Schürfelder Hallenhaus wird wieder aufgebaut

Im Museum in Lindlar wird das alte Hallenhaus wieder aufgebaut. - Fotos: LVR

Meinerzhagen - 1577: In Europa wütet die Pest. Martin Luther ist seit mehr als 30 Jahren tot – die Reformation „lebt“ und ist in vollem Gange. Sir Francis Drake bricht von Plymouth aus zu seiner Weltumsegelung auf. Und in Schürfelde wird ein Haus gebaut.

Niemand ahnte damals, dass dieses Gebäude mehr als 400 Jahre überdauern und einmal in einem Museum als Anschauungsobjekt ausgestellt werden würde.

Michael Kamp ist Leiter des Freilichtmuseums in Lindlar. Als er vor Jahren zufällig bei einer „Spazierfahrt“ an Schürfelde vorbeikam und das alte Haus von der Straße aus entdeckte, war ihm gleich klar: „Das ist etwas Besonderes.“ Bei näherem Betrachten bestätigte sich dieser Eindruck. Kamp hatte ein historisch wertvolles Hallenhaus entdeckt. Was dann in Gang gesetzt wurde, ist ebenso aufwendig – das Projekt kostet etwa 983 000 Euro – wie selten: Experten des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) dokumentierten in jahrelanger Kleinarbeit Details zu dem Haus. Schließlich wurden die Bruchsteinwände durch eine Fachfirma in einzelne Elemente gesägt, verpackt und mit Kran und Tieflader ins Museum nach Lindlar transportiert. „Hier werden die Wände zusammengesetzt und gesichert. Anschließend werden im Inneren die Fachwerkwände, die die Museumshandwerker geborgen haben, wieder eingebaut. Nach der Restaurierung soll die Dachkonstruktion wieder ihre angestammte Strohdeckung erhalten“, teilte Thomas Trappe jetzt mit. Er ist im Freilichtmuseum für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Es sei vorgesehen, dass die Arbeiten für den Wiederaufbau und die Präsentation im Jahr 2018 abgeschlossen seien und das Haus dann für die Öffentlichkeit zugänglich sein werde, heißt es weiter.

Die dendrochronologische Untersuchung des Bauholzes ergab laut LVR als Jahr der Errichtung 1577, eine Datierung, die durch eine unscheinbare Bauinschrift auf der westlichen Fachwerkwand der Diele bestätigt werde. „Das Gebäude war zuletzt seit mehr als 100 Jahren nicht mehr bewohnt. Die seither vorgenommenen Veränderungen beschränkten sich im Wesentlichen auf Reparaturen, um den Bestand zu erhalten und den Ersatz der ehemaligen Strohdeckung durch Blechplatten, die das Haus recht zuverlässig vor den Witterungseinflüssen geschützt haben“, erläutern die LVR-Fachleute.

Sie haben auch das herausgefunden: „Ursprünglich führte von Süden ein stattliches, rundbogiges Tor auf die breite, zweigeschossige Diele, die von einer Giebelseite bis zur anderen reichte und mit ihren rußgeschwärzten Fachwerkwänden das Innere des Hauses prägt. Während im vorderen Bereich zu beiden Seiten der Diele das Vieh untergebracht war, schlossen nach Norden die Wohn- und Nutzräume an. Im oberen Stockwerk lagen Vorratsräume und Schlafkammern. Mächtige Deckenbalken überspannten Diele und Seitenschiffe, dicke Eichendielen mit einer kräftigen Lehmschicht schlossen das Haus leidlich feuersicher nach oben ab. Der Rauch des Herdfeuers zog ursprünglich ohne Schornstein durch eine Luke in den Dachraum und nahm seinen Weg durch die Öffnungen der Giebelspitzen, die so genannten Eulenlöcher. Direkt über dem Herdfeuer verhinderte die ebenfalls lehmverputzte Rauchbühne unkontrollierten Funkenflug.“

Für die Präsentation im Museum werde jedoch kein Rückbau auf diesen durch die Bauspuren belegbaren Urzustand vorgenommen. „Bei den umfangreichen Untersuchungen ließ sich eine frühe Erbteilung des Hauses nachweisen, die zwischen 1720 und 1730 stattfand. Das Haus wurde durch eine Trennwand unter dem First geteilt, die Diele war fortan nicht mehr befahrbar. Beide Haushälften erhielten ein eigenes Herdfeuer und wurden durch An- und Umbauten an die neue Situation angepasst. Diese Entwicklung setzte sich fort, bis die Wohnnutzung zu Beginn des 20. Jahrhunderts aufgegeben wurde. Das Museum hat sich zum Ziel gesetzt, diese stetige Veränderung zu dokumentieren und wird dabei den letzten Stand der Wohnnutzung in beiden Haushälften aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zeigen“, erläutert Thomas Trappe.

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