Harte Tierschicksale in der Auffangstation des TSV Meinerzhagen/Kierspe

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Die Wachtel war auf dem Rothenstein gefunden worden, neben einem toten Artgenossen.

Meinerzhagen - Ob die namenlose Wachtel, Spitz-Mischling Teddy, oder die Wasserschildkröte in der Wanne – sie alle haben Tier-Schicksale hinter sich, die berühren. Auch die Mitarbeiterinnen der Auffangstation des Tierschutzvereins Meinerzhagen/Kierspe in Listerhammer können sich nicht von dem freimachen, was ihre Schützlinge durchleben mussten.

Pia Sperber ist Vorsitzende des heimischen Tierschutzvereines. Oft denkt sie zurück und führt sich noch einmal vor Augen, durch welche Umstände die Vierbeiner in ihre Obhut gekommen sind. Da ist zum Beispiel die Wachtel. Der kleine Hühnervogel wurde im Sommer „oben auf dem Rothenstein“ gefunden. Das Tier kauerte in einem Busch, nicht weit entfernt von einem zweiten Exemplar dieser Gattung. Das war allerdings tot. „Der Kopf war abgetrennt, da war wohl schon ein Raubtier dran“, berichtet Pia Sperber.

Aufmerksame Passanten verständigten jedenfalls den TSV und so konnte wenigstens das überlebende Federvieh gerettet werden. Die Wachtel sitzt nun in einem geräumigen Käfig, in dem sie auch laufen kann. „Und das Tier scheint sich so wohl zu fühlen, dass es sogar schon Eier gelegt hat. Es hat sich aber keine von uns getraut, die zu essen“, lacht Pia Sperber.

Alles andere als eine unbeschwerte Vergangenheit hatten auch fünf Hamster hinter sich, die im August nach Listerhammer kamen und die bereits vermittelt wurden. Pia Sperber erzählt: „Ein Laster hatte eine Panne in Troisdorf. In der Werkstatt stellte dann ein Mitarbeiter fest, dass der Transporter 3000 Hamster geladen hatte. Die kleinen Nager wurden sichergestellt – und auf einen Schlag hatte der dortige Tierschutzverein ein Problem: Wohin mit den Hamstern? Ein Hilferuf, der in ganz Nordrhein-Westfalen verbreitet wurde, hatte schließlich zur Folge, dass fünf Exemplare von uns aufgenommen wurden. Ich bin sicher, dass die Lastwagen-Ladung als Lebendfutter gedacht war. Die Fuhre sollte nach Spanien gehen.“

Die Schildkröte in der Auffangstation des TSV – einfach nur „die Kröte“ genannt – wurde wegen nicht artgerechter Haltung in Kierspe beschlagnahmt.

Laufrad und Käfig braucht „die Kröte“ nicht, die jetzt in der Obhut des TSV Meinerzhagen lebt. Sie liegt in der Badewanne der Auffangstation und fühlt sich wohl. Das war nicht immer so. Pia Sperber: „Das Tier wurde in Kierspe beschlagnahmt, weil es nicht artgerecht gehalten wurde. Es lebte in einem Becken mit verdrecktem Wasser, an der Oberfläche schwamm Schimmel. Nachdem es zu uns gekommen war, mussten wir erst einmal den Panzer schrubben.“ In Listerhammer taucht „die Kröte“ meistens ab, sie liegt dann auf dem Grund der Wanne. Alle zwei Tage ist jedoch vorübergehend Schluss mit relaxen, denn dann steht der obligatorische Wannenwasser-Wechsel an.

Dass ein Happy-End durchaus zum Leben in der Auffangstation gehört, beweist die Geschichte von Labrador-Mischling Micky. Pia Sperber: „Nach einem ganzen Jahr in unserer Obhut konnten wir das Tier vermitteln. Es hatte schon einige neue Zuhause hinter sich. Doch jetzt scheint es geklappt zu haben. Wir haben gehört, dass er nun mit den neuen Besitzern in den Skiurlaub nach Österreich fährt.“

Viele Möglichkeiten haben Tiere nicht, um auszudrücken, dass sie unzufrieden sind. Katze Stellas Protest ist jedoch nicht zu übersehen. „Als Herrchen und Frauchen zunächst ins Krankenhaus kamen und anschließend in einer Pflegeeinrichtung untergebracht wurden, kam Stella zu uns in die Auffangstation. Hier verrichtet sie jetzt überall ihr Geschäft. Sie geht einfach nicht aufs Katzenklo“, berichtet Pia Sperber.

Dass im Sommer massenweise Löwenzahn wuchs, hatte für die heimischen Tierschützer auch ihre Vorteile. Denn: Just zu dieser Jahreszeit nahmen die TSV-Frauen freiwillig 16 Meerschweinchen auf. „Die konnten wir dann gut versorgen“, denkt Pia Sperber dankbar zurück.

Und wie kam es zu dieser „Massen-Zuwanderung“? „Im Juni wurden 60 Meerschweinchen in Olpe ausgesetzt. Weil wir mit den Kolleginnen dort gut befreundet sind, haben wir spontan 16 Findelkinder aufgenommen“, berichtet die Vorsitzende des TSV Meinerzhagen/Kierspe. Aus 16 wurden dann aber immer mehr Meerschweinchen. „Alle zehn Weibchen waren tragend“, schildert Pia Sperber. Am Ende konnten jedoch einige Tiere vermittelt werden. „Die restlichen haben wir an Olpe zurückgegeben, als sich die Lage dort etwas entspannt hatte.“

Die aktuelle "Belegschaft"

In der Auffangstation des Tierschutzvereines Meinerzhagen/Kierspe in Listerhammer leben zurzeit folgende Tiere: 34 Katzen, 8 Hunde, 4 Hängebauchschweine, 1 Wachtel, 21 Mäuse, 1 Kaninchen, 1 Hamster, 1 Wasserschildkröte. Wer Spenden möchte, kann das unter folgender Kontoverbindung tun, IBAN: DE51 4585 1665 0004 5013 75, Sparkasse Kierspe-Meinerzhagen.

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