Herkulesstaude: Die Schöne ist ein Biest

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Noch relativ klein und eher unscheinbar steht diese Herkulesstaude am Rand der Volmestraße. Doch die Gewächse können bis zu vier Meter hoch werden. Der Hautkontakt mit den Pflanzen, vor allem mit dem Saft, kann äußerst schmerzhaft sein.

Meinerzhagen - Sie sieht wirklich gut aus, gedeiht prächtig auch unter widrigsten Bedingungen, ist aber tatsächlich gefährlich: Die Herkulesstaude.

Mitte des 19. Jahrhunderts fand die aus dem Kaukasus stammende Pflanze den Weg nach Europa. Gartenfreunde pflanzten sie seinerzeit als Schmuckstück. Heute ist das anders: Die Pflanze muss massiv bekämpft werden.

„In Meinerzhagen bekämpfen wir die Herkulesstaude seit vielen Jahren recht erfolgreich und sind auf einem guten Stand“, erklärt Valko Gerber vom Fachbereich Bauen und Wohnen der Stadt Meinerzhagen. Dennoch tauchten an verschiedenen Stellen im Stadtgebiet immer mal wieder Pflanzen auf. Dann aber reagiert die Stadtverwaltung recht zügig und mäht die Pflanzen ab oder sticht sie aus. „In einigen Fällen setzen wir auch chemische Mittel ein, aber nur sehr sparsam“, ergänzt Gerber. Eine der jüngsten Maßnahmen zur Beseitigung fand an der Volmestraße in Höhe einer ehemaligen Spedition statt. Gerber erinnert sich aber auch noch an die starke Ausbreitung im Bereich von Wiebelsaat.

Während früher teilweise auch auf privatem Grund die Pflanze seitens der Stadt bekämpft wurde, verzichtet man heute darauf. „Viele Grundstückseigner wollen sich selbst um die Bekämpfung kümmern“, erläutert Gerber. Das sei der Stadt natürlich ganz recht.

„Entlang der Autobahnen, an Uferböschungen oder auf Brachflächen breitet sie sich hierzulande seit vielen Jahren dennoch stark aus“, hat der Verband Wohneigentum NRW beobachtet. „Die bis zu vier Meter hohen Pflanzen sind besonders imposant. Kommt man mit den Stauden oder genauer gesagt mit dem Pflanzensaft in Berührung, kann dies äußerst schmerzhaft sein. Die betroffene Haut zeigt meist nach einigen Stunden verbrennungsähnliche Schäden. Keinesfalls dürfen die betroffenen Hautstellen der direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt werden“, berichtet Philippe Dahlmann, Gartenberater beim Verband Wohneigentum NRW.

Pflanze hat keine natürlichen Feinde

„Bis zu 50 000 Samen kann eine ausgewachsene Pflanze bilden. Die heute so rasante Ausbreitung erfolgt oft über wilde Komposthaufen, direkte Aussaaten oder durch den Transport der Samen über Bach- und Flussläufe. Natürlich trägt auch der Fahrtwind an Straßen und Bahntrassen zur großflächigen Verbreitung bei“, heißt es weiter seitens des Verbands.

Da die Pflanze in unseren Breiten keine natürlichen Feinde besitze, verdränge sie zunehmend die heimische Flora und Fauna. Nicht selten würden so ganze Ökosysteme zerstört. Doch zum Glück gebe es Möglichkeiten, die Ausbreitung der Pflanzen zu verhindern, wie Philippe Dahlmann weiß: „Mit ein wenig Vorsicht lässt sich dies sogar ganz ohne den Einsatz von Herbiziden erreichen.“

Dahlmann kennt mehrere Varianten: „Zum einen lassen sich die Blütenstände entfernen. Allerdings muss diese Maßnahme zwei bis drei Wochen lang kontrolliert werden, denn die Pflanzen setzen oft Notblüten an.“ Komme eine Herkulesstaude nicht zur Blüte, setze sie im Folgejahr erneut Blüten an. Eine weitere Möglichkeit sei die Entfernung der Samenstände nach dem Verblühen. „Allerdings dürfen die Samenstände nicht ausgereift sein, denn sonst fallen sie aus und verbreiten sich. Samenstände gibt man am besten in den Hausmüll.“ Am effektivsten sei jedoch das Aus- beziehungsweise Abstechen der Pflanze. Dahlmann: „Im obersten Bereich bildet die Pflanze einen sogenannten Vegetationskegel, aus dem die Blätter und der Blütenstand austreiben. Der Rest ist reines Speichergewebe. Wird dieser Kegel in einer Tiefe von etwa 15 bis 20 Zentimeter von der Wurzel getrennt, verrottet der restliche Wurzelbereich.“ Übrigens sei die Zeit von Mitte bis Ende Juli ideal, um die Samenstände zu entfernen. Immer sollte jedoch unbedingt darauf geachtet werden, den direkten Kontakt mit der Pflanze zu vermeiden.

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