„Meinerzhagener Projekt“ im Freilichtmuseum

Ein Hallenhaus für die Ewigkeit

Dieter Wenig präsentiert das neue Reetdach. Mit seiner Fertigstellung wurde ein weiterer Meilenstein beim Wiederaufbau erreicht.
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Dieter Wenig präsentiert das neue Reetdach. Mit seiner Fertigstellung wurde ein weiterer Meilenstein beim Wiederaufbau erreicht.

Wer häufig in Norddeutschland Urlaub macht, dem wird der Anblick vertraut sein: Das alte Hallenhaus im Freilichtmuseum Lindlar schmückt ein neues Reetdach.

Meinerzhagen/Lindlar – Oben ist nun alles, wie es sein soll – unten wartet noch eine Menge Arbeit auf die Handwerker. Das Ziel, das „in einigen Jahren“ erreicht wird: Das 1577 in Schürfelde bezogene historische Hallenhaus soll einmal so aussehen, wie im letzten bewohnten Zustand in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Es gibt Verzögerungen

Rückblick: 2013 entdeckte Michael Kamp, Leiter des Freilichtmuseums in Trägerschaft des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR), durch Zufall das Schürfelder Hallenhaus. Es folgte ein langer Prozess: Kontaktaufnahme mit den Eigentümern, Übernahme der Immobilie mit deren Einverständnis, Abbau des Mauerwerkes und „Innenlebens“, Transport nach Lindlar und Beginn des Wiederaufbaus. Der sollte eigentlich 2018 abgeschlossen sein – doch es gab und gibt Verzögerungen. Dieter Wenig, Wissenschaftlicher Referent und Bauhistoriker beim LVR, erläutert: „Wir erledigen viele Arbeiten in Eigenleistung und es laufen mehrere Projekte gleichzeitig.“

Handwerker aus Norddeutschland

Wie auch immer: Die Fertigstellung des Daches ist ein Meilenstein. Handwerker aus Norddeutschland haben diese Arbeit erledigt. „Ursprünglich war das Dach mit Stroh gedeckt, alte Reste davon haben wir gefunden“, erläutert Dieter Wenig und fügt hinzu: „Wir haben mehr als einen Kilometer Lattung aufgebracht. Die Dachfläche beträgt ungefähr 180 Quadratmeter. So, wie es jetzt ist, entspricht das alles den heutigen Sicherheitsstandards.“ Und das ist wichtig, schließlich sollen sich später Besucher das historische Gebäude ansehen können – natürlich auch von innen.

Im Laufe der Jahre fanden die Experten des LVR immer mehr Details über die einstigen Bewohner des Hallenhauses heraus: Der Aufbau vor 1577 hat wohl mehrere Jahre gedauert.

Landwirtschaftlicher Betrieb

„Daran beteiligt waren Fachleute, die ein sicheres Gefühl für Statik hatten, um die stattliche Holzkonstruktion zu errichten sowie ein Bauherr, der über die Mittel verfügte, das Projekt zu verwirklichen. Es war wohl ein landwirtschaftlicher Betrieb mit dem Schwerpunkt Waldwirtschaft. Die angegliederte Landwirtschaft diente damals wohl dazu, den Hof zu versorgen. Die Auswertung der Bauspuren zeigt: Man ist zurechtgekommen“, zieht Dieter Wenig Bilanz.

Wie ausgetüftelt die Haustechnik damals war, zeigt sich am Beispiel des Herdfeuers, das in der Mitte der länglichen Diele lag. Darüber war die „Rauchbühne“ angebracht. An ihr zog der Rauch ab, der schließlich durch „Eulenlöcher“ im Dach entwich. Die Balken weisen noch heute Rauchspuren auf. Die Zwischendecke mit der „Rauchbühne“ diente dazu, den Funkenflug aufzuhalten, um das Strohdach zu schützen.

Noch viel Arbeit

Die jetzt noch anstehenden Arbeiten sind ebenso aufwendig wie langwierig: Die Fachwerk- und Deckenkonstruktionen im Inneren müssen hergestellt werden, dann kommen die Holzböden an die Reihe. Im Nutzbereich wird der originale Boden mit Steinchen im Fischgrätenmuster wieder ausgelegt.

Insgesamt stellt der LVR für das gesamte Projekt rund 800 000 Euro zur Verfügung. Die Präsentation der geschichtlichen Details für die Besucher wird vor der Eröffnung weitere Investitionen nötig machen.

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