Hannelore Kraft besucht Förderkindergarten

Hannelore Kraft und der heimische Landtagskandidat Gordan Dudas besuchten am Dienstag den Awo-Kindergarten.

MEINERZHAGEN ▪ Vier Tage vor dem offiziellen Wahlkampfauftakt in der Düsseldorfer Philipshalle besuchte die SPD-Spitzenkandidaten Hannelore Kraft am Dienstag Meinerzhagen. Ihr Interesse galt dem heilpädagogischen Kindergarten der Awo in Schürfelde. Mit dabei der heimische SPD-Landtagskandidat Gordan Dudas aus Lüdenscheid.

Hannelore Kraft nimmt sich Zeit. Vom Gastgeber Erich Mürmann als „künftige Ministerpräsidentin“ begrüßt, spult sie kein typisches Wahlkampfprogramm ab. Vielmehr sucht sie, mit Ausnahme des Vertreters der Lokalpresse nahezu „nichtöffentlich“, den Kontakt und das Gespräch: Mit Erzieherinnen und Therapeutinnen, mit einigen Kindern. Nach einem relativ erholsamen Osterfest im Kreis der Familie und nur ganz wenigen Terminen („Ostereiersuchen im Ortsverein“), vier Tage vor der offiziellen Auftaktveranstaltung der Landes-SPD in der Düsseldorfer Philipshalle mit Promis wie Kurt Beck und Klaus Wowereit, ist die 48-jährige Mülheimerin im beschaulichen Schürfelde bei Meinerzhagen zu Gast. Der 17-jährige Sohn Jan, angehender Abiturient, mit fast zwei Metern Körpergröße auf dem Sprung zu einer Basketball-Profikarriere, nutzt die Ferien und begleitet die Mutter, die sich anschickt, erste Frau im Amt des Ministerpräsidenten des größten Bundeslandes zu werden. Ländlicher geht‘s, unweit der Fürwiggetalsperre und mitten im Naturpark Ebbegebirge, kaum mehr. Doch auch hier im Heilpädagogischen Kindergarten in Trägerschaft der Arbeiterwohlfahrt Hagen/Märkischer Kreis wirken von der Politik verordnete Richtlinien und Gesetze unmittelbar auf Arbeit und Alltag.

Förderung und Therapie

im Vorschulalter

Erich Mürmann, der Awo-Unterbezirksvorsitzende und Gabriele Windfuhr, Leiterin der Einrichtung, informieren über die Einrichtung, ihre Angebote und Vorzüge, aber auch über aktuelle Zukunftsängste um ein Haus, in dem schon seit über 35 Jahren Kinder im Vorschulalter gefördert und therapiert werden. Mit 60 Kindern in Vollbelegung. Täglich werden sie mit insgesamt elf Busspezialverkehren aus ihren Heimatorten Meinerzhagen, Lüdenscheid, Kierspe, Halver, Schalksmühle, Herscheid, Plettenberg, Werdohl und Neuenrade hierhin gebracht. Inmitten unverstellter Natur, in einem ehemaligen Bauernhof, später Jugenderholungs- und Freizeitheim, immer wieder um- und ausgebaut, erhalten die Drei- bis Sechsjährigen differenzierte Förderung. Zielsetzung: Beseitigung oder Minderung von sprachlichen, geistigen und/oder körperlichen Entwicklungsbeeinträchtigungen.

„Es macht einen großen Unterschied, ob eine Sprachförderung, wie es sie neuerdings auch im Regelkindergarten gibt, oder eine Sprachtherapie wie bei uns im Einzelunterricht oder in Kleingruppen stattfindet“, zeigt Einrichtungsleiterin Windfuhr auf. Auch Kinder mit Mehrfachbehinderungen erhalten hier eine besonders intensive Betreuung. Zum 27-köpfigen Team des Kindergartens gehören neben Erzieher/innen besonders geschulte Heilpädagogen, Logopäden, Ergotherapeuten, Motopäden und Physiotherapeuten.

Behinderten-Charta der UN setzt neue Regeln

Sechs Stunden am Tag, 35 in der Woche – so intensiv und kindgerecht wie denkbar – erfolgen im heilpädagogischen Kindergarten Schürfelde Vorbereitung und Hinführung wenn möglich in Richtung Regelschule. Die größte Gruppe umfasst 13, die kleinste acht Kinder. Mindestens drei Betreuer stehen für jede Gruppe zur Verfügung. Das sind Verhältnisse, wie sie gemäß der Behinderten-Charta der UN in Deutschland und somit auch in NRW angestrebten integrativen Betreuung und Förderung Behinderter in Regeleinrichtungen so wohl nur schwer umsetzbar sein dürften.

„Der Personalschlüssel ist auch hier der Knackpunkt“, erkennt die SPD-Spitzenkandidatin in NRW und ehemalige Ministerin für Forschung und Bildung gleich den besonderen Knackpunkt. Aufgrund seiner abgeschiedenen Lage könnte Schürfelde als Standort für einen regulären Kindergarten mit integrativer Betreuung womöglich auf der Strecke bleiben, befürchtet Awo-Bezirkschef Mürmann. Auch den Bestand der wichtigen Arbeit, wie sie von der Förderschule Volmetal geleistet wird, sieht er mittelfristig gefährdet. Hannelore Kraft fragt viel, macht sich Notizen, will wissen, welche anderen Lösungsmöglichkeiten es geben könnte. Sie gibt keine Versprechungen, macht keine Zusagen, bekundet aber lebhaftes Interesse an den Hintergründen. Auch Gordan Dudas, der 39-jährige heimische Wahlkreiskandidat der Sozialdemokraten aus Lüdenscheid, hinterfragt die Fakten intensiv. Als Ausbildungsleiter eines Unternehmens liegt ihm das Thema Bildung und Ausbildung ganz besonders am Herzen.

Forderungskatalog der Awo an die Landespolitik

Erich Mürmann von der Awo weiß, dass er bei seinen beiden Gästen nicht lange werben muss für Verbesserungen im Bereich der Kinder-, Jugend- und Familienpolitik. Natürlich kennen beide den umfangreichen Forderungskatalog der Awo-Landesarbeitsgemeinschaft dazu. Hannelore Kraft will den Empfehlungen gern folgen, wie sie die Awo als „soziales Herz und Gewissen der SPD“, so Mürmann, zu Papier gebracht hat. ‚Aber sie sagt auch: „Ihr müsst mir auch helfen, das notwendige Geld dafür aufzutreiben“.

Nach gut einer Stunde geht‘s weiter zum nächsten von gestern fünf Terminen im Märkischen Kreis. Ein Geschenk wird Hannelore Kraft an Schürfelde erinnern: Ein von Kindern in der Malschule „Pinselklecks“ erstelltes Gemälde. Erich Mürmann weiß schon, wo er es am liebsten künftig hängen sehen würde: „In der Düsseldorfer Staatskanzlei!“

Horst vom Hofe

Infos über Schürfelde im Internet unter:

http://www.awo-ha-mk.de

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