Pro und Kontra im Ausschuss

Diese drei verkaufsoffenen Sonntage soll es 2019 in Meinerzhagen geben

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Beim Meinerzhagener Frühling war die Innenstadt auch im vergangenen Jahr gut besucht. Das freute auch die Einzelhändler.

Meinerzhagen - Zehn Ja-Stimmen, sechs Ablehnungen, keine Enthaltungen. Die Meinungen zu den verkaufsoffenen Sonntagen in Meinerzhagen waren im Haupt- und Finanzausschuss gemischt. Doch was spricht für Öffnungszeiten an Sonntagen, was dagegen?

Bis zu acht Sonntage im Jahr für jeweils fünf Stunden – so oft und so lange dürften Einzelhandelsgeschäfte nach dem Gesetz zur Regelung der Ladenöffnungszeiten (LÖG) pro Jahr eigentlich ihre Türen für Kunden aufsperren. Die Voraussetzung: Der Stadtrat muss das absegnen.

In Meinerzhagen wurden für 2019 drei „offene“ Sonntag vorgeschlagen und im Hauptausschuss positiv beschieden: Der 12. Mai (Meinerzhagener Frühling), der 15. September (Hamburger Fischmarkt) und der 8. Dezember (Meinerzhagener Adventsmarkt).

Kontra

Peter Kamphaus (SPD) stimmte als „alter Gewerkschafter“ auch im Hauptausschuss gegen die zusätzlichen Öffnungszeiten. „Der Sonntag gehört der Familie“, sagt er. Hinzu kommt für ihn ein anderes Argument, das sich auf dem 12. Mai bezieht: „Dann ist Muttertag. Und viele Mütter müssen ausgerechnet dann im Einzelhandel arbeiten.“ Auch für Kamphaus gibt es allerdings Gründe, die Sonntagsarbeit erforderlich machen: „Im Krankenhaus zum Beispiel, wenn es um wichtige, lebenserhaltende Arbeit geht. Aber das ist im Einzelhandel sicher nicht der Fall.“ Außerdem stört ihn: „Beispiel Adventsmarkt: Da verdienen sich Vereine etwas dazu. Und dann verschaffe ich ihnen noch Konkurrenz durch den Einzelhandel? Das ist absurd.“

Übersicht: Verkaufsoffene Sonntage in NRW

Pastor Stefan Beilicke ist katholischer Seelsorger aus Valbert, aber er ist auch für Meinerzhagen und Kierspe zuständig. Sonntagsarbeit – das ist für ihn nicht unbedingt nötig. „Wir brauchen einfach Orte und Zeit, wo wir füreinander da sein können. Und das ohne Zeitdruck und aus dem hektischen Alltag herausgelöst“, findet er. Die Sonntagsruhe sei heilig, fügt er hinzu.

Jan Blume (CDU) stimmte im Ausschuss gegen die Sonntagsöffnungszeiten. „Ich bin christlich orientiert, das ist für mich der Grund“, erläutert er. Blume findet, dass ein siebter Wochentag zum Einkaufen nicht nötig ist. „Was ich bis Samstag nicht eingekauft habe, muss ich am Sonntag nicht nachholen. Der Sonntag ist ein Ruhetag – und das soll er auch bleiben.“ Für drei verkaufsoffene Sonntage all diese Werte über Bord zu werfen, dazu ist Jan Blume nicht bereit. 

Pro

Stefanie Lüken vom Meinerzhagener Stadtmarketing freut sich darüber, dass die drei verkaufsoffenen Sonntage – vorbehaltlich der Zustimmung des Rates – durchgeführt werden können. „Das ist wichtig für den örtlichen Einzelhandel, der dadurch gestärkt wird. Das Programm lockt zusätzlich Menschen in die Innenstadt, davon profitiert der Handel.“ Das Argument, dass dann viele Menschen – und Mütter am Muttertag – arbeiten müssen, zieht für sie nicht: „Wir haben hier in Meinerzhagen doch viele inhabergeführte Geschäfte mit wenigen Angestellten. Und außerdem sprechen wir hier gerade einmal über drei Sonntage im Jahr.“

Thorsten Stracke (CDU) hat seine Meinung zu den verkaufsoffenen Sonntagen im Laufe der Jahre geändert. Am Montag stimmte er im Hauptausschuss für die zusätzlichen Öffnungszeiten. „Das hat sich aus Gesprächen mit heimischen Einzelhändlern ergeben, die mir berichtet haben, dass sie an diesen Tagen gute Umsätze machen. Und wir wollen schließlich alles tun, um den Einzelhandel zu stärken.“ Drei Sonntage geöffnet – das hält er für vertretbar. „Auch wenn ich natürlich weiß, dass Kirchen und Gewerkschaften da anderer Meinung sind. Dabei handelt es sich auch nicht um eine parteipolitische Sache, selbst in unserer Fraktion sind die Ansichten dazu unterschiedlich.“

Jan Lienenkämper ist Inhaber des gleichnamigen Betten- und Wäsche-Geschäftes. Er begrüßt als direkt betroffener Einzelhändler die „offenen“ Sonntage ausdrücklich – und dafür spielt für ihn nicht unbedingt der Umsatz eine Rolle. „An diesen drei Tagen werden wir nicht reicher und nicht ärmer. Mal laufen die Geschäfte dann gut, mal nicht. Viel wichtiger ist es für uns, dass wir den Kontakt zu den Kunden in einer etwas andere Atmosphäre pflegen können und auch neues Publikum in den Laden holen. Wir können dann klönen und etwas zusammen trinken – ganz ungezwungen.“ Aus demografischen Gründen würden einige alte Kunden im Laufe der Jahre nicht mehr kommen. „Neue Menschen, die uns und unser Geschäft an diesen Sonntagen kennenlernen und uns registrieren, sind deshalb von großer Bedeutung.“

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