Wie heißt das hier? Weihnachtshagen?

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Matthias Bongard hatte am Donnerstagabend ein Heimspiel in Meinerzhagen. ▪

MEINERZHAGEN ▪ „Wie heißt das hier? Weihnachtshagen?“, sollen die „drei eiligen Jazzkönige“ gefragt haben, die zurzeit mit Matthias Bongard auf Tournee sind und, eingeladen von KuK, am Donnerstag in der Stadthalle zu Gast waren. Eine Idee, die vielleicht vom Stadtmarketing aufgegriffen werden könnte, befand „Matthes“, wie der aus Meinerzhagen stammende WDR-Moderator hier von vielen genannt wird, und freute sich sichtlich über sein „Heimspiel“.

Schnell wurde von ihm noch für die passende vorweihnachtliche Atmosphäre gesorgt mit aufblasbarem Weihnachtsbaum, gesticktem Deckchen, einer verträumten Funzel und drei Adventslichtern, wobei er entspannt über die neuesten Neuigkeiten aus dem Showbizz plauderte: Nein, nicht für ihn habe man sich bei der Wahl des Gottschalk-Nachfolgers entschieden. Der Neue heiße von Guttenberg.

Dann wandten sich die drei Musiker und der Moderator dem eigentlichen Thema des Abend zu: Weihnachten, oder „neudeutsch“ X-mas. Musikalisch wurden die rund 200 Zuhörer mit altbekannten und doch kaum wieder zu erkennenden Weihnachtsliedern und Evergreens darauf eingestimmt. Kamen sie doch im völlig neuen Gewand daher, in feinen jazzigen Arrangements, die Dieter Greifenberg (Klavier) für sie geschrieben hatte, aufgepeppt mit manchen Soli. So gefielen „Santa Claus“ „Jingle bells“ und Co. oder auch „Macht hoch die Tür“ auch denen, die sich sonst nicht besonders für sie begeistern können. Konstantin Wienstroer sorgte am Bass für Tiefe, Peter Baumgärter bearbeitete sein Schlagzeug mit Stöcken, Schlegeln und Händen.

Bongard führte die Zuhörer mit Geschichten und Gedichten aus der Feder verschiedener Autoren, wie etwa Wiglaf Droste, Fritz Eckenga, Frank Goosen oder Kai Magnus Sting oder auch Ingo Insterburg und weiteren, mitten hinein ins Weihnachtsgedöns, dessen Ursache er mit einem „hochliterarischen“ Zitat von Kurt Tucholsky wiedergab: „Alle Leute feiern Weihnachten, weil alle Leute Weihnachten feiern“.

Skurriles, Abstruses, satirisch überspitzt, manchmal bitterböse oder ganz lakonisch, spiegelte den alltäglichen Wahnsinn, der das Weihnachtsfest begleitet, wider, ließ die Zuhörer schmunzeln oder laut auflachen. Mit genervten und joblosen überarbeiteten Weihnachtsmännern konnten sie die verschiedensten Festgesellschaften besuchen, wo, befeuert von Alkohol und anderen Substanzen, zwischen Geschenkebergen und brennenden Weihnachtsbäumen auf die unterschiedlichste Weise gefeiert wurde. Sie lernten Ute, die polnische Weihnachtsgans aus der Tiefpreistruhe kennen, einen Weihnachtsmann im Wolfspelz, einen kindlichen Erpresser mit erheblicher krimineller Energie sowie die göttliche Fußballmannschaft Rot-Weiß Weihnachten. Warum Weihnachten von Hass, Wut, Neid, Missgunst und Völlegefühl begleitet wird, erfuhr das Publikum in der aufschlussreichen, zwerchfellreizenden Geschichte über die wahren chaotischen Ereignisse in Bethlehem, die das Jesuskind schließlich ausrufen lässt: „Heh, haltet alle mal die Schnauze, es ist nämlich Weihnachten.“ Und das ruft es heute noch.

Als bekennender Westfale redet Matthias Bongard wie ihm der Schnabel gewachsen ist und liebt die deftige schnörkellose Sprache dieser Region und des Ruhrpotts, und so fehlten auch Geschichten in dieser Mundart nicht. Bei einem Rundgang durch seine Heimatstadt, mit Stippvisiten bei Gassmann und der Buchhandlung Schmitz, hatte er sich an eigene Weihnachtsgeschichten erinnert, die er ebenfalls zum Amusement des Publikums zum Besten gab. Das sparte nicht mit Applaus und forderte natürlich eine Zugabe, die sofort gewährt wurde: Ein Weihnachtsblues, passend zum Tenor des Abends, und diesmal gemeinsam von Musikern und Moderator vorgetragen. ▪ luka

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