischen Kunststraße erbaut worden (siehe Info-Kasten). Und so wurde auch der Landschaftsverband Westfalen-Lippe auf den Weg in Grünewald aufmerksam und erklärte ihn zum Bodendenkmal.

Rezertifizierung bereitet Sorgen

Auch die Bautätigkeit in unmittelbarer Nähe im Gewerbegebiet sollte diesem Denkmal nichts anhaben. Das Problem: Mittlerweile fahren keine Kutschen und Handelsleute „alter Schule“ mehr über den Weg, sondern nutzten ihn gerne auch Wanderer. 

Denn: Die Strecke wurde Bestandteil des Sauerland Höhenflugs, der im Jahr 2008 eröffnet und 2009 vom Wandermagazin sogar zum „zweitschönsten Wanderweg Deutschlands“ erklärt wurde (hinter dem Saar-Hunsrück-Steig). Auch die Auszeichnung als „Qualitätsweg wanderbares Deutschland“ steht auf dem Spiel, sagt Mona Mause, die beim Sauerland-Tourismus für den Höhenflug verantwortlich zeichnet.

Bäume und Hecken statt hoher Täune

„Denkmalschützer und Planer hätten diese negative Entwicklung voraussehen müssen oder aber die Folgen wurden wissend in Kauf genommen“, kritisiert Karl Hardenacke, stellvertretender Fraktionssprecher der Meinerzhagener Grünen. Er fordert von den zuständigen Behörden, dass durch Baumpflanzungen in Form einer Allee sowie Anpflanzungen von Hecken statt eines hohen Zaunes der Weg besser gewürdigt wird. 

Die letzte Zertifizierung des Weges erfolgte im Jahr 2016, im kommenden Jahr steht die nächste an. Das Problem: „Durch das Industriegebiet in direkter Nachbarschaft zum Weg werden sehr viele Punkte wegfallen“, befürchtet Mause eine de-facto-Herabstufung des Höhenflugs, die man unbedingt verhindern will. Die Idee: Eine neue Routenführung soll die Wanderer am Industriegebiet Grünewald vorbeiführen, um das Naturerlebnis und das idyllische Wandergefühl wiederherzustellen.

Neue Route steht noch nicht fest

Wo genau die neue Strecke herführen soll, stehe indes noch nicht fest, erklärte Mause gestern auf Anfrage der MZ. „Da stehen wir in Kontakt mit den beiden Rangern und haben uns die Strecke natürlich auch schon einmal näher angeschaut“, sagt Mona Mause, die zwar die Wanderbarkeit der Strecke im Blick hat, zugleich aber um die Bedeutung des Bodendenkmals weiß, auf das die „Höhenflieger“ künftig verzichten müssten – wenn sie sich denn an die Routenempfehlung des Sauerland-Tourismus halten. 

„Wir überlegen daher, eine Tafel aufzustellen, auf der die besondere Bedeutung des Weges erklärt wird“, sagt Mause und unterstützt damit einen Vorschlag, den auch Karl Hardenacke in einer Stellungnahme äußert. Das eine soll also getan werden, ohne das andere zu lassen. Wer mag, kann auch künftig weiterhin auf historischen Pfaden wandeln, muss dafür aber den „neuen“ Sauerland Höhenflug verlassen und an Industrieanlagen entlang wandern. Mit der neuen Wegeführung jedoch soll, so hoffen Mause und ihre Mitstreiter, die Wanderstrecke als Qualitätswanderweg erhalten bleiben.

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