Warum heißt die Haltestelle "An den Holzhäusern"?

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Am Löher Weg, seitlich des Fitness-Studios, liegt diese Bushaltestelle. Ihr Name erschließt sich durch einen Blick auf die Meinerzhagener Nachkriegsgeschichte. 

Meinerzhagen - Die Bushaltestelle am Löher Weg, nahe der Einmündung zur Bergstraße, heißt „An den Holzhäusern“. Warum es zu dieser Bezeichnung kam, erschließt sich dem Betrachter heute nicht mehr auf den ersten Blick.

Denn: Von Holzhäusern ist hier weit und breit keine Spur. Ist die Bezeichnung also der Fantasie der Verkehrsbetriebe entsprungen, die für die Haltestellen-Bezeichnungen zuständig sind?

Nicht wirklich. Denn tatsächlich haben in räumlicher Nähe zu der Haltestelle, quasi „um die Ecke“, an einer Stichstraße zum Hohschlader Weg, einmal sechs Holzhäuser gestanden. Das bestätigt auch ein Blick in Unterlagen des Meinerzhagener Stadtarchives im Untergeschoss der Meinerzhagener Stadthalle. Hier findet sich beispielsweise das Buch „Meinerzhagen in Bildern – Entwicklung vom Dorf zur Stadt“, herausgegeben im Oktober 1978 von Roland Büttner. Darin enthalten: Ein kurzer Satz, der wesentlich dazu beträgt, das Rätsel des scheinbar mysteriösen Namens zu lösen: „Die Holzhäuser am Löher Weg wurden nach dem Zweiten Weltkrieg als erste Maßnahme des sozialen Wohnungsbaus in Meinerzhagen errichtet. Da sie im Laufe der Zeit teilweise recht baufällig geworden waren, wurden vier von den sechs Häusern im Juli 1977 abgerissen.“ 

Wann die Unterkünfte gebaut wurden, das kann Günther Lüsebrink, der in unmittelbarer Nachbarschaft aufwuchs, zeitlich relativ eng eingrenzen: „Es wird wohl im Jahr 1956 gewesen sein“, ergaben seine Recherchen. Die restlichen beiden Häuser stehen wohl noch, wurden aber immer weiter modernisiert. Allerdings lässt sich von außen kaum noch erkennen, ob die Bausubstanz tatsächlich noch auf die einstigen Holzhäuser zurückgeht.

Meinerzhagen nach dem Krieg – das bedeutete akute Wohnungsnot. Auch dazu gibt es Unterlagen im Stadtarchiv. Bereits kurz vor Ende des Krieges kamen mit der ersten Flüchtlingswelle Menschen in der Stadt an, die vor der heranrückenden Ostfront Schutz im Westen suchten. In den Folgejahren waren es ehemalige Einwohner der einstigen deutschen Ostgebiete, die Meinerzhagen als neue Heimat wählten. Schlesier, Ostpreußen, Vertriebene aus dem Sudetenland – sie alle benötigten ein Dach über dem Kopf. Die wohl erste Maßnahme: Der Bau der sechs Holzhäuser.

Recherchen bei der Meinerzhagener Baugesellschaft (MBG) ergaben, dass die damals recht einfachen Unterkünfte einst vom Zimmereibetrieb Eugen Oeckinghaus errichtet wurden – im Auftrag der MBG. Später seien sie an Privatleute verkauft worden. 

Ende 1945 hatte Meinerzhagen – zusammen mit der Gemeinde Valbert – 10 492 Einwohner. Flüchtlinge und Vertriebene machten mit 289 Personen damals nur einen kleinen Teil davon aus. Das änderte sich rasch: Bis zum 31. Oktober 1964 wuchs die Volme-Kommune rasant: An diesem Stichtag wurden bereits 15 508 Einwohner gezählt, darunter 3737 „Vertriebene, Umsiedler und DDR-Flüchtlinge“. Diese Zahlen wurden im „Märker“, der Landeskundlichen Zeitschrift für den Bereich der ehemaligen Grafschaft Mark und den Märkischen Kreis, im Jahr 2007 veröffentlicht – und damit exakt 30 Jahre, nachdem vier der sechs Holzhäuser abgerissen worden waren.

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