Heimatverein: Alte Dokumente nicht entsorgen!

Spurensuche: Dieses Bild wurde von einer Familie vom Herweg als Glückwunschkarte geschrieben, als Absender wird allerdings auch der Name Herweg genannt. Wer weiß mehr?

Meinerzhagen - So stark die Erinnerung an Ereignisse, einstige Bauwerke oder Straßen auch sein mag: Wird diese nicht rechtzeitig archiviert, droht das Vergessen – und damit auch der endgültige Verlust von Tradition oder Heimatkultur. Diese Sorge treibt derzeit vor allem die Akteure des Heimatvereins um, die daher an alle Meinerzhagener Bürger appellieren, alte Dokumente, insbesondere Fotografien, nicht achtlos zu entsorgen.

Von Frank Zacharias

„Stirbt ein alter Mensch, dann verbrennt eine ganze Bibliothek“: Dass dieses Sprichwort, dessen Wurzeln in Japan vermutet werden, seine Berechtigung hat, weiß Christian Voswinkel nur zu gut. Der Vorsitzende des Heimatvereins hat schon zahlreiche Gespräche mit älteren Mitbürgern geführt, die ein bemerkenswertes Stück Stadtgeschichte in ihre Köpfen „gespeichert“ hatten. Doch daneben verfügen die älteren Meinerzhagener oftmals über alte Fotografien oder sonstige Dokumente, mit denen die Nachkommen nach dem Tod des Besitzers manchmal nur wenig anfangen können. „Und für diesen Fall müssen wir das Archiv – ob nun unseres oder das der Stadt – in die Köpfe der Menschen bekommen“, so Voswinkel. Zahlreiche Bilder, die für den Einzelnen auf den ersten Blick banal erscheinen, können für die Allgemeinheit von großem Interesse sein: Ob das Gruppenfoto vom Ausflug, das in den 1950er Jahren vor einem heute nicht mehr existierenden Gebäude geschossen wurde, oder das Bild vom Volkstanz-Abend, den es längst nicht mehr gibt. „All das besitzt eine Wertigkeit, die es zu bewahren gilt“, will der Heimatvereinsvorsitzende die Bürger für solche „Schätze“ sensibilisieren. „Wir müssen unsere Erinnerungskultur fortbestehen lassen. Ich habe Angst vor einer Art Traditionsbruch.“

Etwa 4000 digitalisierte Bilder befinden sich bereits im Besitz des Heimatvereins, der damit – zusätzlich zum Stadtarchiv – ein fotografisches Gedächtnis der Heimat angelegt hat. „Es ist auch kein Problem, falls die Leute die Fotos nicht aus der Hand geben wollen. Ich komme auch auch zu den Leuten nach Hause und fotografiere die Bilder ab“, so Voswinkel. Die beste Qualität verspricht natürlich die kurze Leihgabe, die der Vorsitzende dazu nutzen kann, um die Dokumente am Computer zu scannen.

Wer alte Fotografien hat, die für den Heimatverein von Interesse sein könnten, kann sich mit Christian Voswinkel in Verbindung setzen: entweder telefonisch unter der Rufnummer 0 23 59 / 2 93 79 70 oder per E-Mail an c.voswinkel@web.de. Einen Tipp hat der Heimatvereinsvorsitzende für die möglichst komplette Erinnerung an alte Zeiten aber doch: „Die Leute sollten auf der Rückseite des Bildes aufschreiben, wer dort zu sehen ist. Dann ist ein Foto gleich noch wertvoller“, weiß Voswinkel, der daher die heutige MZ-Ausgabe nutzt, um auf Spurensuche zu gehen – siehe Foto.

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