Wildernde Hunde bereiten auch im Ebbe Probleme

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Das kommt auch im Ebbe vor: Ein außer Kontrolle geratener Hund hat ein Reh gerissen.

Meinerzhagen - „Meiner macht das nicht!“ Schon oft hat Pia Sperber diesen Satz gehört. Glauben kann sie das in vielen Fällen aber nicht.

Denn: Obwohl Hundehalter beteuern, dass ihr Vierbeiner keinen Wildtieren nachstellt, weiß die Vorsitzende des heimischen Tierschutzvereines, dass es auch im Ebbe immer wieder zu Attacken von Hunden beispielsweise auf Rehe kommt.

Sie kennt sogar Fälle, in denen eine solche Hatz tödlich endete: „In letzter Zeit habe ich mehrfach von solchen Hunde-Angriffen gehört. In einem Fall sprang ein Reh in Panik in einen Maschendraht-Zaun und zog sich dabei tödliche Verletzungen zu. Ein anderes Mal hat uns ein Hundehalter angerufen und berichtet, dass sein Hund ein Reh getötet habe. Der Mann hat dann Selbstanzeige erstattet“, erinnert sich Sperber.

Gefährlich sind außer Kontrolle geratene Hunde nicht nur für das Wild, sie bringen auch sich selbst in Gefahr. Denn: „Immer wieder wittern freilaufende Hunde im Wald die Fährte von Wildtieren oder begegnen ihnen direkt und nehmen die Verfolgung auf. Meistens hilft dann alles pfeifen und rufen nichts – der Hund ist vom Jagdfieber gepackt. Das kann allerdings böse für ihn enden, denn die Landesjagdgesetze regeln den Schutz von Wild vor wildernden Hunden. Jagdschutzberechtigten ist es erlaubt, wildernde und nicht mehr zu kontrollierende Hunde abzuschießen“, informiert der Landesbetrieb Wald und Holz NRW. Um zu diesem letzten Mittel greifen zu dürfen, müssen allerdings bestimmte Voraussetzungen vorliegen: Der Hund muss das Wild töten oder zumindest erkennbar hetzen beziehungsweise in der Lage sein, das Wild zu beißen oder zu reißen. Außerdem müssen andere mildere und zumutbare Maßnahmen des Wildtierschutzes, insbesondere das Einfangen des Hundes, im Einzelfall nicht erfolgversprechend sein.

Die Experten des Landesbetriebes und Tierschützerin Pia Sperber sind sich deshalb auch einig: „Der Leinenzwang für Hunde, der im Wald außerhalb von Wegen gilt, muss unbedingt beachtet werden.“ Zum Schutz des Wildes und um unschöne Zwischenfälle mit anderen Waldbesuchern zu vermeiden, sollten Hundehalter ihre Vierbeiner aber eigentlich auch auf den Wegen an die Leine nehmen. Das jedenfalls rät der Landesbetrieb, der auch über generelle Regelungen zum Waldbesuch informiert: „Das Landeswaldgesetz NRW erlaubt, den Wald zum Zweck der Erholung auf eigene Gefahr zu betreten. Davon ausgenommen sind Forstkulturen, Forstdickungen, Holzeinschlagsflächen sowie forstwirtschaftliche und jagdliche Einrichtungen wie beispielsweise Hochsitze. Wer den Wald betritt, hat sich so zu verhalten, dass der Wald nicht gefährdet, beschädigt oder verunreinigt wird. Die Lebensgemeinschaft Wald und die Bewirtschaftung des Waldes dürfen nicht gestört werden. Dass Hunde im Wald außerhalb von Wegen nur angeleint mitgeführt werden dürfen, gilt nicht für Jagdhunde im Rahmen jagdlicher Tätigkeiten und Polizeihunde.“ Private Hundehalter, die sich nicht an den Leinenzwang halten, müssen mit einem Bußgeld rechnen.

Wenn Hunde nicht auf Frauchen oder Herrchen hören, verbietet es sich sogar, ihnen auf Waldwegen freien Auslauf zu gewähren. „Der Hund muss abrufbar sein und auch ohne Leine immer in Sichtweite des Halters bleiben. Eine Gefahr für Leben und Gesundheit von Mensch und Tier muss ausgeschlossen werden können“, erläutert der Landesbetrieb Wald und Holz NRW.

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