Rassige Musik mit Heinz Rudolf Kunze

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Liedermacher Heinz Rudolf Kunze und seine Band „Räuberzivil“ boten ein Programm mit hochklassiger Musik. Auch eine Bulldogge eroberte die Zuschauerherzen im Sturm.

MEINERZHAGEN - Musik, die ihre Wirkung so sicher entfaltet, wie eine Tasse heiße Schokolade bei Temperaturen unter null Grad. Texte, die in wenigen Worten mehr aussagen, als manches Buch: Liedermacher und Politbarde Heinz Rudolf Kunze und seine „kleine musikalische Guerilla-Einheit“, die Band „Räuberzivil“, lieferten mit dem Programm „Hier rein da raus“ einen Auftritt ab, den das Publikum immer wieder mit euphorischen Pfiffen und Applaus quittierte.

Von Petra Schüller

Auch nach zweieinhalb Stunden Konzert und Sprechtexten, sowie mehreren Zugaben hatten die Besucher noch lange nicht genug. Natürlich, „Dein ist mein ganzes Herz“, der größte Single-Erfolg des Künstlers, durfte da ebenso wenig fehlen wie „Meine eigenen Wege“ – die gesungene Aufforderung, ausgetretene Pfade zu verlassen.

Doch bevor alle bei den bekanntesten Stücken mitgingen und der ganze Saal im Rhythmus der Musik klatschte, erwartete die Zuhörer ein prall gefülltes Programm, das philosophische Exkurse, exotische Gedankenwelten, aber auch beißende Gesellschaftskritik und schrägen Humor vereinte und ein sattes Pensum rassiger Musik bot, die wohl niemanden ruhig auf seinem Stuhl sitzen ließ.

Vielleicht lag es daran, dass das Quartett in Meinerzhagen seinen vorerst letzten „Räuberzivil“-Auftritt erlebte, vielleicht aber auch daran, dass Kunze am Samstag Geburtstag hatte, und das Publikum den Liedermacher in der nahezu voll besetzten Stadthalle mit einem Geburtstagsständchen überraschte. Jedenfalls entfaltete sich eine ganz besondere Atmosphäre zwischen Band und Publikum, es lag die Form besonderer Magie über der Veranstaltung, die sich wohl jeder Bühnenkünstler wünscht. Hierzu trugen natürlich auch die exzellenten Musiker wie „Teufelsgeiger“ Hajo Hoffmann bei. Er bearbeitete nicht nur das Streichinstrument so leidenschaftlich und temperamentvoll, dass man jeden Moment mit einer gerissenen Saite rechnete, auch als Mandoline-Spieler bewies er höchstes Können. „Er ist der einzige den ich kenne, der die Mandoline mit Wah-Wah-Pedal spielt wie Hendrix“, kommentierte Kunze die Spielkunst seines Kollegen.

Auch das musikalische Multitalent Wolfgang Stute (Percussion und Gitarre) und Hardrocker Peter Pichl am Bass brillierten. Ersterer entlockte den unterschiedlichsten Instrumenten – Congas, Cajón oder Becken – offenbar mit Leichtigkeit die kompliziertesten Rhythmen. Letzterer steuerte Bassklänge bei, die den Zuhörern direkt in die Beine fuhren.

Was ist Glück? Auch dieser Frage ging Kunze nach: „Wenn das Leben so beschaffen wäre, dass du nie etwas im Konjunktiv sagen müsstest – das wäre Glück“, lautete eine Antwort. Eine weitere: „Wenn du an einem einzigen Lebewesen alles wieder gutmachen könntest, was du anderen angetan hast – auch das wäre Glück.“ Die Korrumpierbarkeit des Menschen und die Gefahr, Werte und Menschlichkeit für Geld und Ansehen zu verkaufen, beschreibt Kunze im Song „Mach es wie ich“ mit den Worten: „Es ist toll auf dem Gipfel sich Luft zuzufächeln, doch erst musst du lernen beim Töten zu lächeln.“

Neben Wortkunst und Tiefgang hielt er viele groteske, witzige Überraschungen bereit und verblüffte etwa mit der Frage: „Wurden Sie schon mal von einem Waschbären vergewaltigt?“ Dann beschrieb er: „Zuerst überwiegt das blanke Entsetzen, dann bildet sich blitzblankes Staunen heraus – und am Ende ist es schön.“ Auch die schwarz-roten Koalitionsbemühungen ließ der Liedermacher nicht unkommentiert. „Alles wird versprochen, dann zurück gekrochen“, sinnierte er und dichtete „Elefantenehe, wehe, wehe. Riesig sind die Rüssel, saugen leer die Schüssel.“

Auch mit dieser Veranstaltung bewies das Team des KuK-Vereins eine glückliche Hand bei der Zusammenstellung eines außergewöhnlichen Kulturprogramms, das viele besondere Highlights bereithält.

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