Harvester im Einsatz

Mit 380 PS durch den Wald

Seit 2011 fährt Tobias Stuff Harvester. Bäume mit einem Gewicht von bis zu drei Tonnen kann er mit dem Fahrzeug, das in Finnland hergestellt wurde, aufarbeiten.
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Seit 2011 fährt Tobias Stuff Harvester. Bäume mit einem Gewicht von bis zu drei Tonnen kann er mit dem Fahrzeug, das in Finnland hergestellt wurde, aufarbeiten.

Am Willertshagener Weg, mitten im Wald im Forstbezirk Beckerhof, ist Corona weit weg. Doch Probleme gibt es auch hier: Käferholz.

Meinerzhagen – Das muss raus aus der Natur. Und das schnell. Denn: Wenn die Käfer erst wieder ausschwärmen – und das tun sie bei Außentemperaturen von etwa 16 Grad Celsius –, beginnen sie ihr zerstörerisches Werk von Neuem. Deshalb werden vom Borkenkäfer befallene tote Fichten, in denen die Käfer überwintern, jetzt massenhaft gefällt.

Harvester ersetzt zwölf Arbeiter

Dazu bedient sich Revierförster Matthias Borgmann eines Helfers, der äußerst effektiv ist. Vom Forstunternehmen Uelhoff aus Drolshagen hat der Mitarbeiter des Landesbetriebes Wald und Holz.NRW einen Harvester (samt Fahrer) gemietet. Dieses „Duo“ schafft es, in etwa neun Stunden 350 Festmeter Fichtenholz zu verarbeiten. Fällen, entasten, zersägen und für den Abtransport bereitlegen inbegriffen. Zum Vergleich: Ein Forstarbeiter kann pro Tag etwa 30 Festmeter Holz aufarbeiten. Harvester-Fahrer Tobias Stuff drückt es so aus: „Der Harvester ersetzt etwa zwölf Leute.“

Die 25 Tonnen schwere Maschine, die von Stuff per Joystick und mit Fußpedalen gesteuert wird, ist ein Wunderwerk der Technik. Der „Ponsse“ made in Finnland kostet mehr als 600 000 Euro, er hat 380 PS. Rennen kann man mit ihm nicht fahren, denn die Höchstgeschwindigkeit beträgt etwa 20 km/h. Dafür schafft der achträdrige Koloss Steigungen, die Fußgänger höchstens auf allen Vieren bewältigen könnten. Und Komfort hat der „Ponsse“ auch noch zu bieten: Mikrowelle, Kühlschrank, Klimaanlage und Standheizung gehören zur Ausstattung. Der Fahrer will schließlich bei Laune gehalten werden.

Mit Internet durch den Wald

Mitten im Wald und doch (fast) ständig mit dem Internet verbunden. Auch das macht der Harvester von Tobias Struff möglich. Und der Online-Modus erleichtert die vom Grundsatz her schwere Forstarbeit zusätzlich: Er erstellt automatisch eine „Holzliste“. Darin aufgeführt sind Durchmesser der gefällten Bäume, Anzahl der Festmeter und die generellen Holzmengen, die aufgearbeitet wurden. „Das kann ich bei Bedarf direkt aus dem Harvester an meinen Chef oder den Förster schicken“, erklärt Tobias Stuff.

Doch schadet das enorme Gewicht des Spezialfahrzeuges nicht dem Waldboden, der dadurch eventuell zu sehr verdichtet wird? „Nein“, erläutert Stuff. Denn: „Die 25 Tonnen werden auf acht Räder verteilt und ich werfe den Abraum, also die Äste, immer vor das Fahrzeug, bevor ich weiterfahre. Das schont den Boden zusätzlich.“

Noch 50 000 Festmeter Käferholz

Zu tun hat Stuff in den kommenden Wochen übrigens noch genug, der Holzhandel boomt. Allein im jetzigen Einsatzgebiet am Willertshagener Weg sind Fichten auf einer Fläche von sechs bis sieben Hektar aufzuarbeiten. „Im ganzen Forstbezirk Beckerhof sind etwa noch 50 000 Festmeter Käferholz vorhanden, die herausgeschafft werden müssen“, erläutert Matthias Borgmann. Dass das bis zum Käferflug zu schaffen ist, da ist der Förster eher skeptisch.

Eines freut ihn hingegen: „Der Holzmarkt floriert, die Nachfrage ist groß. Neben den Käufern aus China haben auch die heimischen Sägewerke schon vor einiger Zeit wieder Bedarf gemeldet. Der heimische Absatz ist wieder top. Allerdings ist der zu erzielende Preis noch nicht wieder auf höherem Niveau. Und gefragt ist ausschließlich frisches Holz“, beschreibt der Forstexperte die derzeitige Lage.

Schnee-Touristen machen Probleme

Zurück zu Tobias Stuff und seinem Harvester: Schwieriges Gelände, Schnee und Eis – das alles ist kein Problem für ihn. Die zahlreichen Schnee-Touristen hingegen schon. „Viele gehen einfach nicht zur Seite. Ganz schlimm war das im Bereich Hubertusweg. Die liefen dort mit Halbschuhen herum und wollten nicht auf die Flächen neben dem Weg ausweichen, wo 20 bis 30 Zentimeter Schnee lag. Und einige laufen sogar auf den Holzstapeln am Wegrand herum. Das ist sehr gefährlich. Auch unsere Absperrungen, die wir in dem Gebiet angebracht haben, in dem gearbeitet wird, nützen oft nichts.“ Und, noch schlimmer: „Auf Diskussionen muss man sich da gar nicht einlassen. Die laufen um den Harvester herum und gehen einfach weiter.“

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