Horst Skerra hat Daten

Messungen an Silvester: Viel Feinstaub in der Luft

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Neben der Dachrinne hängt Horst Skerras Messstation.

Meinerzhagen - Horst Skerra wohnt an der Straße Zum Rothenstein. Und der 83-Jährige hat ein außergewöhnliches Steckenpferd: Er misst die Feinstaub-Belastung in seinem Wohngebiet.

Alle Diesel-Fahrer, die jetzt Angst vor Straßensperrungen durch die von ihm ermittelten Werte haben, kann Skerra allerdings beruhigen. Bis auf wenige Ausnahmen scheint am Rothenstein alles im grünen Bereich zu sein.  

Ausnahmen bestätigen die Regel, denn auch Horst Skerra hat zeitweise sehr hohe Feinstaub-Belastungen festgestellt – zum Beispiel an Silvester. Pünktlich um Mitternacht belegen seine Aufzeichnungen einen Anstieg des Wertes um mehr als das Zehnfache. 

Der Spitzen-Messwert damals: Fast 500 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft nach dem Verfahren PM 2.5 (" Infos am Textende). Einen ähnlichen und nur geringfügig niedrigeren Wert zeichnete die Messanlage an Skerras Haus dann noch einmal am 7. Januar auf, diesmal am Vormittag. „Da fuhr ein Kehrwagen bei uns vorbei“, erinnert sich der Volmestädter. 

Diese Spitze zeigt die Auswirkungen des Silvesterfeuerwerks am Rothenstein. Wegen der voreingestellten Greenwich-Time muss eine Stunde addiert werden.

Die von Skerra ermittelten Werte geben dabei nur einen Anhaltspunkt, denn rein wissenschaftlich betrachtet haben sie keine Aussagekraft. Das liegt auch daran, dass die Messanlage höher installiert ist, als vorgesehen. „Eigentlich sollte sie einen Meter über dem Boden angebracht sein“, erläutert der Meinerzhagener, bei dem die Sonde an der Dachrinne hängt. 

Stärkere Ausschläge im Feierabendverkehr

Dennoch zeigen die Zusammenhänge zwischen den Daten und bestimmten Ereignissen, dass auch auf dem Lande hohe Belastungen durch Feinstaub auftreten können. Die Spitzen sind wesentlich seltener und auf sehr kurze Zeiträume begrenzt.

Die Erfahrungswerte lassen den 83-Jährigen jedenfalls Rückschlüsse ziehen: „Im Feierabendverkehr werden die Ausschläge stärker. Und auch gegen 18 oder 19 Uhr zeigt sich, dass es eine höhere Belastung gibt. Dann werden erfahrungsgemäß von den heimkehrenden Menschen die Kamine befeuert“, schildert Skerra.

Problem: „Schnell fahrende Autos“

Er glaubt auch, erkannt zu haben, dass schnell fahrende Autos in der Tempo-30-Zone vor seinem Haus den Feinstaub auf der holprigen Straße stärker aufwirbeln als Fahrzeuge, die langsam unterwegs sind – ein Argument für flächendeckende Tempolimits. 

Horst Skerra wurde von seinem Sohn in Ludwigsburg auf die Idee gebracht, sich eine Feinstaub-Messanlage zu installieren. Die kam als Bausatz ins Haus, war allerdings bereits konfiguriert. Die Uni Stuttgart und das Reallabor für nachhaltige Mobilitätskultur sind bei diesem Projekt mit im Boot.

Aus Meinerzhagen bekommen die Verantwortlichen allerdings keine Daten geliefert, jedenfalls nicht von Horst Skerra. Er hat darauf verzichtet, sich auf der Homepage der Initiatoren zu registrieren. „Das alles ist für mich dennoch eine interessante Sache, die ich auch weitermachen werde“, sagt der Meinerzhagener.

Das ist Feinstaub

Als Feinstaub (PM10) wird der Staub bezeichnet, dessen Korngröße kleiner als zehn Mikrometer (das sind zehn Millionstel Meter) ist – also auch PM2.5. Welche gesundheitlichen Wirkungen Feinstaub und insbesondere Ultrafeinstaub (kleiner als 0,1 Mikrometer) hat, ist Gegenstand zahlreicher Forschungsarbeiten. Kleinere Staubpartikel können bis in die Lungenbläschen vordringen, von dort in die Blutbahn gelangen und sich im gesamten Körper verteilen. Fest steht, dass hohe Feinstaub-Konzentrationen negative gesundheitliche Folgen für den Organismus verursachen. Die Weltgesundheitsorganisation hat im Juni 2012 solche Staubpartikel, die bei der Verbrennung von Diesel entstehen, als „sicher krebserregend“ eingestuft.

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