Hasan hat’s an Ramadan nicht leicht

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Hasan Kurtar ist eisern: Obwohl er den ganzen Tag am Dönerspieß steht und umgeben von Salat, Pizza und Co. ist, verzichtet er aufs Essen. Auch Trinken ist übrigens tabu. ▪

MEINERZHAGEN ▪ Hasan Kurtar schmeißt das elektronische Messer an. Immer wieder fährt er damit am dicken Dönerspieß entlang – die Stücke purzeln herunter. Der ganze Laden riecht nach Fleisch, Pizza und Co. Und warm ist’s auch noch. Doch essen und trinken, das darf Hasan nicht.

Denn seit gestern heißt’s für viele Muslime Fasten. Es ist die Zeit des Ramadan, die die Gläubigen auf eine harte Probe stellt. Doch ist das wirklich für jeden etwas? Was ist mit Leuten wie Hasan, die arbeiten müssen? Und dann auch noch in einem Imbiss?

„Es ist hart, aber ich mache das schon lange und habe mich daran gewöhnt“, sagt er. Pünktlich mit dem gestrigen Anbruch des Fastenmonats, schränkte er seine Nahrungsaufnahme ein. Sein Chef Hasan Dadali konnte das nicht. „Ich musste extrem viel arbeiten. Das hätte ich nicht geschafft“, erklärt der Inhaber des City Kebap Hauses. Aber ab heute will er es versuchen. Und wenn’s nicht klappt? Auch da gibt es eine Lösung: Jene, die aus gesundheitlichen Gründen oder eben wegen schwerer Arbeit nicht aufs Essen verzichten können, bezahlen pro Tag eine Pauschale von zehn Euro. So viel, wie sie schätzungsweise tagsüber in Essen und Trinken investieren.

Geldspenden für Bedürftige

Und wer bekommt das Geld? „Leute, denen es schlechter geht. Wir können uns jemanden aussuchen, dem wir es geben“, sagt Hasan Dadali.

Während er so erzählt, erinnert er sich daran wie’s früher an Ramadan war: „Viel schöner als heute. Irgendwie intensiver. Wir sind bis spät in die Nacht spazieren gegangen, bevor wir dann zusammen aßen.“

Freunde und Verwandte verbringen Zeit miteinander

Zusammen – das scheint eines der Schlüsselwörter zu sein, die den Ramadan ausmachen. Nachbarn, Freunde und Verwandte treffen sich und verbringen Zeit miteinander. Tagsüber beten sie fünfmal, abends gibt’s anlässlich des Fastenmonats ein zusätzliches Gebet, das Teravi. Im Anschluss daran wollen die Muslime dann Spaß haben. Und natürlich essen. Suppe darf dabei nicht fehlen. Und Pide, eine spezielle Brotsorte. Zurzeit ist das Essen zwischen 4.30 und 21.20 Uhr nicht möglich, das Zeitfenster wird aber immer ein bisschen kleiner. Dadali: „Die Abendstunden sind immer richtig schön in der Moschee. Wir trinken türkischen Tee, essen selbst gemachte Süßspeisen, lesen oder schauen uns ein lustiges Theaterspiel an.“

Wer durchhält, fühlt sich nach dem Fasten völlig rein

Aber der Ramadan bedeutet noch mehr: „Wer das Fasten die ganze Zeit durchhält, der fühlt sich völlig rein“, erklärt Hasan Kurtar. Klar, die ersten drei bis vier Tage seien hart, er fühle sich immer sehr schlapp, aber danach ginge es eigentlich. Er sagt, er nehme seine Umwelt ganz anders wahr. Neben Essen und Trinken verzichten die Muslime übrigens auch aufs Rauchen, Alkohol trinken und Geschlechtsverkehr.

Für den Imbiss-Besitzer Hasan Dadali beginnt also heute erst das Fasten. Umgeben von so viel Essen ganz sicher kein leichtes Unterfangen. Aber da ist ja noch sein Kollege, der eisern ist. Und das Ziel: Das große Zuckerfest vom 9. bis 11. September. „Das ist vergleichbar mit Weihnachten. Wir besuchen unsere Freunde und Verwandten.“ Für die Kinder sei das immer was ganz Besonderes, sie bekommen viele kleine Geschenke. ▪ Lisa-Marie Weber

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