Handwerk und Corona-Krise: Noch stimmt die Auftragslage

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Lehnt keine Aufträge ab: Stefan Busch, Inhaber von Elektro Busch in Meinerzhagen.

„Ein Kunde hat uns den Termin abgesagt, ein anderer hat ein Projekt zurückgestellt. Das sind aber bislang die einzigen Auswirkungen der Coronakrise, die wir im Bezug auf die Kunden merken“, erzählt Dirk Schmale von der gleichnamigen Tischlerei.

Kierspe/Meinerzhagen – Der Sieben-Mann-Betrieb sei derzeit gut ausgelastet, es gebe zahlreiche Aufträge und es kämen auch täglich neue, freut sich der Tischlermeister. Doch diese positiven Nachrichten bedeuten nicht, dass die Krise spurlos an dem Traditionsunternehmen vorübergeht. „Wir haben die Werkstatt buchstäblich abgeschlossen und lassen niemanden, der nicht zum Team gehört ins Gebäude. Auch Vertreter und Paketboten werden nicht eingelassen. Wird eine Unterschrift benötigt, müssen die Lieferanten eben kurz anrufen, damit jemand rauskommt. Gleiches gelte auch für Kunden, die nun nicht mehr in das „Musterhaus“ auf dem eigenen Gelände gelassen werden.

 „Auf den Fahrten zur Baustelle sitzen jetzt auch nur noch zwei Leute im Fahrzeug. Wir bemühen uns, unter einander um Abstand – aber auch zum Kunden. Wenn es möglich ist, kommen wir auch dann, wenn der Kunde nicht im Haus ist. Das hatten wir in dieser Woche auch schon. Ansonsten gibt es auf allen Wagen Wasser und Seife – und wenn gewünscht, legen wir vor Ort auch einen Mundschutz an. In der Werkstatt selbst ist der Pausenraum geschlossen, jeder frühstückt alleine an seinem Arbeitsplatz“, erklärt Schmale, der froh ist, dass es bislang noch keine Auftragsstornierungen gegeben hat, sondern nur die erwähnten Verschiebungen. „Was passiert, wenn dieser Zustand noch über Monate anhält, kann ich natürlich nicht sagen“, so der Tischlereichef.

Coronavirus und das Handwerk: Verschobene Termine

Ähnlich sieht es bei heimischen Elektrofachfirmen aus. Stefan Busch, Inhaber des gleichnamigen Betriebs in Meinerzhagen, musste bislang keine Auftragsstornierungen registrieren, weiß aber um die Vorsicht, die bei manchen Kunden herrscht. Auch bei ihm würden viele Termine verschoben. „Das ist zunächst kein Problem, so lange aufgeschoben am Ende nicht aufgehoben bedeutet“, sagt Busch.

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Die Auftragslage der vergangenen Wochen war gut, sodass man davon noch zehre. Allerdings müsse man teilweise auch selbst Prioritäten setzen: Inneneinsätze, die nicht zwingend kurzfristig notwendig sind, würden verschoben, Einsätze außerhalb geschlossener Räume zunächst bevorzugt. „Wir lehnen Aufträge wegen der besonderen Situation aber nicht ab“, betont Stefan Busch. Sorge bereitet ihm eher die Entwicklung im Bereich der Industrie: 30 Prozent seiner Kundschaft seien gewerblicher Art. „Leiden die unter der Krise, schlägt das natürlich auch zu uns durch.“

Coronavirus und das Handwerk: Erfahrungen in Betrieben ähnlich

Auch Buschs Kiersper Kollege André Gallo macht in Sachen Auftragslage ähnliche Erfahrungen. „Der Auftragseingang ist zum Glück ungebrochen. Defekte Großgeräte werden ausgetauscht und auch die kommunalen Aufträge laufen weiter, genau wie der Störungsdienst für den Bauverein“, freut sich Gallo. Damit das Infektionsrisiko so gering wie möglich bleibt, hat er die Dienstpläne verändert, beschränkt den Aufenthalt in der Werkstatt und hält auch im Büro Distanz.

