Kaninchen: Klein, kuschelig und lange Ohren

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Bei Claudia Latsch dreht sich alles um die Langohren, auch ihr Sohn Fabian begeistert sich für die kuscheligen Vierbeiner.

Meinerzhagen - Sie haben kuscheliges Fell, meist viel zu lange Ohren und sind überaus gesellig: Kaninchen. Seit mehreren hundert Jahren hoppelt der Hase als Symbol für das Leben auch durch Ostergeschichten.

Ostern ist „seine“ Zeit. Bei Familie Latsch in Genkel dreht sich auch alles um die Langohren – nicht nur an Ostern. 

Wenn sie sich dem Stall nähert, sind sie schon zur Stelle, heben die Köpfe, warten neugierig auf frisches Futter. „Über diesen Anblick freue ich mich jeden Tag“, sagt Claudia Latsch, während sie beobachtet, wie zwei ihrer Löwenköpfchen draußen im Gehege das erste Grün mümmeln. Den eindrucksvollen Namen Löwenkopfkaninchen verdanken die Zwergnager ihrer langen Löwenmähne am Kopf. Das ist aber auch so ziemlich das einzige, was sie mit dem König der Tiere gemeinsam haben.

Kuscheltiere, betont die Züchterin, seien Zwergkaninchen trotzdem nicht – auch wenn sie noch so niedlich aussehen. „Jedes Tier hat seinen Charakter und das sollte immer respektiert werden.“ Viel gekuschelt wird in Genkel mit den kleinen Hopplern aber doch. Das übernehmen auch Claudia Latschs Kinder Marie und Fabian nur allzu gern. Fridolin und Li seien seine Kaninchen, erzählt Fabian. „Und Li heißt Li, weil sie so lieb ist.“ Li ist ebenso wie Fridolin ein Zwergwidder. Die Schlappohren seien vom Wesen her etwas ruhiger als die Löwenkopf-Rasse. „Ideal für Kinder“, meint Claudia Latsch.

Ihre Kinder dürfen die Tiere ebenso wie sie „taufen“. Dabei ist die Familie einfallsreich. „Wir hatten schon ganz Lönneberga im Stall mit Michel, Alfred und Lina. Jetzt ist nur noch Ida bei uns.“ Die Jungtiere, die an neue Besitzer abgegeben werden sollen, bekommen allerdings keine Namen. „Da hätten wir mit der Auswahl doch ganz schön viel zu tun“, lacht Claudia Latsch. Voneinander unterscheiden könne sie ihre Tiere aber immer. „Jedes Kaninchen hat ein besonderes Merkmal.“ Sie selbst habe auch als Kind schon Hasen gehabt. „Die wurden aber auch gegessen“, erinnert sie sich. Ihre heutige Zucht habe sie ihrem Beruf als Gärtnerin zu verdanken. „In dem Raiffeisenmarkt, in dem ich gearbeitet habe, gab es auch eine Zooabteilung mit Kaninchen. Da war ich immer gerne und habe sie versorgt.“ Zum Glück sei erkannt worden, dass Kaninchen Lebewesen und keine Verkaufsartikel seien, ist Claudia Latsch froh, dass die Tiere heute nicht mehr so häufig in Geschäften verkauft würden. 

Die „Nagerwelle“ sei aber durchaus noch nicht abgeebbt. Zwergkaninchen seien als tierische Familienmitglieder nach wie vor beliebt. Daher finden auch die „Genkel-Zwerge“ regelmäßig ein neues Zuhause. In Genkel dreht sich seit etwa 15 Jahren alles um die Langohren. „Und das 365 Tage im Jahr. Es ist schon ein sehr zeitintensives Hobby“, meint Claudia Latsch. Angefangen, erzählt die Meinerzhagenerin, habe sie mit zwei Tieren – „zum Streicheln“. Heute leben 20 Zuchtkaninchen auf dem kleinen Hof. Etwa fünf Rammler sind darunter, die Häsinnen sind in der Überzahl. Nachwuchs gibt es regelmäßig. Allerdings versuche sie, eine gleichmäßige Verteilung über das Jahr hinzubekommen, erklärt Claudia Latsch. „Die Kleinen müssen schließlich auch immer viel gestreichelt und bekuschelt werden. Sonst werden sie nicht zahm.“ 

Allerdings funktioniere die Natur nicht immer nach Plan. Würden Tiere im Winter geboren, bestehe immer ein Risiko für sie. „Stirbt ein Tier, ist es jedes Mal traurig, doch die Natur ist leider noch brutaler.“ Viel öfter freut sich Familie Latsch jedoch über glücklich verlaufende Geburten. Auch Maries Kaninchen Nele wird in wenigen Tagen Mutter. Ihr Zwergwidderkaninchen Penny habe vor wenigen Wochen ihren ersten Nachwuchs bekommen, berichtet die Drittklässlerin stolz und zeigt auf fünf kleine graue, flauschige Fellknäule, die munter durch den Stall hoppeln und zutraulich Maries Hand beschnuppern. 

Von Natur aus seien Kaninchen Fluchttiere. „Der Mensch ist für sie Gefahr“, sagt Claudia Latsch. Daher sei es umso wichtiger, die Tiere an den Umgang mit Menschen zu gewöhnen. Ein Trick sei, sie aus der Hand zu füttern und an Geräusche zu gewöhnen. Trotzdem gilt: „Kaninchen genießen es zwar, Streicheleinheiten zu bekommen, möchten es aber nicht immer. Und jedes Tier hat seinen Charakter.“ Der bestimmt auch das Zusammenleben im Stall. Hasen sind zwar gesellig, „doch generell ist es so, dass sich zwei Weibchen meist nicht so gut vertragen. Wenn Kaninchen zu zweit leben, hat eines von ihnen meist den tougheren Charakter.“ 

Auf eine gesunde Versorgung und auf genügend Auslauf – darauf legt Claudia Latsch besonderen Wert. Mehrere Freigehege stehen auf ihrem Grundstück, in denen ihre Tiere tagsüber umher hoppeln und Haken schlagen dürfen. Mit etwa zehn Wochen können kleine Kaninchen von ihrer Mutter getrennt und in ein neues Zuhause umziehen. Ältere Tiere in neue Hände abzugeben, das falle ihr jedes Mal ziemlich schwer, sagt Claudia Latsch. Für die Zucht, bei der es ihr im Gegensatz zur Rassekaninchenzucht nicht um äußere Merkmale gehe, sei es jedoch nicht anders möglich. Ein- bis zweimal im Jahr bekommen ihre Kaninchenweibchen in Genkel Junge. „Nach drei Jahren gehen sie dann als Streichelhase in Rente.“

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