Corona und die Auswirkungen

„Den Kindern hat der Sport gefehlt“

Abhängig von der jeweiligen Inzidenz und den geltenden Corona-Regeln wurde beim RSV Listertal trainiert.
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Abhängig von der jeweiligen Inzidenz und den geltenden Corona-Regeln wurde beim RSV Listertal trainiert.

Mehr Gewicht, dafür weniger Fitness – einer Studie zufolge hat die Corona-Pandemie Folgen für Grundschüler. In den Schulen sollte es daher nicht nur darum gehen, Wissenslücken in Mathe und Deutsch zu schließen, auch im Sport sollen Kinder aufholen.

Meinerzhagen – An ihrer Schule laufe der Sportunterricht mit Beginn des neuen Schuljahres nach Plan, berichtet Christiane Wagner, Leiterin der Grundschule Auf der Wahr. Dass das Virus auch dafür gesorgt hat, dass Kinder sich allgemein weniger bewegt haben, bestätigt auch sie. Ein Grund sei aber nicht nur der fehlende Sportunterricht während des Homeschoolings. „Auch in den Vereinen konnten keine Sportangebote stattfinden. Das Vereinsleben fehlte.“ Während des Präsenzunterrichtes sei der Schulsport nach draußen verlegt worden. „Wir sind durch den Wald geflitzt oder haben Ballspiele auf der Wiese gemacht“, blickt Christiane Wagner zurück, wohl wissend, dass dabei natürlich nicht die Möglichkeiten gegeben waren, die der Schulsport mit entsprechenden Geräten in der Halle ermöglicht.

Fehlender Schwimmunterricht

Kein regulärer Schulsport, kein Sport im Verein – mangelnde Fitness sei demnach vermutlich Ursache dieser beiden Umstände. „Auch das Toben draußen mit Freunden oder auf dem Spielplatz hat natürlich gefehlt“, nennt die Schulleiterin einen weiteren Effekt.

Dennoch: Größeres Kopfzerbrechen bereitet Christiane Wagner der fehlende Schwimmunterricht: „Das merkt man deutlich“, hat sie festgestellt. Da aufgrund der Hygienevorschriften monatelang weder Schwimmkurse noch Schwimmunterricht in der Schule stattfinden konnten, habe sich das Können der Kinder hier verschlechtert und manche Grundschüler könnten noch gar nicht schwimmen. Daher sei sie froh, dass auch der Schwimmunterricht wieder durchgeführt werden könne. In der Schule Auf der Wahr haben derzeit die Jahrgänge eins, drei und vier Schwimmunterricht, die zweiten Klassen sollen im nächsten Halbjahr an der Reihe sein. Ebenso wichtig sei es für die Entwicklung, die Schüler im Präsenzunterricht zu unterrichten. „Das soziale Miteinander ist es, was den Kindern während der Lockdowns gefehlt hat.“

Treue Nachwuchskicker

Dirk Sinderhauf ist als Jugendtrainer beim RSV Listertal tätig und hier zugleich auch als Jugendkoordinator aktiv. Er freut sich, dass nahezu alle jungen Nachwuchskicker dabei geblieben sind und mittlerweile wieder im gewohnten Umfang trainieren. „Manche haben während des Lockdowns auch zuhause Übungen und Workouts durchgeführt. Zwischendurch hat das sogar einen richtigen Hype bekommen“, weiß der Sportler um den Trainingswillen seiner Schützlinge.

Dennoch kennt der Meinerzhagener auch Kinder, die während der Pandemie aufgrund mangelnder Bewegung ihre Fitness und auch ihre Lust am Sport verloren haben. Während der Lockdown-Phasen seien in Sachen Bewegung einmal mehr auch Eltern gefordert gewesen: „Es gab keinen Vereinssport und die Kinder durften sich nicht treffen, aber mit der Familie zusammen kann man ja schon rausgehen und sich bewegen, vielleicht auch mal eine Runde joggen.“

Hallensport lange nicht möglich

Glück für die Fußballer: Während der Hallensport lange nicht möglich war, durfte das „Outdoor“-Training abhängig von der jeweiligen Inzidenz und mit vorgeschriebenen Hygienevorschriften stattfinden. „Da hatten wir schon ein Privileg, dass wir Training anbieten durften, wenn auch zeitweise nur in Kleinstgruppen und kontaktlos.“

Die TSG Valbert bietet erst seit Kurzem wieder Hallensport an. „Die Kinder, die kommen, freuen sich“, berichtet Stella Börger. Sie ist nicht nur Vorsitzende des Stadtsportverbandes, sondern leitet im Ebbedorf auch insgesamt vier Sport-Gruppen: eine Mutter-Kind-Gruppe, eine Tanzgruppe und zwei Turngruppen, in denen beispielsweise Motorik- oder Koordinationsübungen angeboten werden und die von Mädchen und Jungen zwischen vier und zehn Jahren besucht werden.

Eines hat sie seit der Wiederaufnahme des Trainings allerdings festgestellt: „Ich kann nicht sagen, dass die Kinder unbeweglicher geworden sind, aber die Gruppen sind kleiner.“ Vorher seien zwischen 25 und 30 junge Sportler gekommen, „jetzt ist es die Hälfte.“

Stella Börger hat diesbezüglich aber noch Hoffnung, da das Angebot erst seit Kurzem wieder laufe. Allerdings befürchtet sie, dass es den Familien schwerfalle, wieder ihren regelmäßigen Rhythmus zu finden. „Während der Corona-Zeit haben sie sich anders organisiert.“ Sie hofft aber, dass sich der Alltag auch in dieser Hinsicht wieder einspielen wird: „Die Eltern berichten vielfach, dass den Kindern der Sport gefehlt hat.“

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