Zwei Jahre Haft auf Bewährung

Das Schöffengericht verhängte eine Bewährungsstrafe gegen den 24 Jahre alten Meinerzhagener.

MEINERZHAGEN ▪ Auf eine stationäre Drogentherapie, den guten Willen des Angeklagten und die Unterstützung durch seine Familie setzte ein Schöffengericht des Amtsgerichts Lüdenscheid. Wegen unerlaubten Handels mit Betäubungsmitteln in insgesamt 43 Fällen kassierte ein 24-jähriger Meinerzhagener eine zweijährige Haftstrafe auf Bewährung.

„Das Schlimmste war, dass er einem Kind von 14 Jahren Betäubungsmittel verkauft hat“, sagte Richter Jürgen Leichter in seiner Urteilsbegründung. Dieser 43. aktenkundig gewordene Verstoß des Angeklagten gegen das Betäubungsmittelgesetz fand zu einer Zeit statt, als er schon längst bei der Polizei seinen Willen zum Ausstieg aus der Meinerzhagener Drogenszene zu Protokoll gegeben hatte. Um seinen eigenen Konsum von Amphetaminen und Marihuana zu finanzieren, hatte der junge Mann ab März 2011 einen schwunghaften Handel mit diesen Drogen aufgezogen. Als er in einer anderen Sache als Zeuge von der Polizei vernommen werden sollte, entschloss er sich im Frühjahr 2012 zu einem umfassenden Geständnis dieser Aktivitäten. „Er hat recht offen zugegeben, dass er zusammen mit zwei Brüdern Amphetamine und Marihuana verkauft hat“, sagte ein Polizeibeamter vor Gericht.

Dabei nannte der junge Dealer auch Kunden, gegen die anschließend Ermittlungsverfahren eingeleitet wurden. Doch trotz des aufgrund seines Geständnisses gegen ihn eingeleiteten Gerichtsverfahrens handelte der Angeklagte offenbar weiterhin mit Drogen. „Was haben Sie sich dabei gedacht?“, fragte ein äußerst verwunderter Richter. Der Angeklagte habe viele Personen durch den Verkauf von Drogen in Gefahr gebracht, rügte die Staatsanwältin. „Besonders verwerflich“ nannte sie den Verkauf von Marihuana am 25. November 2012 an eine 14-Jährige – „nahezu ein Kind“. Das Mädchen war zwar geladen worden, musste aber wegen des Geständnisses des Angeklagten nicht gehört werden. Sie wolle nicht aussagen, um den Angeklagten nicht ins Gefängnis zu bringen, hatte sie ihrer Mutter vor der Verhandlung gesagt.

Angesichts der Aufdeckungsarbeit des Angeklagten und wegen seines umfassenden Geständnisses plädierte auch die Vertreterin der Anklage für eine zweijährige Bewährungsstrafe. „Er war kein Profitdealer, sondern finanzierte seinen Eigenkonsum.“

Nach der durch das Gericht zugestandenen Bewährung unterstrich die Familie durch allseitige Umarmungen, dass sie sich um den reuigen Sünder kümmern werde. Den schwierigsten Gang muss dieser jedoch zunächst alleine gehen: In einer stationären Drogenentzugstherapie soll er lernen, künftig ein erfülltes Leben ganz ohne die schädlichen Betäubungsmittel zu führen. ▪ thk

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