33,1 Grad: Hitze bringt Meinerzhagen höchste Temperatur seit 2007

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Reinhard Hinz am Temperaturfühler. Zwei kleine Ventilatoren beugen der Stauhitze vor und sorgen für objektive Werte.

Meinerzhagen - War das eine Hitze! Auch Meinerzhagen schmorte am vergangenen Wochenende und an den Tagen davor „im eigenen Saft“. Temperaturen jenseits der 30-Grad-Marke wurden gemessen – und tatsächlich purzelte sogar ein Rekord.

Reinhard Hinz betreibt seit dem Jahr 2007 für den Deutschen Wetterdienst in Offenbach eine Wetterstation in Redlendorf. Seitdem war es dort noch nie so heiß wie am vergangenen Samstag: „33,1 Grad Celsius habe ich ermittelt“, berichtet der Volmestädter.

Dass das Thermometer nicht einen noch höheren Wert anzeigte, liegt an dem ausgeklügelten und weltweit geltenden Messverfahren, dessen sich auch Reinhard Hinz in seinem Garten bedient: Im Gehäuse mit dem Temperaturfühler sorgen zwei kleine Ventilatoren dafür, dass sich kein Hitzestau entwickelt. Außerdem muss das Messinstrument auf einer Wiese stehen und nicht etwa über Asphalt oder Beton. Diese „Beläge“ würden sich aufheizen und die Temperatur im Bereich des Fühlers ansteigen lassen.

Gemessen wurde der Wert übrigens in einer Höhe von 390 Metern über „Normal Null“. Ob 33,1 Grad für Meinerzhagen einen Allzeit-Rekord bedeuten, da kann auch Reinhard Hinz nur spekulieren. Wärmer könnte es seiner Ansicht nach beispielsweise in den Sommern der Jahre 1959 oder 2003 gewesen sein. „Sehr, sehr heiß war es auch 1947“, erinnert sich Hinz. Der bisherige Rekordwert (seit 2007) stammt jedenfalls vom 10. Juli 2010 und vom 2. Juli 2015. An diesen beiden Tagen ermittelte Reinhard Hinz exakt 32,8 Grad.

Die Messtechnik des Deutschen Wetterdienstes (DWD), die in Redlendorf ihren Dienst verrichtet, wurde in den vergangenen Jahren immer weiter verbessert. Das erleichtert auch Reinhard Hinz die Arbeit. Musste er früher seine Werte selbst an den DWD melden, erfolgt das heute automatisch. Nur die Schneehöhe lässt sich noch nicht „maschinell“ erfassen. „Das erledige ich immer noch per Hand – und zwar mit einem Zollstock“, schmunzelt der Redlendorfer.

Neben dem Temperaturfühler in zwei Metern Höhe gibt es im Garten des heimischen DWD-Mitarbeiters auch ein so genanntes Boden-Messfeld. Dort installierten die Wetterdienst-Experten einen „Messstab“ in fünf Zentimetern Höhe. Der Rekordwert stammt allerdings von dem erhöhten Standort.

Auch die Niederschlagsmenge in Redlendorf interessiert die Offenbacher Meteorologen. Ein silbriger Zylinder in Reinhard Hinz’ Garten fängt die Regentropfen ein. Über die Höhe des Wasserstandes lässt sich dann der Niederschlag über einen bestimmten Zeitraum ermitteln. Der automatische Regenmesser wird im Winter sogar beheizt, damit das Wasser nicht einfriert. Vom vergangenen Sonntag, 8 Uhr, bis zum Montag, 8 Uhr, registrierte die Anlage übrigens 11,6 Liter pro Quadratmeter – das Resultat der Gewitter.

Der Regenmesser ist auch Ursache dafür, dass Reinhard Hinz demnächst ein kleiner Arbeitseinsatz ins Haus steht. Der Kirschbaum, der einige Meter oberhalb der Zylinders steht, muss gestutzt werden. Denn: Durch die Frühjahrstriebe beträgt der Winkel vom Auffangbehälter zur Baumkrone in der Nähe geringfügig mehr als 22 Grad. Das darf nicht sein. „

Diese Vorschrift ist in dem Regen begründet, der seitlich einfällt“, erläutert Hinz, der übrigens auf ein weiteres Detail achten muss: „Auf dem Wasser im Regenbehälter schwimmt eine Styroporscheibe. Die muss auch drin sein. Sie ist ein Zugeständnis an den Tierschutz, denn der Schwimmer dient dem Schutz von Insekten, die sonst ertrinken könnten.“

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