113 Meinerzhagener Ideen fürs Klima

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Nicht jede Idee ist mit einem Pin versehen: Die Ideenkarte für Meinerzhagen weist auf den ersten Blick nur 31 Vorschläge auf, wer sich durchklickt, stößt aber auf 113. Vorgeschlagen werden unter anderem Verbote von Osterfeuern und Feuerwerk.

Meinerzhagen - Zahlreiche Bürger haben mitgemacht, am Montag schloss sich die Tür für neue Ideen: Auf der sogenannten Ideenkarte der Stadt befinden sich nun 113 Vorschläge für den Klimaschutz in Meinerzhagen. Dazu gehören auch bemerkenswerte Innovationen.

Ob Wohngebäudesanierung, erneuerbare Energien, umweltfreundliche Mobilität oder Klimaanpassung: In diesen vier Themenfeldern waren die Bürger aufgerufen, ihre Ideen in einer Online-Karte einzutragen. Diese Karte soll nun Grundlage sein für das Klimaschutzkonzept des Märkischen Kreises, an dessen Erstellung sich acht Kommunen beteiligen. Doch die Resonanz auf den Bürgeraufruf war durchaus unterschiedlich. So finden sich in Halver gleich 160 Ideen auf der Online-Karte, in Kierspe sind es immerhin 109, im deutlich kleineren Schalksmühle sind es nur 39. Und in Meinerzhagen eben jene 113, unter denen sich teils ambitionierte, teils mutige oder auch visionäre Vorschläge befinden. Hier ein Auszug aus einigen der Ideen. 

Wohngebäude-Sanierung: Der mit Abstand kleinste Themenbereich. Dennoch gab es auch hier einige Vorschläge: Die Palette reicht von einem Baulückenkataster über ein Bonus-Programm für Effizienzmaßnahmen an Gebäuden bis hin zur Förderung von Fotovoltaikanlagen.

Umweltfreundliche Mobilität: Der wahre Ideenpool der Aktion. Vieles wiederholt sich: Wie die Forderung nach mehr und besseren Fahrradwegen, einer klimafreundlicheren Ampelschaltung oder einer Förderung von E-Mobilitätskonzepten. Manche Ideen gehen aber noch ein Stück weiter: Nutzerin „Ira“ schlägt zum Beispiel die Fertigstellung der 1913 angefangenen Bahnlinie von Meinerzhagen über Krummenerl und Olpe bis nach Kreuztal vor. Auch ganze autofreie Wochenenden könnten – in Anlehnung an das Autofreie Volmetal – für Entlastungen auf den Straßen sorgen. Ebenfalls genannt: die Idee eines deutlich günstigeren, wenn nicht sogar kostenlosen Tickets für den öffentlichen Personennahverkehr. Um die jüngeren Meinerzhagener an den Wochenenden nicht mit dem Auto in ferne Städte fahren zu lassen, solle es außerdem mehr Angebote für sie im Ort geben, und: auch Carsharing und Mitfahrzentralen werden vorgeschlagen. Während einige Autofahrer das Problem zu kleiner Parkplätze kennen, will einer der Ideengeber genau dort ansetzen: Er schlägt vor, die Größe der Stellflächen nicht dem SUV-Trend anzupassen.

Klimaanpassung: Wie kann das Klima im Ort aktiv gestärkt werden? Damit beschäftigen sich Ideen unter dem Schwerpunkt „Klimaanpassung“. Und da schaut ein Ideengeber nach Kierspe: Dort wurde ein Hochzeitswald angelegt. Nicht nur Brautpaare, auch frischgebackene Eltern könnten für ihre Trauung/ihre Geburt einen Baum pflanzen und so einen Beitrag zur CO2-Reduzierung leisten. Weitere Begrünungen von Dächern und Innenstadtflächen oder das Anlegen von Wild- und Streuobstwiesen runden das Ideenpaket ab. Denn: „Bäume vernichten CO2, erzeugen O2, sind Nahrungsquelle und Behausung zahlreicher Tiere, spenden Schatten, wirken temperaturausgleichend und erhöhen immens die Attraktivität der Fußgängerzone, der eindeutig Blattgrün fehlt“, schreibt „Birgit“, die sich eine natürliche Verschönerung der Derschlager Straße wünscht. Ebenfalls vorgeschlagen: nicht nur die Förderung, sondern die gesetzliche Forderung von Versickerungsanlagen von Niederschlagswasser. Denn: Das Vermischen von Abwasser und Regenwasser im Kanalsystem sollte soweit als möglich vermieden werden, schlägt ein Nutzer vor. 

Sonstiges: Ideen, die sich für die Urheber nicht eindeutig zuordnen ließen, landeten in der Kategorie „Sonstiges“. Und dort findet sich eine ganze Reihe ausgefallener Vorschläge, von denen sich manche recht unkompliziert umsetzen ließen. Wie etwa Anlehnbügel für Fahrräder am Freibad oder auch das Verbot von Feuerwerk im Stadtgebiet. Formell recht einfach, aber sicherlich für einige Meinerzhagener noch diskutabler als das Feuerwerkverbot wäre sicher das Verbot von Osterfeuern, von denen eine CO2-Belastung ausgehe, wie ein Teilnehmer betont. Dass sich die Ideengeber in einigen Bereichen aber auch widersprechen, zeigt ein anderes Beispiel: Während der eine die Einführung eines digitalen Stadtführers zur Papiervermeidung als Ersatz für gedrucktes Infomaterial vorschlägt, hält eine andere Nutzerin es für nötig, sogenannte Klimaflyer für verschiedene Themenbereiche drucken und in den Haushalten verteilen zu lassen. Ein Nutzer verbindet außerdem den Leerstand mancher Ladenlokale mit dem Thema Klimaschutz: „In Meinerzhagen stehen so viele Geschäfte leer, dass man jungen, grünen Startups dort die Möglichkeit geben sollte, innovative Ideen für die Region zu entwickeln wie Upcycling, Digitalisierungsprojekte, Bildungskonzepte, Umweltaktionen in Kooperation“, heißt es da. Und auch ein sogenannter Stoffwindelzuschuss zur Müllreduzierung wird vorgeschlagen. Diese Art der Unterstützung gebe es bereits in 41 anderen Kommunen. 

Die Ideen sollen nun von einer Lenkungsgruppe der Verwaltung gesichtet und im Rahmen eines sogenannten Klimacafés nochmals thematisiert werden. Zu diesen Cafés, so erklärt Achim Stockhecke von der Stadtverwaltung, sind auch weitere Bürger eingeladen, die Ideen vortragen möchten. „Nach der Sammlung wird geschaut, welche Ideen überhaupt umgesetzt werden können – und welche zum Thema Klimaschutz passen.“

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