Frühe Einsätze der Feuerwehr

Hitzewelle - aber nicht nur der Juli bringt hohe Waldbrandgefahr

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In diesem Jahr musste die Wehr immer wieder zu Flächenbränden ausrücken.

Meinerzhagen - Lange Trockenperioden, hohe Temperaturen, wochenlang Sonnenschein – für Sommerurlauber kein Problem. Für die Vegetation durchaus. Und damit auch für die heimische Feuerwehr. Die musste in diesem Jahr nicht nur häufiger, sondern auch früher als gewöhnlich zu Wald- und Flächenbränden ausrücken.

Es war der 30. März, als die Meinerzhagener Feuerwehr erstmals in diesem Jahr zu einem Waldbrand gerufen wurde. Wenn sich der Einsatzort auch nicht in Meinerzhagen, sondern in Dannenberg (Marienheide) befand, so war der Anlass für diese Jahreszeit doch alles andere als gewöhnlich. „Normal ist das nicht“, sagt auch Christian Bösinghaus, stellvertretender Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Meinerzhagen. 

Denn dass bereits Ende März das Tanklöschfahrzeug von den Marienheider Kollegen zur Unterstützung bei Löscharbeiten zu einem Flächenbrand gerufen wird, ist nicht selbstverständlich. In unwegsamem Gelände waren damals etwa 7500 Quadratmeter in Brand geraten. Das Meinerzhagener Fahrzeug wurde im Pendelverkehr eingesetzt und beförderte mehrere Ladungen Löschwasser zur Brandstelle.

Es war der erste einer ganzen Reihe von Wald- oder Flächenbrandeinsätzen, die die Wehr seither auf Trab hielt. Insgesamt 15 Mal musste die Wehr in diesem Jahr bereits zu brennenden Wald- oder Wiesenflächen ausrücken. Sei es in Stoltenberg, an der Volmestraße oder in Vorderhagen, in Hahnenbecke, am Ginsterweg oder an der Oststraße, zuletzt am 3. Juli in Grünenthal. 

Mal war es Unachtsamkeit beim Unkrautvernichten, mal die Müllverbrennung mitten im Wald – oder auch der Klassiker: die achtlos entsorgte Zigarette. „Die Polizei nimmt stets Ermittlungen auf. Es waren in diesem Jahr viele Faktoren, die zu den Bränden geführt haben – und es handelte sich meist um menschliches Fehlverhalten“, sagt Christian Bösinghaus. 

Die gute Nachricht: Großeinsätze waren nicht dabei. „Und auf die wären wir auf jeden Fall vorbereitet“, betont Bösinghaus. Zwar verfüge man nicht mehr über Unimogs, aber doch durchweg über geländegängige und -fähige Löschfahrzeuge. „Wenn wir dann doch besondere Fahrzeuge oder Instrumente brauchen, ist der Märkische Kreis zur Stelle“, betonte der stellvertretende Wehrleiter. Schließlich benötige nicht jede Feuerwehr im Kreis sämtliche Materialien. „Wenn wir Hilfe benötigen, ist sie auch schnell da“, sagt Christian Bösinghaus. Und diese Hilfe kommt beizeiten sogar von ungewöhnlicher Stelle: der Landwirtschaft. 

Seit vielen Jahren kooperieren die heimischen Landwirte mit der Feuerwehr, indem sie zum Beispiel Gülletanks für den Fall der Fälle bereitstellen. „Die stehen uns als Wassertransporteure zur Verfügung.“ Dazu würden die Behälter aber erst bei Bedarf befüllt, betont Bösinghaus: „Fünf Wochen lang elf oder noch mehr Tonnen Gewicht auf der Achse zu haben – das hält kein Güllewagen aus.“ Bis zu 15 000 Liter Wasser könnten diese Fässer dann zur Verfügung stellen. Und dass die Gefahr neuer Einsätze nicht gering ist, verdeutlicht ein Blick auf den sogenannten Graslandfeuerindex: Dort war für Meinerzhagen – Messstelle Redlendorf – gestern die Stufe 4 ausgerufen worden. Nach den massiven Regenfällen am vergangenen Wochenende minimierte sich die Waldbrandgefahr nur kurzfristig. Für Freitag rechnet der Deutsche Wetterdienst (DWD) jedoch mit der höchsten Gefahrenstufe 5, um am Wochenende wieder auf die Stufe 4 abzusinken.

Geringer ist demnach aktuell die Gefahr eines Waldbrandes in Meinerzhagen einzuschätzen. Bis einschließlich Samstag weist der Index Stufe 3 auf, am Sonntag – Stand gestern – nur noch Stufe 2. Grund zur Panik herrscht bei der Wehr deshalb aber nicht. Wenngleich auch Christian Bösinghaus um die seit einem Jahr trockene Witterung weiß. „Um eine Gefahr zu minimieren, genügen auch kurze Gewitterschauer nicht, da braucht es schon einen längeren Landregen“, sagt der stellvertretende Wehrleiter. Doch der ist – Stand gestern – in den kommenden Tagen nicht in Sicht.

Die Gefahren-Indizes

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) stellt täglich aktualisierte Waldbrand- und Graslandfeuergefahrenprognosen bereit. Die Indizes WBI (Waldbrandgefahrenindex) und GLFI (Graslandfeuerindex) dienen den verantwortlichen Landesbehörden zur Einschätzung der Brandgefahr sowie zur Ausgabe von Warnungen. Die Berechnung erfolgt auf der Grundlage stündlicher Werte. Als Eingangsdaten in das Berechnungsmodell werden nach Angaben des DWD Lufttemperatur, relative Luftfeuchtigkeit, Windgeschwindigkeit, Niederschlagsmenge beziehungsweise Schneemenge sowie die kurz- und langwellige Strahlung der Atmosphäre verwendet. Die Modellausgabe von WBI und GLFI erfolgt in den Stufen 1 bis 5: 1 – sehr geringe Gefahr; 2 – geringe Gefahr; 3 – mittlerere Gefahr; 4 – hohe Gefahr; 5 – sehr hohe Gefahr

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