Halloween droht der „Eierwurf“

Geister, Teufel und Hexen zu Halloween – Pastor Kemper-Kohlhase findet: „Das Mittelalter ist vorbei“. - Foto: dpa/Liste

Meinerzhagen - „Süßes oder Saures.“ Auch in Meinerzhagen werden am Freitag wieder viele Hausbewohner mit diesem Spruch konfrontiert. Meist sind es Kinder, die an der Haustür klingeln und mehr oder weniger charmant um Süßigkeiten betteln. Mit dem harmlosen Spruch drohen sie im Scherz aber auch etwaige Konsequenzen – also „Saures“ – an, sollte das Naschwerk versagt bleiben.

Von Jürgen Beil

Das ist seit Jahren so, und deshalb ist vielen Bürgern das Halloweenfest aus eigener und nicht immer positiver Erfahrung bekannt. Der eigentlich harmlose Brauch hat also auch seine „dunklen“ Seiten.

„Immer wieder ist es auch in Meinerzhagen am 31. Oktober zu Sachbeschädigungen gekommen“, weiß Michael Stumpe, Leiter der Polizeiwache an der Oststraße. Und deshalb ist in der Volmestadt wieder verstärkte Polizeipräsenz auf den Straßen angesagt. „Das gilt tagsüber und nachts“, erläutert der Chef der heimischen Polizei. Der Fokus liegt dabei aber nicht auf Kindern, die ihren „Drohungen“ in der Regel keine Taten folgen lassen. Die Aufmerksamkeit der Beamten gilt eher „Trittbrettfahrern“, die Halloween nutzen, um ihre fragwürdigen Späße zu treiben.

Stumpe mag angesichts der Unsitten in Großstädten in Meinerzhagen nicht von einer dramatischen Lage sprechen. „Vorfälle wie beschädigte Briefkästen oder Eier, die an Hausfassaden geworfen wurden, mussten wir allerdings auch hier aufnehmen. Solche Geschehnisse können schnell eine Straftat darstellen“, warnt der heimische Beamte eindringlich davor, vermeintliche Scherze auf die Spitze zu treiben.

Wie viele Sachbeschädigungen es jeweils am 31. Oktober in der Volmestadt wirklich gegeben hat, das weiß Michael Stumpe nicht genau. Denn er geht davon aus, dass vieles gar nicht zu Anzeige gebracht wurde.

In Großstädten, so der heimische Hauptkommissar, sei die Lage an Halloween schon immer bedenklicher gewesen. Das bestätigt eine Pressemitteilung der Polizei Hagen, die sich in diesem Jahr in weiser Voraussicht schon im Vorfeld mit dem Thema Halloween befasst: „Die Polizei appelliert an die Kinder, die Halloween-Scherze nicht zu übertreiben, denn nicht alles was Spaß macht, ist auch erlaubt. Damit könnten die Streiche in Einzelfällen auch ein juristisches Nachspiel haben. Das Bewerfen von Hauswänden mit Eiern, das Herausreißen von Pflanzen, das Herausheben von Gullydeckeln oder auch das Beschmieren von Autos gehört zwischenzeitlich leider zum Repertoire der ,Gespenster’. Für viele Hausbesitzer entstanden in den letzten Jahren erhebliche Kosten für die Reinigung ihrer Fassaden, vor denen die Umherziehenden keinen Halt machten. Übrigens können Kinder unter 14 Jahren zwar nicht strafrechtlich belangt werden, jedoch können zivilrechtliche Forderungen auch gegenüber Kindern beziehungsweise ihren gesetzlichen Vertretern geltend gemacht werden. Die Polizei bittet alle Eltern und Erziehungsberechtigte, ihre Kinder über die Konsequenzen von üblen Halloween-Scherzen aufzuklären. Dann bleibt der Spaß auch ohne juristisches Nachgruseln.“

Dass der 31. Oktober eigentlich als Reformationstag von evangelischen Christen gefeiert wird, ist angesichts des Halloween-Treibens ein wenig in den Hintergrund getreten. Das empfindet auch Pastor Klaus Kemper-Kohlhase von der evangelischen Gemeinde so: „Ich stelle fest, dass vor allem jüngere Menschen mit traditionell christlich-konfessionell geprägten Feiertagen wie dem Reformationstag nichts mehr anfangen können. Halloween dagegen als ein heute weltliches Fest wird immer populärer. Das überrascht mich. Ich habe nichts gegen Spaß und will auch kein Spaßverderber sein. Auch Luther hatte Spaß am Leben. Aber er kannte damals auch Angst vor Hexen und dem Teufel. Seine Erkenntnis war, dass diese Angst überwunden werden kann. Das hat er als tiefe Befreiung erlebt. Umso absurder erscheint es mir, dass nun am Reformationstag diese Angst zum Hauptthema wird. Geister, Teufel, Hexen – das Mittelalter ist vorbei!“

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