Eine Naturwaldzelle mit „steinig-grusigem Schluff“

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Seit 1977 wird die Natur im Hirschbruch sich selbst überlassen.

Meinerzhagen - Im Ebbe ist der „Hirschbruch“ einzigartig, vor allem auch aus einem Grund: Seit 1977 wurde das 6,9 Hektar große Stückchen Staatswald am Hang zwischen dem Robert-Kolb-Turm auf der Nordhelle und Valbert von Menschenhand nicht angerührt.

Der Hirschbruch ist eine staatlich ausgewiesene Naturwaldzelle, eine von nur 75 in Nordrhein-Westfalen. Andreas Scheible ist beim Landesbetrieb Wald und Holz NRW als Mitarbeiter im Lehr- und Versuchsforstamt Arnsberger Wald auch zuständig für dieses idyllische Fleckchen Erde mit seinen besonderen Bodenverhältnissen und seiner Pflanzenvielfalt.

Der „Torf über steinig-grusigem tonigem Schluff bis schluffigem Lehm“ macht es besonders. Ebenso wie der Bewuchs: „Birkenwald mit einzelnen Roterlen, Eichen und Buchen“ haben Experten hier festgestellt.

Andreas Scheible schwärmt in den höchsten Tönen von der kleinen Parzelle: „Dieses Urwäldchen, ebenso wie die übrigen Naturwald-Flächen, ist eine Rosine im Kuchen, um die wir bundesweit beneidet werden. Hier stellen wir durch regelmäßige Bestandsaufnahmen und Untersuchungen beispielsweise fest, wie sich die Zusammensetzung der Baumarten ändert, wenn der Mensch nicht eingreift. Dazu vergleicht man zwei jeweils einen Hektar große Flächen – eine gegattert, die andere für Tiere frei zugänglich.“

Der Grund laut Scheible: „Das Wild hat durch den Verbiss entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung dieses Waldes.“ Das Fazit des Forst-Experten nach 40 Jahren „Hirschbruch“: „Im Gatter herrscht eine enorme Vielfalt, außerhalb ist oft Tabula rasa.“

Und noch ein Faktor ist Gegenstand der jahrzehntelang durchgeführten Analysen: Die Auswirkungen durch den Klimawandel. Scheible: „Wir sehen zum Beispiel, wie sich der Bewuchs auf den Konkurrenzflächen entwickelt, was dort aus den Buchen und Fichten wird.“

„Wald und Holz NRW“ betreibt natürlich auch Waldwirtschaft. Die Einnahmen daraus sind nicht unwichtig für den Landesbetrieb. Als die Naturwaldzelle 36 im Ebbe 1977 ausgewiesen wurde, spielte deshalb auch dieser Gedanke eine Rolle: „Wie können wir naturnahen Waldbau betreiben?“ Andreas Scheible ist in diesem Zusammenhang der festen Überzeugung: „Nur wenn wir wissen, wie die Natur tickt, ist das möglich.“ Und genau hier ziehen die Experten wichtige Erkenntnisse aus den natürlichen Vorgängen im Hirschbruch.

Scheible: „Der Wert dieser seit vier Jahrzehnten existierenden Fläche steigt für uns von Jahr zu Jahr. Denn wir wissen, dass wir unsere wirtschaftliche Tätigkeit an der Natur ausrichten müssen.“ Deshalb hofft er, dass jede Landesregierung, egal welcher Zusammensetzung, das Naturwaldzellen-Programm weiter fortführt: „Der Hirschbruch beispielsweise ist für uns seit 1977 ein hoch wertvolles und ursprüngliches Relikt.“

Der Schutzstatus, der über den Hirschbruch verhängt wurde, ist deshalb hoch. „Der Bereich ist eine Reservatsfläche der höchsten Kategorie, vergleichbar mit der Kernfläche eines Nationalparks“, erläutert Scheible. Menschen dürfen den Bereich natürlich nicht betreten. „Aber sich drumherum persönlich einen Eindruck zu verschaffen, das ist erlaubt und sogar gewünscht“, erläutert Scheible und fügt hinzu: „Schließlich ist es wichtig, am Vorbild der Natur zu lernen.“

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