Gallo: „Die Monteure arbeiten zeitversetzt, auch auf den Baustellen, also möglichst so, dass keine anderen Handwerker dort sind. Um sich und die Kunden zu schützen, haben die Leute Desinfektionsmittel im Auto. Auch gibt es klare Anweisungen zur Hygiene im Betrieb. Wir haben zum Beispiel ein neues Waschbecken in der Werkstatt installiert, lässt sich der Hahn mit dem Arm steuern, damit niemand mehr die Armatur anfassen muss.“

Trotz aller Maßnahmen habe es aber trotzdem vereinzelt Absagen gegeben, aber nur in Bereichen, in denen man auch nicht unbedingt arbeiten muss. „Wer jetzt seine Schalter und Steckdosen aus optischen Gründen austauschen möchte, kann sicher noch ein bisschen warten“, sagt der Unternehmer. Die Tür seines Unternehmens ist zwar nicht grundsätzlich geschlossen, doch man halte Abstand zu Besuchern. „Bargeld nehmen wir derzeit nicht an, da bitten wir um Überweisung“, so André Gallo.

Coronavirus und das Handwerk: Ungewissheit in Zukunft

„Natürlich gibt es einzelne Verschiebungen bei den Terminen, vor allem bei Menschen, die aufgrund ihres Alters oder wegen Vorerkrankungen zur Risikogruppe gehören“, erzählt Markus Hilchenbach, Inhaber des gleichnamigen Sanitärbetriebs. Grundsätzlich sei er aber mit der Auftragslage in seinem Betrieb, in dem insgesamt 15 Leute arbeiten, zufrieden. „Zwar konnten vereinzelte Mitarbeiter schon mal Überstunden abbauen, aber ansonsten haben wir gut zu tun“, freut sich der Chef, schränkt aber ein: „Niemand weiß, wie das in einigen Wochen aussieht.“

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Grundsätzlich halte man auch in seinem Betrieb Abstand – untereinander, aber auch zum Kunden. „Meist ist das bei uns ja gar nicht so schwer, weil wir beispielsweise bei Wartungen üblicherweise im Keller arbeiten. Da sind die Kunden auch in Nicht-Krisen-Zeiten selten dabei“, erklärt Hilchenbach. Ein Kunde habe darum gebeten, dass der Installateur eine Maske trage. Hilchenbach: „Das haben wir natürlich gemacht, wobei es gar nicht so einfach war, Masken zu besorgen.“ Gleiches gelte auch für Desinfektionsmittel, die man letztlich über einen Mitarbeiterkontakt bekommen habe und mit dem nun die Mitarbeiter ausgerüstet würden. Um diese zu schützen, werde derzeit jedes Fahrzeug nur mit einem Mann besetzt.

Dass der Kundenkontakt insbesondere im Heizungsbauerbereich auf ein Minimum reduziert werden kann, kommt auch der Firma von André und Michael Berges entgegen. „Die Kunden öffnen die Tür und lassen uns in den Keller – das ist natürlich kein Problem“, sagt Mitarbeiterin Anja Berges. Die Bitte um Terminverschiebungen komme derzeit weniger von den Kunden als viel mehr vom Unternehmen selbst. „Dinge, die nicht dringend erledigt werden müssen, versuchen wir nun, nach hinten zu schieben. Auch Beratungsgespräche, die ja länger dauern, können wir derzeit nicht in der normalen Form anbieten“, sagt Berges. Immerhin könne die Sanitärfirma den Stillstand beziehungsweise die Kurzarbeit bei einigen Kunden derzeit nutzen, um Arbeiten problemlos durchzuführen. „Zu einem Kontakt zu den Mitarbeitern der anderen Firmen kann es dadurch natürlich nicht kommen. Das versuchen wir derzeit zu nutzen“, sagt Berges.

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