Hilfe für das Wild bei Schnee und Frost

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Auch Rehe benötigen bei Schnee und Frost Hilfe von den Revierinhabern.

MEINERZHAGEN ▪ Dieser Winter zehrt den Wildtieren den Speck von den Rippen. Durch hohe Schneelagen in der Beweglichkeit stark eingeschränkt, bei Vereisung von Schnittverletzungen bedroht, fristen vor allem die Paarhufer ein karges Dasein.

In solchen Notzeiten verpflichtet der Gesetzgeber die Revierinhaber zur Wildfütterung aus Gründen der Wildhege. Unter strengen Auflagen und Maßgaben, wonach in NRW als Futtergaben lediglich Heu und Grassilage erlaubt sind. Das Aus für die so beliebten Rüben als Saftfutter kam im letzten Jagdjahr und wurde nicht widerspruchslos hingenommen. Ein „Arbeitskreis Wildfütterung“ unter Beteiligung fachkundiger und ministerialer Entscheidungsträger verfasste daher am 15. April 2010 Leitlinien zu der geltenden Fütterungsverordnung. Diese Richtlinien sehen Ausnahmen vom generellen Rüben-Fütterungsverbot vor. Als praktikabel erweisen sie sich offenbar nicht.

Zunächst obliegt es jedem Revierpächter, zu erkennen, ob eine „Notzeit“ vorherrscht. Wird diese Feststellung zudem in benachbarten Revieren getroffen, können die Jagdausübenden gemeinsam bei der Unteren Jagdbehörde MK beantragen, eine Ausnahme von der Regel zuzulassen. Dazu müssen sie ein schlüssiges, revierübergreifendes Fütterungskonzept mit Kartierung der Fütterungseinrichtungen vorlegen, damit deren Anzahl sowie die Einhaltung der vorgeschriebenen Distanzen ersichtlich und überprüfbar wird. Mit welchem Futter in welcher Menge diese zu beschicken sind, ist ebenfalls festgelegt. Zu sichern sind sie überdies vor der Inanspruchnahme durch das Schwarzwild; eine Fütterung für Wildschweine ist nur in Übereinstimmung mit dem Kreis-Veterinäramt möglich. Ansonsten ist die Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung maßgeblich an dem Genehmigungsverfahren beteiligt. Begonnen werden darf mit der Wildfütterung nicht vor dem 1. Januar. Ist sie angelaufen, muss sie bis zur „Buschwindröschenblüte“ konsequent fortgesetzt werden.

„In Olpe ist wohl ein Ausnahme-Antrag auf den Weg gebracht worden, im MK wurde noch keiner gestellt“, erklärt Manfred Seibel von der Unteren Jagdbehörde. Auch sei eine Inventarisierung der Reviere mit Anlagen in der erforderlichen Ausstattung wetterbedingt derzeit kaum möglich. Das bestätigen auch hiesige passionierte Jäger wie Sonja und Uwe Clemens: „Man kommt allenfalls mit Trecker, Schlitten und über weite Strecken überhaupt nur zu Fuß hinaus in abgelegene Revierteile, die für die Einrichtung einer Fütterung geeignet sind. Über kniehoch versinken wir im Schnee – und das Rehwild bis zum Bauch.“

In vielen Revieren haben die Jäger frühzeitig durch die Anlage von Wildäckern, das Pflanzen von Gehölzen und Hecken für ein natürliches Äsungsangebot gesorgt. Da kann sich das Wild in der dürren Zeit etwas Nahrung „freischlagen“. Auf Kyrillflächen hochgekommene Naturverjüngung trägt dazu bei, dass das Wild nicht unterernährt und krankheitsanfällig wird. Die Förster werden wiederum Verbiss an der jungen Waldgeneration zu beklagen haben. Über alle „Fraktionen“ hinweg besteht jedoch Einigkeit: „Jede Beunruhigung des Wildes ist Tierquälerei.

Der beste Tierschutz ist wohl noch auf lange Sicht „Ruhe im Wald!“ ▪ as

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