Stolpersteine stoßen immer noch auf Skepsis

Im Haus Kirchstraße 5 (links) lebte einst die Familie Stern.

Meinerzhagen - Die Idee des Künstlers Gunter Demnig greift weiter um sich: Der Wunsch, die Schicksale jüdischer Mitbürger in der NS-Zeit zu beleuchten und im Ort greifbar zu machen, erfährt am Freitag, 29. August, eine Fortsetzung. Dann werden weitere 13 der sogenannten Stolpersteine in der Innenstadt verlegt - diesmal an den Standorten Kirchstraße 5 und Zur Alten Post 8. Doch immer noch stoßen die Initiatoren in der Stadt auf Skepsis.

Von Frank Zacharias

„Wir sind zurückhaltend, wollen keinen öffentlichen Druck aufbauen. Aber es gibt leider immer noch Hauseigentümer, die einer Verlegung nicht zustimmen“, sagt Rolf Janßen von der Initiative „Stolpersteine Meinerzhagen“ im Gespräch mit der MZ. Den Akteuren sei stets darum gelegen, im Einvernehmen mit den Anliegern zu einer Lösung zu kommen, die eine Verlegung der Steine zulässt. Zumal dies nach einem Ratsbeschluss aus dem September 2012 auch zwingend notwendig ist - gegen den Wunsch des „Nachbarn“ darf auch auf öffentlichen Gehwegen kein Stolperstein verlegt werden. Den damaligen Ratsbeschluss sieht Janßen kritisch, denn er sagt: „Die Steine müssen überall hin. Dafür bräuchten wir aber eigentlich eine neue Entscheidung des Rates, der die Verlegung auch ohne Zustimmung der Anlieger möglich macht.“ Ob dieser Wunsch jedoch Realität wird, ist mehr als unwahrscheinlich: Der Beschluss aus dem Jahr 2012 wurde einstimmig gefasst. Und seither hat sich an den Mehrheitsverhältnissen bekanntlich auch nach der Kommunalwahl kaum etwas geändert.

So gilt es für die Unterstützer der Stolperstein-Aktion nun, nach vorne zu schauen: Die Erleichterung darüber, zwei weitere Verlegeorte gesichert zu haben, ist groß. Da ist zum einen der Gehweg vor dem Gebäude Zur Alten Post 8 (ehemals Hauptstraße 6), wo einst das Versandhaus von Julius Stern zu finden war. Ihm ist einer der sechs Gedenksteine gewidmet, die dort am 29. August ab 9 Uhr verlegt werden. Erinnert wird dann außerdem an Cilly Stern (geborene Weil), Siegfried Schwarz, Erwin Stern, Jenny Weil und Erna Schwarz (geborene Stern), deren Großnichten und -neffen aus Baltimore (USA) zur Verlegung in Meinerzhagen erwartet werden. Um 9.45 Uhr schließt sich die Verlegung sieben weiterer Stolpersteine in Höhe der Kirchstraße 5 an. Dort, wo sich nun eine Physiotherapie-Praxis befindet, wird den Schicksalen von Leo Stern, Erna Stern (geborene Rosenberg), Franziska Stern, Bernhard Stern, Kurt Stern, Karola Stern und Hedwig Rosenberg gedacht. Angekündigt haben sich zur feierlichen Verlegung unter anderem die beiden heimischen Bundestagsabgeordneten Petra Crone (SPD) und Dr. Matthias Heider (CDU).

Doch soll dies für die Stolperstein-Initiatoren eben nicht die letzte Verlegung in Meinerzhagen gewesen sein. Sie hoffen auf das Einlenken der Skeptiker und auf ein Bewusstsein dafür, welch hohe Bedeutung diese Aktion auch für die direkt Betroffenen noch hat. „Schließlich leben auch heute noch einige der einstigen jüdischen Mitbürger. Es ist schwer, ihnen zu vermitteln, dass sich einzelne Meinerzhagener gegen eine Erinnerung an ihr Schicksal ausgesprochen haben“, sagt Janßen. Sämtliche realisierte und geplante Verlegeorte sind auf der Internetseite der Initiative unter www.stolpersteine-meinerzhagen.de zu finden.

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