Meinerzhagen hilft

Wichtig für die Flutopfer in Altena: Spenden und Gespräche

Susanne Berndt ist tief betroffen. Die zweite Vorsitzende des Meinerzhagener Awo-Ortsvereines ist von ihrem ersten Besuch in den am schlimmsten vom Hochwasser betroffenen Gebieten in Altena wieder zurückgekehrt.

Meinerzhagen – „In der Rahmede und in der Nette sieht es am schlimmsten aus. Teilweise kommt man dort nur noch zu Fuß weiter. Es ist wirklich schrecklich zu sehen, dass Menschen, denen es vor der Flutkatastrophe gut ging, jetzt wirklich vor dem Nichts stehen. Das ist dort in der Stadt eine ganz andere Situation, als bei der Hilfe für Flüchtlinge.“

Gute Vorplanung

Die Meinerzhagenerin war in der Burgstadt natürlich nicht als Katastrophen-Touristin unterwegs, sondern um zu helfen. Das tat sie nicht etwa ziellos, sondern nach guter Vorplanung. Über die Facebook-Seite „Altena, meine Stadt“ hatte sie im Vorfeld von persönlichen Schicksalen erfahren und Kontakt zu den Menschen aufgenommen. Der erste Transport mit dem VW-Caddy der heimischen Awo war also gut organisiert. An Bord waren Dinge, die ganz konkret gebraucht wurden.

Gespräche sind wichtig

Der Grennigloher Weg war ein Ziel. Die Fahrbahn ist dort stark beschädigt, überall bröckelt der Asphalt. Neben den Häusern liegt Geröll, daneben stehen ganze Einrichtungen. An einer Stelle ist die Straße abgesackt. Mit Flatterband ist die Stelle abgesperrt – befestigt an einem Bügelbrett. „Ein Mann, der dort gewohnt hat, ist jetzt bei seinen Eltern in der Rahmede untergebracht. Ihm habe ich einen Gefrierschrank und eine Matratze gebracht“, erzählt Susanne Berndt. Auch wichtig: „Ich habe festgestellt, dass Gespräche wichtig sind. Die Menschen wollen einfach berichten, was passiert ist.“ Susanne Berndt hörte zu – und verteilte dabei selbst gemachten Kartoffelsalat und gespendete Frikadellen. „Es ist einfach tragisch. All diesen Menschen ging es vor der Katastrophe gut, das waren keine Bedürftigen. Das jetzt anzunehmen, ist schwer“, sagt die Volmestädterin.

Und auch dieser Besuch bleibt Susanne Berndt sicherlich im Gedächtnis: „An der Rahmedestraße war ich bei einer Frau, deren Mann mit einem Schock im Krankenhaus behandelt wird. Sie lebt jetzt im Flur des Hauses. Im Haus sind viele Böden und Zwischenwände weg. Die Dame fiel mir um den Hals und hatte mit den Tränen zu kämpfen. Beim Ausladen der Hilfsgüter haben mir dann zwei Jungs geholfen, die in der Nähe arbeiteten. Ganz spontan. Sie kamen sofort zu mir. In der ganzen Stadt habe ich solch eine Hilfsbereitschaft bemerkt.“

Sechsköpfige Familie betroffen

Kartoffelsalat, Gespräche und eine Waschmaschine. Das gab es für eine sechsköpfige Familie, die aus ihrem gefluteten Haus in eine leere Wohnung an der Lüdenscheider Straße umziehen musste. Und die Nachbarin wurde gleich noch mit Handtüchern versorgt. Auch dort war die Dankbarkeit groß.

Die Nette, ein industriell geprägtes Seitental in der Stadt Altena, ist wohl am schlimmsten von den Verwüstungen betroffen, die das Jahrhundert-Hochwasser in der Burgstadt hinterließ. „Die Zustände dort haben mich wirklich umgehauen“, beschreibt Susanne Berndt ihre Eindrücke. Auch dort verteilte sie Dinge des täglichen Bedarfs. „An Bord“ hatte sie bei diesen Transport eine Waschmaschine, einen Gefrierschrank, Matratzen, einen Heizstrahler, zwei Fernseher, Handtücher, Bettwäsche, Kleidung und einen Mini-Backofen, Nichts davon wurde wieder zurück nach Meinerzhagen gebracht. Beim Einladen hatte Susanne Berndt übrigens tatkräftige Hilfe von Flüchtlingen. „Und vor Ort in Altena packte dann jeder an, der da war.“

Persönliche Kontakte

Unterwegs war Susanne Berndt für die Awo Meinerzhagen. Sie nahm Spenden von Privatleuten mit, einiges davon stammte aus dem Warenlager, das durch die Organisation von Daniela Radau in einer Halle der Firma Fuchs angelegt wurde. Vieles läuft nun auch über persönliche Kontakte, die die Meinerzhagenerin vor Ort geknüpft hat. Und eines ist für Susanne Berndt klar: Das war nicht der letzte Besuch in Altena, bei dem sie Hilfsgüter verteilt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare