43-mal Chagall im Haus Nordhelle

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Martin Ahlhaus, Klaus Majoress, Sebastian Schultz und Christian Graf (von links) freuen sich auf die Ausstellung der Chagall-Bilder. Das Titelmotiv „David und Bathseba“ ziert auch den Katalog zur Ausstellung.

Meinerzhagen - Für Fans wie den Lüdenscheider Pfarrer Sebastian Schultz ist er „neben Picasso der bedeutendste Maler des 20. Jahrhunderts“. Marc Chagall, der jüdische Maler, der am 28. März 1985 im Alter von 97 Jahren verstarb, hat eine Bildersammlung hinterlassen, die unverkennbar ist. Ab dem 22. März sind im Haus Nordhelle 43 Original-Lithographien aus den Zyklen „La bible“ und „Dessins pour la Bible“ zu sehen.

Öffnungszeiten und Führungen

Die Ausstellung „Marc Chagall – Bilder der Bibel“ im Haus Nordhelle ist für Besucher von Sonntag, 22. März, bis Samstag, 18. April, täglich jeweils von 10 bis 17 Uhr frei zugänglich. Öffentliche Führungen finden am Dienstag, 31. März, und am Montag, 13. April, jeweils um 16.30 Uhr statt (ca. 1,5 Stunden). Andachten zu ausgewählten Bildern bietet Superintendent Klaus Majoress am 29. März, 5. und 12. April jeweils um 11.30 Uhr an. Eine Woche nach der Finissage hält Pfarrer Ralph van Doorn aus Siegen einen Vortrag zum Thema „Thora und Kreuz – vom Dialog zwischen Juden und Christen“.

Im Zuge der Vorbereitungen auf das Reformationsjubiläum steht das Jahr 2015 unter dem Motto „Bibel und Bild“ – für Superintendent Klaus Majoress und den Leiter des Hauses Nordhelle Christian Graf lag es da nahe, Chagalls „Bilder der Bibel“ in das Evangelische Tagungszentrum zu holen. Möglich wurde das nicht zuletzt dank des Amtes für Mission, Ökumene und kirchliche Weltverantwortung (kurz: „möwe“) der Evangelischen Kirche von Westfalen, für die der Rönsahler Pfarrer Martin Ahlhaus im Südlichen Westfalen aktiv ist. Als enge Kooperationspartner waren sich beide Seiten schnell einig, die eben erst sanierten Wände des Hauses Nordhelle für diese außergewöhnliche Bilderschau nutzen zu wollen.

Der Reiz Chagalls liegt für viele Betrachter im nicht Offensichtlichen, das sich mitunter erst nach längerer Betrachtung offenbart. Hinzu kommt ein Farbenrausch, den die Veranstalter sogar als „ekstatisch“ bezeichnen. Im religiösen Kontext ist Marc Chagall außerdem als ein Illustrator der Bibel bekannt, eine Eigenschaft, die nun im Haus Nordhelle zur Geltung kommt.

„Chagall ist in der Kunst ein wahrer Grenzgänger“, weiß Martin Ahlhaus um die Historie des Malers, der als ältestes von neun Kindern eine jüdischen Familie in Russland aufwuchs. 1910 verließ er jedoch das Zarenreich, um in Paris die Werke Cezannes, Gaugins und Van Goghs zu bewundern. Er war schon weit über 80 Jahre alt, als er in der Mainzer Kirche St. Stefan Glasfenster gestaltete, die als Symbol der Versöhnung des Judentums mit dem deutschen Volk gelten.

„Seine Werke sind jüdisch-christlicher Dialog pur“, sagt Sebastian Schultz, Pfarrer der Lüdenscheider Christuskirchengemeinde und bekennender Fan Marc Chagalls, der diesem Dialog gemeinsam mit den Ausstellungsbesuchern lauschen will. Schultz nahm an Reisen zum Thema Chagall teil, hielt zahlreiche Vorträge – und wird außerdem die Führungen im Haus Nordhelle übernehmen. Eine Erläuterung sei nämlich hilfreich: „Man bleibt bei Chagalls Werken immer ein Lernender“, sagt Schultz.

Die Ausstellung der 43 Original-Lithographien zog bereits vor 15 Jahren in Plettenberg die Massen an: Klaus Majoress, damals noch als Pfarrer in der Vier-Täler-Stadt tätig, erinnert sich an etwa 3500 Besucher in nur drei Wochen. Ein besonderes Angebot für Schulklassen und sonstige Gruppen soll auch diesmal möglichst viele Interessierte anlocken. Anmeldungen sind unter Tel. 0 23 58 / 8 00 91 61 möglich. - zach

Die Vernissage zur Ausstellung findet am Samstag, 21. März, um 19 Uhr statt.

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