"Kino auf Bestellung": Kino-Chef auf „Abwegen“

Heinz Theiß und die gute alte Vorführtechnik. Wegen seiner Fachkenntnisse soll der Betreiber der City-Lichtspiele jetzt an einem Film mitwirken. - Archivfoto: Beil

Meinerzhagen -  Im Meinerzhagener Kino City-Lichtspiele im Untergeschoss der Stadthalle bahnt sich eine Veränderung an. In den kommenden Wochen wird es dort keine „regulären“ Vorstellungen mehr geben. Doch die altehrwürdige Einrichtung wird die Türen nicht komplett schließen. Denn: Betreiber Heinz Theiß will in dieser Zeit „Kino auf Bestellung“ anbieten.

Von Jürgen Beil

Was das ist, beschreibt Theiß so: „Zu einem günstigen Pauschalpreis, der etwa dem entspricht, was eine vierköpfige Familie heute in einem Großkino für Eintritt, Knabbereien und Getränke ausgibt, kann jeder einen Film aus den Programmen unserer Partner-Verleihfirmen bei uns bestellen. Voraussetzung ist, dass die bestellten Filme schon mindestens sechs Monate vor dem geplanten Termin in Meinerzhagen in die Kinos gekommen sind.“ Hochaktuelle „Blockbuster“ werden damit in den City-Lichtspielen weiterhin nicht zu sehen sein. Theiß: „Theoretisch könnte sich ja jemand eine Raubkopie des Filmes herstellen – das befürchten die Filmfirmen.“

Im Pauschalpreis des „Kinos auf Bestellung“ sei, so Theiß weiter, das Beschaffen der Filme ebenso enthalten wie die Vorführung und der Eintritt für bis zu 15 Personen. Jede weitere Person zahle dann den normalen Kino-Eintritt. Bedarf für dieses neue Angebot sieht der Lichtspiele-Chef durchaus: „Auch für Geburtstage, Hochzeiten, Vereinstreffen und anderes können die City-Lichtspiele gebucht werden. Die Termine sollten allerdings mindestens zwei Wochen vorher mit uns abgesprochen werden.“

Die vorerst letzten Filme im „normalen“ Betrieb werden am kommenden Sonntag (ab 15 Uhr) und am Montag (ab 20 Uhr) gezeigt, „Belle und Sebastian“ ist am Sonntag zu sehen, einen Tag später steht der Klassiker „Außer Atem“ auf dem Programm.

Theiß hatte Idee erst für einen Scherz gehalten

Der Grund für die Pause, die voraussichtlich bis März oder April dauern soll, ist ungewöhnlich. Theiß schildert, wie es dazu kam: „Ich habe zuerst an einen Scherz geglaubt, als jemand anfragte, ob bei mir Interesse bestehe, an einem Film mitzuarbeiten.“ Als er dann jedoch gehört habe, worum es geht, habe er zugesagt: „Zum Jahresende 2015 kommt ein neuer Spielfilm über die Erfinder der Kinematografie in die Filmtheater. Für das Vorprogramm dazu wird ab Mitte Januar ein etwa 15-minütiger Film über die letzten verbliebenen kleinen Kinos in der Provinz gedreht. Ich soll dabei die notwendigen Kontakte zu den Kinobetreibern herstellen, das Filmteam bei den Dreharbeiten begleiten Zeitzeugen befragen und alles kommentieren. Der Film wird in den City-Lichtspielen beginnen und dort auch enden“, erläutert Theiß. Er freut sich in diesem Zusammenhang: „Als Lohn für den Aufwand soll nach Fertigstellung die große festliche Premiere in den City-Lichtspielen stattfinden.“

Nach der mehrwöchigen Vorstellungspause im „normalen“ Betrieb möchte Heinz Theiß auf jeden Fall weitermachen wie bisher. Eine Rückkehr zu täglichen Öffnungzeiten ist allerdings nicht geplant. Um den Standort Meinerzhagen attraktiver zu machen, hofft Theiß weiter auf Investitionen durch den Eigentümer der Immobilie, die Stadt Meinerzhagen: „Wir müssten in die Technik investieren. Uns fehlen dazu ganz konkret etwa 50 000 Euro.“

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare