Immer weniger Christen auch in Meinerzhagen und Kierspe

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Pastor Stefan Beilicke will auf die Menschen zugehen, ihnen zuhören.

Meinerzhagen/Kierspe –Das Schrumpfen der Kirchengemeinden geht weiter. Und es betrifft beide großen Konfessionen. Ob katholische oder evangelische Kirche – immer weniger Menschen bekennen sich dort offiziell zu ihrem Glauben. Das belegen aktuelle Zahlen, die jetzt vom Bistum Essen und vom Kreiskirchenamt Sauerland-Hellweg herausgegeben wurden.

St. Maria Immaculata ist eine Großpfarrei mit Kirchen in Kierspe, Meinerzhagen und Valbert. Zum Stichtag 31. Dezember 2018 zählte sie exakt 6693 Katholiken. Die Entwicklung über mehrere Jahre hinweg zeigt, wo der Weg hingeht. Zum Vergleich: 2012 waren noch 7032 Gemeindeglieder in St. Maria Immaculata registriert, 2013 betrug die Zahl 6976, 2014 genau 6941 und ein Jahr später nur noch 6878.

Besorgniserregend sind auch die Zahlen im Kreisdekanat Altena-Lüdenscheid. Hier weist die kirchliche Jahresstatistik für 2010 noch 53 684 Katholiken aus. Ende 2018 waren es nur noch 48 682. Pastor Stefan Beilicke ist katholischer Seelsorger in Valbert. Auch er weiß, dass es kontinuierlich bergab geht, was die Mitgliederzahlen angeht. Ein Patentrezept, wie diese Entwicklung zu stoppen oder gar umzukehren ist, hat aber auch er nicht. Für den Geistlichen steht allerdings fest: „Wir als Kirche sind hier gefordert. Wir müssen uns auf Wichtiges konzentrieren, ganz neu auf die Menschen zugehen, ihnen zuhören, den direkten Kontakt suchen.“ 

Er selbst war auch beim Valberter Schützenfest am vergangenen Wochenende präsent. „Dort habe ich im Rahmen des ökumenischen Gottesdienstes gepredigt und auch beim Totengedenken.“ Die Konkurrenz ist groß, gerade junge Menschen haben in Zeiten der sozialen Medien ganz andere Möglichkeiten, Kontakte zu knüpfen. Die Gesellschaft ist im Wandel, das weiß auch Pastor Beilicke. „Es ist schwieriger geworden, die Menschen zu erreichen“, sagt er. Dieser Aufgabe möchte sich der Geistliche aber stellen. 

Die Problematik ist nicht neu. Bereits Pastor Thorsten Rehberg, der die Pfarrei St. Maria Immaculata inzwischen verlassen hat, wusste das: „Die Ausgaben steigen, die Kirchensteuer stagniert. Bis zum Jahr 2020 erwarten wir ein finanzielles Minus von 40 Prozent, noch mal minus 10 Prozent werden bis zum Jahr 2030 dazukommen. Im gesamten Bistum Essen hat sich außerdem die Zahl der Katholiken seit 1958 fast halbiert. Wir müssen reagieren“, führte er im Frühjahr des vergangenen Jahres aus. Er sprach damals ein Problemfeld konkret an: „In den 70er- und 80er-Jahren war das Geld da, es wurde viel gebaut. Jetzt haben wir zu viele Gebäude.“ 

Mit ihren Probleme steht die katholische Gemeinde aber nicht allein da, das zeigen Zahlen aus dem evangelischen Kreiskirchenamt Sauerland-Hellweg. In den evangelischen Kirchengemeinden Meinerzhagen, Valbert, Kierspe und Rönsahl waren demnach Ende des Jahres 2018 zusammen 13 056 Gemeindeglieder registriert. 2010 waren es noch 14 952. Über 14 586 (2013), 14 283 (2014), 13 925 (2015), 13 614 (2016) und 13 414 (2017) sank die Anzahl auf den aktuellen Stand. 

Eine Zahl zeigt sehr deutlich die Tendenz auf, in die es für die evangelische Kirche in den Gemeinden oben an der Volme geht: Im Jahr 2018 traten in den vier Gemeinden 78 (bis dahin) evangelische Christen aus, nur neun Eintritte wurden vom Kreiskirchenamt im selben Zeitraum registriert.

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