Die neue Hygieneampel: Chance oder Ballast?

Christian Teich ist Geselle in der Bäckerei Voss. Auch dieser Betrieb wird demnächst eine Hygieneampel installieren. - Fotos: Beil

Meinerzhagen - Bei „Grün“ ist alles in Ordnung. „Rot“ bedeutet mangelhaft. Die Hygieneampel wird – mit einer dreijährigen Übergangsfrist – eingeführt. Wer Lebensmittel verkauft oder auftischt, muss eine Tafel aufhängen, auf der farblich dargestellt ist, wie Lebensmittelkontrolleure den jeweiligen Betrieb beurteilt haben.

Chance oder Ballast? Was sagen heimische Betriebe zu dem Pilotprojekt, das in Nordrhein-Westfalen als einzigem Bundesland bald zum Alltag in Bäckereien, Metzgereien, Imbissen und Restaurants gehört? „Nicht fair, nicht ausgegoren“, findet Bäckermeister Karl-Jörg Voss. Der Inhaber, der sein Geschäft an der Lindenstraße betreibt, ist nicht gerade glücklich über die Einführung der „Ampel“. 

„Wir bemühen uns täglich, so sauber und ordentlich zu arbeiten, wie eben möglich. Und wir sind uns unserer großen Verantwortung gegenüber den Kunden sehr bewusst. Außerdem besuchen wir regelmäßig Schulungen. Aber es gibt doch bezüglich der Ampel unterschiedliche Anforderungen an unterschiedliche Betriebe. Die Beurteilung obliegt doch dann letztendlich immer dem jeweiligen Kontrolleur. Das ist für mich so, als wenn Preisrichter über eine Kür beim Eislaufen urteilen“, findet Voss.

Auch für den heimischen Bäcker ist der Verbraucherschutz wichtig. Aber jemanden durch die Veröffentlichung der Ergebnisse an den Pranger zu stellen, hält Karl-Jörg Voss nicht für richtig. Er bemängelt in diesem Zusammenhang auch, dass es keine klaren Beurteilungs-Regeln gebe: „Das alles ist recht schwammig formuliert.“ Das betreffe auch die Dokumentationen, die er in seinem Betrieb über die Arbeitsabläufe erstellen muss: „Wie oft muss ich einen Tisch abwaschen oder das Lager fegen? Da gibt es keine klaren Regeln.“ Sauber und hygienisch sei sein Betrieb natürlich schon immer gewesen. „In meine Backstube kann jeder jederzeit hineinschauen“, sagt Voss. Ihn stört deshalb weniger die Kontrolle selbst – eher der Aufwand, der mit der Dokumentation anfällt. „Schon jetzt verschlingt das alles sehr viel Zeit“, sagt er.

Volker Rabe, Inhaber der gleichnamigen Metzgerei an der Hauptstraße, berichtet beim Thema Hygieneampel von einer geteilten Meinung, die er bei den Kunden ausgemacht hat: „Viele halten die neue Regelung für besser, andere finden, dass bereits jetzt genug kontrolliert wird.“ Er selbst hält den Hygienestandard momentan bereits für sehr hoch. „Klar, die Ampel bedeutet mehr Aufwand für uns – aber genaue Erkenntnisse erhoffe ich mir jetzt vom Besuch eines Vertreters der Berufsgenossenschaft, der sich zu einem Info-Gespräch angekündigt hat.“

„Wir arbeiten nach den neuesten Hygiene-Richtlinien – und es gab bei uns nie irgendwelche Beanstandungen.“ Peter Banse, Gastwirt im Wirtshaus in der Altstadt, sieht der Einführung der Hygieneampel gelassen entgegen. „Das ist nicht verkehrt, denn es gibt durchaus schwarze Schafe in der Branche“, hält der Meinerzhagener die „Ampel“ nicht für verkehrt. „Man muss sich halt an die Vorschriften halten, so wie wir das tun.“ Natürlich sei der bürokratische Aufwand auch in seinem Restaurant hoch. „Doch das betrifft eigentlich weniger die Hygiene, als vielmehr den Doku-Aufwand, der bei den Mitarbeitern nötig ist.“

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