Illegal entsorgte Flusssäure an der A 45

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Diese Spezialanzüge bieten Schutz auch gegen die gefährliche Flusssäure. ▪

MEINERZHAGEN ▪ „Flusssäure ist ein starkes Kontaktgift.

Die Gefährlichkeit wird dadurch noch erhöht, dass sie sofort von der Haut resorbiert wird. Dadurch ist eine Verätzung tieferer Gewebeschichten und sogar der Knochen möglich, ohne dass die Haut äußerlich sichtbar verletzt ist. Eine handtellergroße Verätzung wirkt bei 40prozentiger Flusssäure bereits in aller Regel durch resorptive Giftwirkung tödlich. Flusssäure schädigt das Nervensystem. Schmerzstillende Mittel, selbst Betäubungsmittel wie Morphin und Fentanyl, sind hierbei fast wirkungslos.“

Bei Wikipedia ist nachzulesen, wie gefährlich Flusssäure ist. Und genau deshalb läuteten am Freitag um 16.30 Uhr auch alle Alarmglocken bei der Meinerzhagener Feuerwehr, als sich die Wehrmänner auf dem Autobahn-Parkplatz Rothenstein plötzlich mit zwei verschlossenen, „herrenlosen“ und wassereimergroßen Behältern konfrontiert sahen, die diese Chemikalie enthielten. Wer sie dort illegal entsorgt hatte – das ist bis heute unklar.

Glück im Unglück: Mit der Löschgruppe Willertshagen verfügt die Freiwillige Feuerwehr Meinerzhagen über Spezialisten, die für Chemieunfälle nicht nur bestens ausgerüstet sind, sondern auch über das nötige Fachwissen verfügen. Die Einheit rückte am Freitag – zusammen mit etwa 20 Kameraden des Löschzuges 1 – aus. Mit Atemschutz und speziellen Vollschutzanzügen ausgerüstet, stellten die Wehrmänner zunächst fest, dass die Behälter dicht hielten und keine Flüsssäure austrat. Abtransportieren konnte die Feuerwehr die ätzende Substanz aber nicht. „Das dürfen wir gar nicht“, sagte Ulrich Blumenrath, stellvertretender Stadtbrandinspektor. Und so wurde das Entsorgungsunternehmen Lobbe hinzugezogen. Die Spezialisten nahmen die Flusssäure-Behälter mit und entsorgten sie fachgerecht.

Die Autobahn 45 ist für Meinerzhagen Fluch und Segen zugleich. Einerseits stellt die Fernstraße einen klaren Standortvorteil dar, vor allen Dingen für Industrie und Handel. Andererseits birgt sie auch Gefahren, nicht zuletzt durch hunderte von Chemietransporten, die täglich an Meinerzhagen vorbeirollen. „Befördert wird alles was ätzt, explodiert, brennt oder giftig ist“, weiß Oberbrandmeister Christian Bösinghaus von der Löschgruppe Willertshagen. Er ist der ranghöchste ABC-Experte in Meinerzhagen, zusammen mit seinem Kameraden Marc Schulte. ABC, diese drei Buchstaben stehen für „Atomar“, „Biologisch“ und „Chemisch“. Und genau auf diese Gebiete sind die heimischen Wehrmänner spezialisiert. Bösinghaus und Schulte werden mit ihren Kameraden auch innerhalb des Märkischen Kreises angefordert, so zum Beispiel beim Großbrand in der Iserlohner Firma Weka, bei einem Feuer in einer Galvanik in Halver oder einem Fleischerei-Brand in Lüdenscheid. Begehrt sind die Fachleute auch als Ausbilder. Bei Seminaren in Plettenberg schulen sie Kameraden aus dem gesamten Kreisgebiet in Sachen „ABC“.

Der Einsatz am Freitag war aber auch für die Meinerzhagener Feuerwehr vom Gefahrenpotenzial ausgehend etwas ganz Besonderes. Dass alles glimpflich ablief, ist dabei vor allen Dingen dem Können und der Umsicht der Feuerwehrleute zu verdanken. Was der Verkehr auf der A 45 ihnen künftig noch an Arbeit „bescheren“ wird, ist unklar. Fakt ist jedenfalls, dass ständig mit dem Schlimmsten zu rechnen ist. ▪ beil

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