Erschwerte Holzarbeiten: Matschiger Winterwald in Meinerzhagen

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Mit einem Anbaugrader werden die Wege während der Waldarbeiten abgezogen. So soll der gröbste Schlamm beseitigt werden. Im Frühjahr sollen die Wege dann wieder komplett instand gesetzt werden.

Meinerzhagen - Das Wetter ist schlecht, sagt Matthias Borgmann und meint damit nicht den Nebel, der dicht und tief über dem Wald hängt. Ausschlaggebender ist für den Revierförster vielmehr die allgemeine Wetterlage: „Durchgehend Regen seit Mitte Oktober“. Die wenigen kalten Schneetage zählen kaum. Für die Forstwirtschaft ist die Witterung ungünstig – für Waldbesucher auch. Denn wenn im Wald gearbeitet wird, wird es auf den Wegen matschig.

Im Waldgebiet Rothenstein und oberhalb des Naturschutzgebietes Grundlose, dem Quellgebiet der Lister und zudem auch dem größten Naturschutzgebiet im Stadtgebiet, müssen Spaziergänger derzeit streckenweise durch Matsch stapfen.

Der Grund für zerfurchte Wege sei um diese Jahreszeit jedes Jahr der Gleiche, erklärt Klaus Lomnitz, Leiter des Regionalforstamtes Kurkölnisches Sauerland. Im Staatswald oberhalb von Willertshagen wird derzeit „Holz gemacht“. 

Da beim Holzeinschlag im Rahmen der Durchforstung schweres Gerät im Einsatz sei, lasse sich kaum verhindern, dass die Wege entsprechend in Mitleidenschaft gezogen würden, so Lomnitz. Das betroffene, etwa 20 Hektar große Waldstück liegt im Zuständigkeitsbereich von Matthias Borgmann.

Zerfurchte Wege lassen sich nicht verhindern

Er ist Förster des Reviers Beckerhof. Das wiederum erstreckt sich auf einer Fläche von 24 Hektar und liegt in der „West-Ost-Ausdehnung“ zwischen Kierspe und Valbert bis Echternhagen. 13 000 Festmeter Holz werden in diesem Gebiet jedes Jahr geerntet. 2000 Festmeter kommen in dieser Saison aus dem Bereich Rothenstein/Grundlose. 

Sein Wald sei in Wirtschaftsblöcke unterteilt, erklärt Matthias Borgmann. Alle fünf Jahre würde in den jeweiligen Bereichen geerntet. „Dazwischen ist dann aber auch Ruhe.“ Dass Waldwege während er Arbeiten in Mitleidenschaft gezogen werden, bedauern auch die Förster. Dass Schlamm und Matsch auf Wanderwegen immer wieder auch für Ärger bei Wanderern oder Radfahrern sorgen, die im Wald Erholung suchen, wissen sie.

Wichtig sei für ihn daher die Zusammenarbeit mit dem SGV, erläutert Matthias Borgmann: „Die wissen immer Bescheid und wir stimmen uns ab.“ Bei Arbeiten im Valberter Gebiet habe er vor drei Jahren zusammen mit dem SGV Herscheid sogar eine „Umleitung“ ausgewiesen, so Borgmann. 

Wege werden wieder instand gesetzt

Beschilderungen gab es während der Fällarbeiten auch auf dem betroffenen Neuen Weg und dem abzweigenden Leyenweg. Und auch während der Arbeiten im Wald hat Matthias Borgmann die Routen im Blick. 

Der Wegebau spiele auch für den Landesbetrieb Wald und Holz eine große Rolle. Eigens dafür gebe es ein Budget. Zwischen sieben und zehn Kilometern Waldweg seien es, die allein im Revier Beckerhof jedes Jahr wieder erneuert würden. Bereits dreimal seien die derzeit betroffenen Waldstrecken am Rothenstein gereinigt worden. „Wir gehen hier natürlich nicht mit Besen und Kehrmaschine rein“, sagt der Waldexperte. Dafür aber mit einem sogenannten Anbaugrader. 

Zuletzt war Garten- und Landschaftsbauer Florian Springob auf dem Rundweg Neuer Weg/Leyenweg am Freitag im Einsatz, um die betroffenen Wege „abzuziehen“. Grundsätzlich seien die betroffenen Strecken sehr gut, so seine Erfahrung: „Da gibt es Wege in anderen Wäldern, die sehen ganz anders aus.“ In dieser Woche soll die Holzernte fortgeführt werden. Danach erfolgt der Abtransport der schweren Stämme zur Weiterverarbeitung in den Sägewerken. Dazu werden noch einmal Lastwagen im Wald rangieren. 

Ist alles im Frühjahr abgeschlossen, steht noch eine weitere Maßnahme an, die auch Wanderer und Radfahrer freuen dürfte. Sind die Forstmaßnahmen beendet, sollen die in Mitleidenschaft gezogenen Wege wieder in Schuss gebracht werden. Neuer Schotter soll dann auf dem Neuen Weg und dem Leyenweg aufgebracht werden. 

Auch die Wegränder werden instand gesetzt. Dass Wanderer und Mountainbiker im Naherholungsgebiet Ebbe in der nächsten Zeit allerdings immer wieder mit verschlammten Wegstrecken rechnen müssen, darauf macht Klaus Lomnitz bereits jetzt aufmerksam. Zu verdanken sei das „Friederike“. Der Sturm habe keinen „konzentrierten“ Schaden angerichtet, sondern „dezentral“ gewütet. 

An vielen verschieden Stellen habe das Januar-Sturmtief massive Schäden hinterlassen. Die Aufarbeitung laufe bereits auf vollen Touren. Von den Waldarbeiten in Mitleidenschaft gezogene Waldwege würden aber überall wieder hergerichtet, sobald die Witterung dies zulasse und die Pfade abgetrocknet seien. 

Naturschutz nach großen Stürmen

Die Folgen von Kyrill und des Tiefs Walburga werden von den Forstexperten aber „nebenbei“ auch genutzt, um Forstmaßnahmen zur Waldentwicklung zu betreiben. Beispiele dafür seien oberhalb des Gebietes Grundlose zu finden, berichtet Matthias Borgmann. Auf den durch Windwürfe frei gewordenen Flächen wurde Mischwald angepflanzt. Eine dafür eingezäunte Fläche soll bald erweitert werden, nachdem auf dem angrenzenden Waldstück zuletzt auch nach Sturm Friederike Fichten umgestürzt waren. 

Die beste Temperatur für die Arbeit im Wald? „Minus 15 Grad – und das acht Wochen lang“, würde sich Revierförster Matthias Borgmann wünschen, dann könne effizient Holz gemacht werden. Einen kleinen Lichtblick in Sachen Wetter gibt es daher vielleicht in dieser Woche. Laut Wettervorhersage sollen die Temperaturen zumindest im Minusbereich bleiben.

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