Hilfe für Obdachlose vorgestellt

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Pastor Ludwig Opahle begrüßte die Gäste bei den „Herbstgesprächen“. ▪

MEINERZHAGEN/KIERSPE ▪ Was Kirche ausmachen kann, damit befasst sich die Herbst-Gesprächsreihe der drei Gemeinden St. Maria Immaculata in Meinerzhagen, St. Josef in Kierspe und St. Christophorus in Valbert.

Seit vielen Jahren treffen sich die Gläubigen aus diesen Gemeinden regelmäßig, um sich über aktuelle oder interessante Themen informieren zu lassen.

In diesem Jahr lautet das Thema „Lebendige Kirche heute“. Begonnen wurde in der Gemeinde St. Christophorus in Valbert mit dem Referenten Günter Bernhardt aus Lüdenscheid, der über den dortigen Obdachlosenkreis berichtete.

„Wir kamen zu unserem Obdachlosenkreis im Jahre 1992 ganz spontan“, begann Günter Bernhardt den Einstieg. „Unsere Pfarrerin Monika Deitenbeck-Goseberg sollte auf einer Veranstaltung auf dem Rathausplatz sprechen, bemerkte am Rande eine Unruhe und stieß dabei auf etwa 50 Obdachlose. Die beklagten sich, dass an andere gedacht werde, sie selbst aber übersehen werden.“ Das ließ sich Monika Deitenbeck-Goseberg nicht zweimal sagen und nahm sofort nach ihrer Ansprache auf dem Rathausplatz Kontakt mit den Obdachlosen auf. Einen Schlafplatz zu finden, das war das dringlichste Problem der Obdachlosen und so wurde die Aktion ins Leben gerufen „Mehr als nur ein Bett“. Die Lüdenscheider Nachrichten unterstützten diese Bewegung, die ein solcher Erfolg wurde, dass die ehrenamtlichen Helfer sich entschlossen, einen eingetragenen Verein zu gründen.

„Wir besorgten von den Spenden in Höhe von anfangs 130 000 Mark drei Wohncontainer, die damals am Nattenberg aufgestellt wurden sowie zehn Wohnwagen an der Hohen Steinert“, berichtete Günter Bernhardt. Später kamen noch Wohnungen hinzu – aber auch praktische Hilfe wurde geleistet, wie zum Beispiel Behördengänge, Besucherdienste oder auch Wohnungs- und Arbeitsplatzsuche. Mit der Zeit brachten sich die „Obdis“, wie sie von den Lüdenscheidern liebevoll genannt werden, innerhalb der Gemeinde ein. Sie halfen bei den sonntäglichen Kirchencafés, reparierten Möbel oder packten bei Umzügen an und besorgten aus Haushaltsauflösungen Trödel. So ganz alleine schafften die ehrenamtlichen Helfer des Obdachlosenfreundeskreises ihren Einsatz nicht. Eng arbeiteten sie mit der Johanniter Unfallhilfe und auch mit der Caritas zusammen, die sich um Behördenangelegenheiten kümmerten.

„Ganz wichtig für die Obdachlosen ist es, dass sie Kontakte zu Mitmenschen knüpfen können und nicht alleine durch die Stadt ziehen“, berichtete Günter Bernhardt. „Viele von ihnen haben auch Suchtprobleme, denen helfen wir, indem wir sie begleiten. Ihnen eine Aufgabe zu geben, wirkt Wunder. Sie fühlen sich aufgewertet, nicht mehr nutzlos.“

Einzelne Schicksale waren in einem Film zu sehen, den die Religionsklasse des Eugen-Schmalenbach-Berufskollegs zusammen mit den „Obdis“ drehte.

„Als wir damals angefangen haben, hatten wir kein Konzept“, informierte Günter Bernhardt die rund 20 Personen große Zuhörerschar. „Wir haben es auch heute noch nicht. Wir sind immer angepasst an die Menschen, hören, wo ihnen der Schuh drückt und handeln aus der Situation heraus.“

Als äußere Anerkennung hat der Obdachlosenfreundeskreis 2006 die Ehrennadel der Stadt Lüdenscheid erhalten.  Am 15. Oktober 2011 bekommt der Verein den Förderpreis „Das Salzkorn“ verliehen. Bei einem Gottesdienst mit anschließendem Festakt in der St.-Jakobi-Kirche in Lippstadt wird der Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Alfred Buß, die Urkunde überreichen.

Der nächste Abend im Rahmen der Herbstgespräche findet kommenden Mittwoch im Jugendheim St. Marien in Meinerzhagen statt. Professor Dr. Bernd Lutz aus St. Augustin wird dann über „Lebendige Gemeinde – geht das noch?“ sprechen. ▪ geg

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