Das Schürfelder Hallenhaus aus dem Jahr 1577 wird ein Schmuckstück

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Die Bruchstein-Arbeiten an dem Hallenhaus aus Schürfelde sind erledigt, jetzt folgen die Inneneinrichtung und das Strohdach. An der Rückwand rechts ist der zweite Eingang zu sehen, der 1720 nach der Erbteilung angelegt wurde. Oben ist das Forsthaus aus dem Jahr 1934 abgebildet, das zu der neuen Baugruppe des Museums gehört. 

Meinerzhagen - Im Jahr 1577 zog ein Komet gut sichtbar über das Firmament. Zu jener Zeit war das ein schlechtes Zeichen. Diese Naturereignisse galten oft als Vorboten von Katastrophen. 

Sollten die Angehörigen der Meinerzhagener Familie Schürfelde den kleinen Himmelskörper damals ebenfalls beobachtet haben, werden sie wohl mit gemischten Gefühlen in ihr neues Haus umgezogen sein. Das nämlich wurde exakt in diesem Jahr in der Ortschaft gleichen Namens fertiggestellt. Dass der Komet für das „Eigenheim“, ein schmuckes Hallenhaus, eher zum Glücksbringer werden sollte, konnten die Schürfeldes damals noch nicht ahnen. 

Heute, 441 Jahre später, gibt es das Gebäude noch immer. Und gerade wird es zum zweiten Mal aufgebaut. Diesmal im Freilichtmuseum Lindlar, etwa 30 Kilometer von dem Ort entfernt, an dem einst die Grundsteinlegung stattfand. Das war in dem Jahr, in dem der Maler Peter Paul Rubens geboren wurde. 

Rückblick: 2013 unternahm der Leiter des Freilichtmuseums Michael Kamp einen Ausflug „ins Märkische“. In Schürfelde schweifte sein Blick über das Tal – und plötzlich hatte Kamp ein „Aha-Erlebnis“: Er entdeckte das historisch bedeutsame Hallenhaus. Das war zu diesem Zeitpunkt weit vom Originalzustand entfernt. Generationen hatten es immer wieder umgebaut – und bewohnt war es schon lange nicht mehr. Es folgte ein langer Prozess: Kontaktaufnahme mit den Eigentümern, Übernahme der Immobilie mit deren Einverständnis, Abbau des Mauerwerkes und „Innenlebens“, Transport nach Lindlar und Beginn des Wiederaufbaus.

Abgeschlossen ist dieser Prozess noch nicht, aber Bauhistoriker Dieter Wenig vom Landschaftsverband Rheinland (LVR), dem Träger des Museums, gab jetzt einen Zwischenbericht: „Die Bruchsteinarbeiten sind erledigt. Das Haus steht wieder.“ Eigentlich hatten die Fachleute des LVR schon im Jahr 2017 „Vollzug“ melden wollen, doch die Rekonstruktion des Hallenhauses verzögerte sich. Wenig erläutert, warum: „Wir wollen am Hang oberhalb der gegenüberliegenden Straßenseite eine neue Baugruppe eröffnen, auf den letzten verbleibenden vier Hektar, die unserem Museum noch zur Verfügung stehen. Die Eröffnung dieses Bereiches ist für Mai 2018 geplant. Weil das Projekt Arbeitskraft bindet, wird das Haus aus Schürfelde erst im Laufe dieses Jahres fertig werden.“ 

Zu tun ist an dem Meinerzhagener Gebäude noch einiges: Die restaurierten Fachwerkteile und der Fußboden müssen originalgetreu wieder eingebaut werden. „Und außerdem steht auch die Strohdach-Abdeckung noch aus“, erläutert Wenig. Die werde, so der Historiker, von Experten aus Norddeutschland vorgenommen. Das alles ist nur mit großem Aufwand zu stemmen – auch finanziell. Etwa eine Million Euro wird das Projekt kosten. Beim LVR sprengt diese Summe aber keineswegs den üblichen Rahmen: „Investition und Arbeitsleistung sind vergleichbar mit ähnlichen Projekten“, weiß Wenig. 

Dafür bekommen die Besucher nach Fertigstellung des Hallenhauses aber auch etwas Einzigartiges auf dem Museumsgelände zu sehen: „Es ist das erste und einzige Gebäude dieser Art in unserer Präsentation. Für uns bedeutet das Hallenhaus eine Ausweitung des Blickfeldes. Obwohl es aus dem Märkischen Kreis stammt, ist es auch für die Region Oberberg typisch. So etwas gab es vor Jahrhunderten auch hier. Je weiter man in Deutschland nach Norden und Osten kommt, je öfter wird man diese Gebäude finden“, sagt Wenig. 

Im Freilichtmuseum erfüllt das Haus nach Fertigstellung eine ganz besondere Funktion: „Es wird das Bindeglied zwischen dem alten Museumsteil und der neuen Baugruppe“, erklärt der Historiker, dem noch eines wichtig war: „Bei der Auswahl des Standortes haben wir darauf geachtet, dass das Haus eine ähnliche Hanglage bekommt, wie in Schürfelde.“ Das war aus einem Grund besonders wichtig: Etwa um 1720 wurde das Haus im Rahmen einer Erbteilung zwischen zwei Parteien aufgeteilt. Die neuen Besitzer zogen eine Wand quer durch das Gebäude. Eine Familie wohnte fortan im linken, die andere im rechten Gebäudeteil. „Und wegen der Hanglage in Schürfelde wurde an der Rückseite im oberen Bereich ein zweiter Eingang eingerichtet. Diese Situation wollen wir in Lindlar natürlich nachstellen“, erläutert Dieter Wenig.

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