Kampf gegen Corona

Impfen ab 12? Ein Stimmungsbild

Im Impfzentrum in Lüdenscheid werden bereits 12- bis 15-Jährige geimpft.
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Im Impfzentrum in Lüdenscheid werden bereits 12- bis 15-Jährige geimpft.

Die dritte Impfung für Risikopatienten soll ab September möglich sein, Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren können sich ebenfalls gegen Covid-19 impfen lassen. Darin sind sich die Gesundheitsminister der Länder und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn einig. Stößt diese Entscheidung überall und ohne Einschränkungen auf Zustimmung?

Meinerzhagen – Impfarzt Peter Nolte aus Valbert, der bislang deutlich mehr als 1000 Menschen die unter Umständen lebensrettende Immunisierung ermöglicht hat, steht beiden Themen kritisch gegenüber: „Pfizer hatte kürzlich zur dritten Impfung gerade einmal Daten, die von 23 Probanden stammen. Das ist viel zu wenig, um wissenschaftlich fundierte Aussagen treffen zu können. Die Diskussion über die Drittimpfung ist momentan deshalb unsachlich und das macht mich wirklich sauer. Ich finde das höchst kritisch.“

Nolte fehlen valide Daten

Ähnlich sieht Peter Nolte den Beschluss, Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren die Impfung zu ermöglichen: „Auch hier gibt es noch keine validen Daten. Klar ist für mich, dass sich Kinder und Jugendliche mit einem erhöhten Risiko auf einen schweren Krankheitsverlauf impfen lassen sollten. Aber ansonsten würde ich in dieser Altersgruppe warten, bis belastbare Daten vorliegen.“

Sven Dombrowski selbst ist gegen Covid-19 geimpft. Der Rektor des Evangelischen Gymnasiums Meinerzhagen will in der kommenden Woche in der Schulleitungs-Runde genau über dieses Thema sprechen. Sein Kollegium sei zu mehr als 90 Prozent durchgeimpft. „Jetzt finde ich grundsätzlich gut, dass die Jugendlichen ein Impfangebot bekommen. Ob das ab 12 Jahren sein muss, weiß ich allerdings nicht. Vielleicht sollte man die Grenze bei 14 Jahren ziehen“, ist seine (private) Meinung.

Impfung bringt Freiheiten zurück

Seine positive Einstellung zum Thema Impfen von Jugendlichen begründet Dombrowski so: „Die Geimpften können Freiheiten zurück bekommen. Und sie schützen auch beispielsweise Oma und Opa. Und uns in der Schule würden Geimpfte ein Stück mehr Sicherheit geben.“

Konkrete Pläne zu einer Impfaktion am Gymnasium gibt es aber nicht. Auf dem möglichen Weg dorthin, gilt es natürlich auch, Meinungen und Zustimmungen einzuholen, beispielsweise von den Schülern selbst und natürlich deren Eltern. Dass einmal der Impfbus am Evangelischen Gymnasium vorfährt, das kann sich Sven Dombrowski aber gut vorstellen: „Solch niederschwellige Angebote begrüße ich durchaus.“

Dirk Gerlach ist Leiter der Waldjugend Meinerzhagen und doppelt geimpft. In seiner Gruppe sind viele Kinder, aber auch Jugendliche ab 12 Jahren. „Wenn wir uns treffen, ist der Schnelltest davor schon Normalität. Wenn die Älteren geimpft wären, könnte das bei dieser Gruppe wegfallen. Und die Jugendlichen würden natürlich auch andere schützen, weil sie wohl deutlich weniger ansteckend wären“, hat der Horstleiter eine klare Meinung zum Impfangebot für die 12- bis 15-Jährigen.

Landeslager fehlen

Die Waldjugend lebt von Gruppentreffen. Auch größere Landeslager mit einigen Hundert Beteiligten waren vor der Pandemie normal. „Seit zwei Jahren gibt es diese Lager aber nicht mehr. Ein Grund ist der, dass die Kinder und Jugendlichen dabei kaum sauber zu trennen sind. Gruppenweise zum Duschen – das wäre schwierig umzusetzen“, glaubt Gerlach.

Gerade diese Landeslager sind es aber, die laut Gerlach vermisst würden. „Auch dabei würden die Jugendlichen gerne wieder zur Normalität zurückkehren. Impfungen könnten das ein Stück weit ermöglichen. Ich persönlich würde Kindern und Jugendlichen ab 12 Jahren deshalb auch empfehlen, sich impfen zu lassen“, sagt er.

Schülersprecher für das Impfen

Der Schülersprecher des Evangelischen Gymnasiums Robin Bodenstein hat an diesem Freitag seine zweite Impfdosis erhalten. Das macht deutlich, wie der 17-Jährige zum Thema Impfen steht: „Ich möchte mein Umfeld schützen, besonders Menschen mit Vorerkrankungen. Aber ich verstehe auch Jugendliche, die sich nicht impfen lassen wollen, weil sie Angst vor Nebenwirkungen haben. Oft wird argumentiert, dass die bei jungen Menschen stärker seien als die Krankheitssymptome selbst.“

Außerdem, so Robin Bodenstein weiter, hätten viele Jugendliche auch Bedenken wegen möglicher langfristiger Auswirkungen. Er selbst glaubt aber: „Die Impfungen machen natürlich Sinn, um die Pandemie einzudämmen.“

Und wie ist die Stimmung unter den heimischen Gymnasiasten generell, wenn es um dieses kontrovers diskutierte Thema geht? „Sehr unterschiedlich. Viele sind skeptisch, auch wegen der eventuellen Langzeitwirkungen. Es gibt aber auch andere, die durch eine Impfung wieder ihre Freiheit zurückerhalten möchten.“

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