Haus aus Schürfelde wird in Lindlar neu aufgebaut

Per Zufall vom Museumsleiter entdeckt, soll dieses über 300 Jahre alte Bauernhaus vom Typus des „Niedersachsenhauses“ am bisherigen Standort in Meinerzhagen abgetragen und in neuem Glanz und alter Funktion im Freilichtmuseum Lindlar wieder aufgebaut werden.

MEINERZHAGEN ▪ Dem über 300 Jahre alten, vom endgültigen Verfall akut bedrohten Bauernhaus in der kleinen Ortslage Schürfelde im Ebbegebirge oberhalb der Fürwigge-Talsperre steht eine wundersame Metamorphose bevor. Per Zufall von einem Fachmann für Baudenkmäler entdeckt, sollen Gebäude und noch erhaltene Ausstattung abgetragen und im Freilichtmuseum in Lindlar in neuem Glanz und alter Funktion wieder erstehen.

Michael Kamp, Leiter des Bergischen Freilichtmuseums für Ökologie und bäuerlich-handwerkliche Kultur in Trägerschaft des Landschaftsverbandes Rheinland, hatte sich im Mai dieses Jahres an den Meinerzhagener Bürgermeister gewendet. Der Museumschef teilte mit, dass er bei einer seiner „Überlandfahrten“ auf der Suche nach lohnenden neuen Exponaten auf Meinerzhagener Stadtgebiet „ein sehr beeindruckendes Gebäude“ entdeckt habe. Wie sich herausstellte, handelt es sich um das seit vielen Jahren weitgehend ungenutzte, immer mehr verfallende Bauernhaus Schürfelde 3. Zugleich bekundete Kamp großes Interesse an einer Übernahme der noch vorhandenen Gebäudesubstanz: „Zum einen, weil wir schon lange ein Bauernhaus mit Mitteltenne suchen und zum anderen, weil der bauliche Zustand so kritisch ist, dass sein Einsturz und damit seine endgültige Zerstörung absehbar sind.“

Bürgermeister Erhard Pierlings schaltete sich persönlich ein, recherchierte, stellte Kontakt zu den Eigentümern her. Schnell war klar: Denkmalschutz besteht offiziell für das Objekt nicht. Ein bereits eingeleitetes Verfahren war in früheren Jahren nicht zum Abschluss gekommen, weil gerade wegen des schon damals desolaten Zustands den Eigentümern ein mit der Erhaltung eines offiziellen Baudenkmals verbundener Aufwand nicht zugemutet werden konnte.

Jetzt nimmt die Geschichte um das alte Bauernhaus eine unverhoffte und für alle Beteiligten überaus erfreuliche Wende. Mit den Eigentümern konnte Einvernehmen über eine Überlassung des Gebäudes in die Hände des Freilichtmuseums in Lindlar erzielt werden. Voraussichtlich im kommenden Jahr wird dann Schritt für Schritt der Standortwechsel vorbereitet. Das wird für die Experten aus dem Bergischen Freilichtmuseum eine große Herausforderung, der sie sich allerdings nicht zum ersten Mal stellen. Stein für Stein, Balken um Balken und vieles andere mehr sind wie bei einem großen Puzzle zunächst abzutragen und dann auf dem Museumsgelände bei Schloss Heiligenhoven in Lindlar wieder neu zusammenzufügen.

Wie der Museumsleiter beschreibt, handelt es sich hier um ein rund 300 Jahre altes sogenanntes Hallenhaus. Das Gebäude entspricht dem Typus, der als „Niedersachsenhaus“ im norddeutschen Raum bekannt ist und dessen südliche Verbreitungsgrenze bis in den märkischen und angrenzenden oberbergischen Raum Kreis hinein reicht. Wie Kamp erläutert, „haben sich in diesem Raum bis heute nur wenige dieser Hallenhäuser erhalten. Meist sind sie bis zur Unkenntlichkeit modernisiert und damit für eine museale Präsentation nicht mehr geeignet. Insofern bedeutet die Übernahme des noch in weiten Teilen original erhaltenen Gebäudes aus Schürfelde großes Glück für das LVR-Freilichtmuseum Lindlar.“ Jetzt soll parallel zum baulichen Prozess die Geschichte des alten Hauses akribisch erforscht werden.

Infos zum Museum: http://www.bergisches-freilichtmuseum.lvr.de

Von Horst vom Hofe

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