Jetzt braucht die Tafel Hilfe

Fady Salama hat Info-Tafeln mit erläuternden Bildern und Hinweisen in arabischer Sprache angefertigt. - Foto: Beil

Meinerzhagen - Zwischen 150 und 180 „Stammkunden“ hat die Meinerzhagener Tafel. Und seit einigen Wochen erscheinen zum Ausgabetermin an jedem ersten Donnerstag im Monat zusätzlich etwa 120 Flüchtlinge. Auch sie möchten im Gemeindenzentrum am Inselweg Lebensmittel abholen, für die nur 1 Euro pro Korb berechnet wird. Das macht zusammen etwa 300 Kunden – die Tafel stößt an ihre Grenzen.

Pastor Klaus Kemper-Kohlhase ist sich der Herausforderung durchaus bewusst, aber er und sein Team stellen sich der Aufgabe: „Es sind hauptsächlich junge, männliche Flüchtlinge aus städtischen Unterkünften, die nun zu uns kommen. Weil die meisten von ihnen Moslems sind, haben wir uns natürlich auf sie eingestellt.“ Das bedeutet: Schweinefleisch wird diesen Hilfesuchenden nicht angeboten. Auf einer kleinen Tafel, die im Ausgaberaum aufgehängt wurde, sind die Tiere abgebildet, deren Fleisch im Angebot ist. Durch einfaches Zeigen auf die Spezies machen die Tafel-Mitarbeiter den Besuchern aus dem arabischen Sprachraum deutlich, was sie bekommen. Deutet die Tafel-Helferin auf das Schwein, ist allgemeines Kopfschütteln angesagt. Rind, Huhn und Lamm hingegen werden gern genommen.

Viel mehr Kunden als noch vor wenigen Monaten – schürt das Neid unter den Hilfesuchenden? „Bei uns ist das natürlich wie überall im Leben. Da ist auch Neid unter den Gästen festzustellen. Aber das bezieht sich nicht nur auf die ,Stammkunden’ auf der einen und die Flüchtlinge auf der anderen Seite. In der ganzen Gesellschaft ist es doch so, dass es tolerante und weniger tolerante Menschen gibt“, weiß Pastor Kemper-Kohlhase.

Weil die Zahl der Tafel-Gäste enorm angewachsen ist, aber das Aufkommen an Lebensmittel-Spenden eher sinkt, haben der Seelsorger und sein ganzes Team ein Problem. Das lässt sich bisher durch Geldspenden einigermaßen ausgleichen. „Pro Monat kaufen wir für etwa 2000 Euro Nahrungsmittel hinzu. Wir haben gewisse Reserven, aber die schrumpfen“, bittet Klaus Kemper-Kohlhase dringend um Zuwendungen in Form von Geld. „Von den Lebensmittelmärkten kommt inzwischen eher weniger bei uns an als früher“, hat er festgestellt. Das liege wohl daran, dass heute anders kalkuliert werde als früher.

40 ehrenamtliche Helfer hat die Meinerzhagener Tafel, darunter auch einige Männer. Ihnen wurde jetzt eine zusätzliche Aufgabe übertragen: Zwei Mitarbeiter stehen am Eingang der Ausgabestelle. „Der Ordnung halber“, erläutert Klaus Kemper-Kohlhase. Hintergrund für diese Maßnahme: Einige wenige Flüchtlinge mögen sich den Anweisungen von Frauen nicht so gern fügen. Das sei so, weil die Stellung der Frau in den Kulturkreisen eine ganz andere sei, aus denen viele Flüchtlinge kommen, wurde beobachtet. „Es ist nicht immer ganz einfach“, räumt Klaus Kemper-Kohlhase ein. Er bezieht diese Probleme aber keineswegs auf eine ganze Kunden-Gruppe. „Es sind nur wenige, die sich so verhalten“, relativiert der Geistliche.

Eine große Hilfe ist am Inselweg inzwischen Fady Salama. Der Ägypter in Diensten der Stadt räumt Sprachbarrieren aus dem Weg und auch seine neueste Aktion wurde dankbar angenommen: Salama hat Tafeln angefertigt, auf denen neben Bildern auch Hinweise in arabischer Schrift prangen. Und in der Warteschlange, die sich an jedem ersten Donnerstag im Monat vor dem Gemeindezentrum bildet, sorgt er für Ordnung. „Eine ganz wertvolle Unterstützung“, freut sich Klaus Kemper-Kohlhase.

Geldspenden werden erbeten an: Meinerzhagener Tafel, IBAN DE34447615341120727700, bei der Volksbank im Märkischen Kreis.

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