Sportabzeichen: Volontär Emanuel Holz im Selbstversuch

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Flieeeeeg... Naja, fast zumindest. 2,48 Meter ist das Ergebnis beim Standweitsprung. Das reicht gerade so für das Gold-Kriterium beim Sportabzeichen.

Meinerzhagen - „Das Sportabzeichen im Selbstversuch... ob das eine gute Idee war?“ Der Gyrosteller zum Mittagessen war es jedenfalls nicht – das wird mir beim Warmlaufen durch das Stadion an der Oststraße schnell klar. Aber jetzt wird nicht gekniffen.

Ich habe mich für den 100-Meter-Sprint, Hochsprung, Standweitsprung und den 3000-Meter-Lauf entschieden.

Königsdisziplin zum Auftakt

Los geht’s mit dem 100-Meter-Sprint. Apropos 100 Meter: Zum Supermarkt mag diese Distanz verschwindend kurz sein. Auf der Tartanbahn erscheint sie mir unendlich lang – die Ziellinie ist vom Start aus nicht zu sehen, die Zeitnehmer sind klein wie Zwerge.

Kurz vor dem Start: Der Puls rast, mein Körper spannt sich an. „Guck nach unten und bleib...“ – Peng! Das Startsignal dröhnt in meinen Ohren, ich hämmere die Spikes in die Bahn: Tack tack tack tack tack... erst kurze, dann immer längere Schritte. Volles Tempo. Langsam hebe ich den Kopf: „So weit noch?!?!“ Danach setzen die Gedanken aus, ich rausche durchs Ziel: 12,66 Sekunden – Silber.

Wissenswertes zum Sportabzeichen

Das Sportabzeichen gibt’s in Gold, Silber und Bronze. Vier Disziplinen müssen absolviert werden. Aus den Bereichen Kraft, Koordination, Schnelligkeit und Ausdauer wählt der Sportler je eine Disziplin. So ergibt sich eine Vielzahl möglicher Kombinationen.

Die Leistung in jeder Disziplin wird – gestaffelt nach Alter und Geschlecht – mit Bronze (1 Punkt), Silber (2 Punkte) und Gold (3 Punkte) bewertet. 4 bis 7 Punkte bedeuten in der Endabrechnung Bronze, 8 bis 10 Punkte Silber, 11 bis 12 Punkte Gold.

Deutsches Sportabzeichen in Gold für Volontär Emanuel Holz

Mein Ziel lautet Gold, also muss ich jede weitere Disziplin mit Gold-Status abschließen, sonst habe ich mein Ziel verfehlt. Hätte ich den Gyros-teller bloß nicht gegessen...

Hochsprung

Zweite Disziplin: Gefragt ist beim Hochsprung gutes Timing beim einbeinigen, explosiven Absprung. Wer zu früh oder zu spät abhebt, der knallt auf die Latte. Wenig empfehlenswert, das schmerzt. In der Luft den Rücken ins Hohlkreuz drücken, danach ruckartig die Beine nach oben reißen – so sagt es die Theorie. In der Praxis habe ich Respekt vor der Latte, die 1,50 Meter hoch vor mir hängt.

Auf geht’s: Tap tap tap... mit kurzen Trippelschritten laufe ich von der Seite an, den Blick auf die Füße, später auf die Latte gerichtet. Ich beschleunige. Kurz vor dem Absprung drehe ich den Körper ein und drücke mich ab – geschafft! Die Stange wackelt, doch sie bleibt liegen – Gold. Yes!

Standweitsprung

Als Fußballtorwart sollte das kein Problem sein, doch 2,45 Meter mit beidbeinigem Absprung hinter sich zu lassen, das ist nicht ohne: Ich gehe tief in die Hocke, schlage mit beiden Armen nach hinten aus und reiße sie während des Absprungs schnell nach vorne: 2,48 Meter. Gold. Sauber!

3000-Meter-Lauf

„Siebeneinhalb Runden in 13:10 Minuten, dann hast du das Sportabzeichen in Gold. Reiß dich zusammen!“, sage ich mir vor dem Lauf. Ich starte langsam, zu groß ist meine Angst, hinterher einzubrechen. Die ersten 1000 Meter spule ich in 4:19 Minuten ab. Hochgerechnet käme ich so auf 13 Minuten, darauf will ich mich nicht verlassen – und gebe Gas. Die Oberschenkel fangen zwei Runden vor Schluss an zu brennen, die Schritte schmerzen. Der Gyrosteller macht sich bemerkbar, im Bauch breitet sich ein fieses Ziehen aus. „Das war früher viel einfacher“, schießt es mir durch den Kopf – doch Aufgeben ist nicht drin.

Nach 12:32 Minuten und dem Verlust jeglichen Zeitgefühls erreiche ich das Ziel. Kurz darauf stellt sich ein seliges Gefühl von Zufriedenheit ein. Ich habe mein Bestes gegeben. Für dieses Gefühl – unabhängig von Gold, Silber und Bronze – lohnt sich der Weg ins Stadion. Den zum Imbiss werde ich mir vorerst sparen.

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