Auf dem Parkplatz des Evangelischen Gymnasiums

Vater spricht Verkehrsrowdy an: Mit dieser Reaktion hatte er nicht gerechnet 

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Der Ort des Geschehens: Am Parkplatz des EGM kam es nach Angaben eines Vaters zum Streit.

Meinerzhagen - Fast jeder kennt die Situation: Ein Raser lässt den Motor seines Autos aufheulen. Nicht etwa auf der Autobahn, sondern in der Tempo-30-Zone.

Doch nur selten bietet sich die Chance, den Übeltäter auf sein Verhalten anzusprechen. Der Meinerzhagener Andreas Fett tat aber genau das – und hätte das später beinahe bereut. 

Es geschah am vergangenen Montag in der Mittagspause am Evangelischen Gymnasium: Gegen 12.30 Uhr fiel Fett ein junger Autofahrer auf, der mit seinem Fahrzeug mit aufheulendem Motor „über den Schulhof bretterte“, wie Fett sich erinnert. Zunächst habe er das Kennzeichen nicht rechtzeitig notieren können, dann sei der Polofahrer aber umgekehrt, um offenbar eine Schülerin vom EGM abzuholen. 

Keine Betroffenheit sondern Angriffsmodus

Was Andreas Fett dann tat, brachte den jungen Autofahrer aber offenbar nicht zur Erkenntnis, zu schnell gefahren zu sein, sondern provozierte ihn nur. Der 50-jährige Meinerzhagener sprach den Fahrer an und wies ihn auf seine Fahrweise hin. Mit deutlichen Worten, wie Fett einräumt. „Ich sagte: ,So fährst du nicht nochmal über den Schulhof! Hier laufen Schüler zwischen den Autos. Was, wenn du meinen Sohn überfahren hättest?‘“ 

Doch von Betroffenheit bei dem Zurechtgewiesenen keine Spur. „Er ging sofort in den aggressivsten Angriffsmodus über, beschimpfte mich und fragte, was ich denn überhaupt wolle“, erinnert sich Andreas Fett, der seine Forderung nach langsamer Fahrweise wiederholte – und bei dem jungen Mann das Fass offenbar zum Überlaufen brachte. 

„Da stieg der Fahrer wutentbrannt mit wilden Kraftausdrücken aus, baute sich in Drohhaltung direkt vor mir auf“, so Fett, den der junge Mann auch am Anorak-Kragen gepackt und bedroht habe. „Unter weiteren unverhohlenen Bedrohungen ließ er endlich von mir ab. Beim Einsteigen ins Auto sagte er sogar: ,Ich fahr dich über den Haufen. Ich mach dich kaputt!‘ Er fuhr auf mich zu, setzte zurück und scherte dann kurz vor mir aus und fuhr davon.“

Polizei MK: Kein Einzelfall

Leider kein Einzelfall, wie Christoph Hüls, Sprecher der Polizei im Märkischen Kreis, im Gespräch mit der MZ bestätigt. „Auch die Kollegen auf den Wachen berichten davon, dass der Ton auf der Straße immer rauer wird“, sagt Hüls. Ihn wundere es daher nicht, dass auch der offenbar große Altersunterschied zwischen jungem Autofahrer, den Fett auf etwa 20 Jahre schätzt, und dem couragierten Meinerzhagener entsprechend lautstark verlief. 

„Solche Leute haben heutzutage auch vor uniformierten Personen keinen Respekt. Es kommt je nach Einzelfall dann natürlich zu Anzeigen wegen Beleidigung oder Widerstand gegen die Staatsgewalt“, so Hüls. Doch dies führe leider nicht immer dazu, dass die Täter künftig vernünftiger agieren. 

Auch Andras Fetts Weg führte nach dem Vorfall am Gymnasium zur Polizeiwache an der Oststraße. Dort allerdings erwartete ihn die nächste Überraschung. „Ich wurde darüber unterrichtet, dass die Polizei erst bei tatsächlich erlittener Gewalt etwas machen könne. Es stünde mir allerdings offen, eine Strafanzeige wegen Bedrohung zu stellen.“ 

Doch darum gehe es ihm nicht, betont Andreas Fett. „Ich möchte aus diesem Vorfall nur ungern die Lehre ziehen, dass sich Zivilcourage nicht lohnt“, sagt der Meinerzhagener. 

"Zivilcourage begrüßen wir immer“

Doch dazu wolle die Polizei keinen Anlass geben, betont Christoph Hüls. „Zu diesem Einzelfall können wir natürlich nichts sagen, da uns nur der Bericht einer Seite vorliegt. Aber grundsätzlich begrüßen wir Zivilcourage immer.“ Dabei gelte aber auch das Motto: „Hilf, bring dich dadurch aber nicht in Gefahr!“ Sich bei Vorfällen wie jetzt am Gymnasium das Kennzeichen des Fahrzeugs zu merken, könne nie falsch sein, eine Anzeige wegen Bedrohung sei tatsächlich möglich. 

Insbesondere bei Randalierern, Unfällen oder hilflosen Personen sei es aber grundsätzlich angesagt, selbst zu helfen oder zumindest den Notruf zu wählen. Bei Geschwindigkeitsverstößen indes habe es die Polizei oftmals mit der subjektiven Wahrnehmung von Zeugen zu tun. Inwieweit die Polizei dann eingreifen kann, hänge auch von der Verhältnismäßigkeit des Einsatzes ab.

Und wie würde Andreas Fett beim nächsten, ähnlichen Vorfall reagieren? Würde er genauso handeln wie zuletzt? Der überzeugte Christ hat darauf eine klare Antwort, sieht Jesus als Vorbild: Der sei auch scharfen Auseinandersetzungen nicht aus dem Weg gegangen, habe aber nie zu Gewalt gegen Personen gegriffen. „Dennoch geißelte er Missstände mit deutlichen Worten.“ Und das will auch der Meinerzhagener weiterhin tun, wenn es nötig ist.

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