High-Tech auf dem Bauernhof

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Bleiben nur wenige Wochen in den Boxen und werden dann verkauft: die Kälbchen. ▪

MEINERZHAGEN ▪ Da staunt der Laie – und die Fachfrau wundert sich. Hich-Tech auf dem Bauernhof.

So könnte man – auf einen Nenner gebracht – die Eindrücke zusammenfassen, die rund 60 Landfrauen aus dem gesamten Kreisgebiet anlässlich ihrer kürzlich stattgefundenen Betriebsbesichtigung auf dem Hof Eckern in Valbert sammeln konnten.

Denn was die Landfrauen, in der weitaus überwiegenden Zahl „gestandene“ Fachfrauen und mit dem bäuerlich- ländlichen Geschehen durchaus vertraut, auf dem Hof von Helmut und Dirk Eckern zu sehen und zu erfahren bekamen, das beeindruckte. Und es veränderte das landläufig übliche Berufsbild, das sich zumindest „Ottonormalverbraucher“ vom landwirtschaftlichen Geschehen unserer Tage macht, in erheblichem Maße.

Auf Einladung des Kreislandfrauen-Verbandes und bestens organisiert von Vorstandsmitglied Bärbel Balke aus Kierspe sowie im Beisein von Ulrike Turk- Blass als ehemalige Vorsitzende der Kreislandfrauen, wollten sich Landfrauen aus nahezu sämtlichen Ortsverbänden im Märkischen Kreis diese gemeinsame Hofbesichtigung nicht entgehen lassen. Zudem freuten sich die Landfrauen darüber, dass sich auch mehrere Unternehmerfrauen aus dem Handwerk der offiziellen Betriebsbesichtigung angeschlossen hatten und somit zusätzlich die Gelegenheit zum gegenseitigen Kennenlernen und Erfahrungsaustausch gegeben war.

Landwirt Helmut Eckern und sein Sohn Dirk hatten sich dazu bereit erklärt, Arbeits- und Funktionsweise eines nach neuesten Gesichtspunkten betriebenen Landwirtschaftsbetriebes mit dem Schwerpunkt Milchproduktion in Wort und Bild darzustellen.

Dass in Zeiten von Milchquotenregelung und europa- beziehungsweise mittlerweile weltweitem Existenzkampf in der Landwirtschaft kaum noch Platz ist für Nostalgie und „Omas Bauernhof früherer Jahre“, war den Besuchern ohnehin bewusst. Dass indes durchaus industriell anmutende Betriebsabläufe den Takt auf dem rationell geführten Bauernhof vorgeben und bäuerliche Idylle nahezu vollständig abgelöst haben, das war indes für alle Teilnehmerinnen gewöhnungsbedürftig:

Auf dem Hof Eckern werden nahezu sämtliche Betriebsabläufe durch modernste Technik gesteuert. Computer und Roboter haben Handarbeit weitestgehend überflüssig gemacht, und auch das gesamte Erscheinungsbild des Milchviehbetriebs hat nur noch wenig mit dem früherer Tage zu tun. So werden die insgesamt 145 Milchkühe ganzjährig in einem an den Seiten offenen Außenklimastall, der den Kühen jede Menge an Bewegungsfreiheit in mit Gummimatratzen und Sägemehl ausgestatteten Liegeboxen überm aufgerauten Spaltenboden gestattet, gehalten. Gemolken wird automatisch bei Tag und Nacht mit speziellen Melkrobotern und dies nur dann, wenn die Kuh es will. Das Füttern der Kühe geschieht durch einen gemeinsam mit drei weiteren Betrieben angeschafften selbstfahrenden Futtermischwagen. Und auch die Kälberaufzucht unterscheidet sich wesentlich vom Modus früherer Jahre. Schon nach dem Abkalben werden die Kälber vom Muttertier getrennt, nach kurzer Zeit an einen externen Züchter verkauft und später zurück gekauft.

Versteht sich am Rande, dass der Wissensdurst der interessierten Landfrauen kaum Grenzen kannte und beim späteren gemeinsamen Kaffeetrinken den Wunsch nach weiteren Exkursionen ähnlicher Art aufkommen ließ. ▪ cr

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