Dreieinhalb Stunden Kabarett

Hagen Rether in der Stadthalle: Ist Trump eigentlich "der Wallraff"?

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Mahner, Querdenker und Analytiker mit einer Schwäche für Bananen: Hagen Rether übte nicht nur Kritik an Donald Trump, sondern ließ auch an heimischen Politikern kein gutes Haar.

Meinerzhagen - Ein Mann, ein Flügel und ein halbes Dutzend Bananen: Wie immer bei den Auftritten von Hagen Rether stellten sich am Freitagabend in der bestens gefüllten Stadthalle zwei große Fragen: Wann würde er in die erste Banane beißen? Und wann in die Tasten greifen?

Doch zunächst waren ein paar grundsätzliche Fragen zur Lage nicht nur der Nation, sondern der ganzen Welt zu klären. „Wie ist die Freiheit?“, lautete die erste, mit der der Kabarettist sein Publikum einlud, zu innerer Ruhe zu kommen: „Lassen Sie uns einen Moment die Freiheit genießen!“ 

Ein Meerestier lieferte den Traum zu den geschlossenen Augen: „Ein Seepferdchen sein können und uns mit dem Schwanz am Strohhalm festhalten und chillen.“ Und so war das Publikum nach der inneren Zentrierung bestens vorbereitet, um Hagen Rethers prägnante Kurzdiagnosen zur Lage auf sich wirken zu lassen. 

Es ging dabei nicht immer um eine Jagd nach kuriosen bis skandalösen Auswüchsen des politischen Tagesgeschäfts. „Mir geht es um Grundsätzliches“, verkündete er und wies den Wert von Neuigkeiten als Wert an sich zurück. Und ist das Neue denn überhaupt neu? 

Wie ein roter Faden zog sich der Spott über das als Neuigkeit Verkündete durch den langen Abend. Der Spott des Halbsatzes „Jetzt haben die rausgekriegt“, leitete einige spektakuläre Entdeckungen ein: „dass die Geheimdienste sich gegenseitig bespitzeln“, „dass wir nur einen Planeten haben“, dass der Maler Emil Nolde Sympathien für die Nationalsozialisten hegte. 

Die Freiheit des Kabaretts erlaubte eine Erweiterung dieser Liste spektakulärer Neuigkeiten: „Trump ist gar nicht echt. In Wahrheit ist das der Wallraff! Oder haben Sie die beiden schon mal auf einem Foto gesehen?“ Dass „der Wallraff“ in dieser Rolle wahrhaft durchschlagenden Erfolg hat, zeige der Vergleich mit einem anderen Verwüster des Nahen Ostens: „Verglichen mit Trump war Bush ein hypersensibler Literaturwissenschaftler.“

Kein Abend des Antiamerikanismus

Doch es war kein Abend des Antiamerikanismus: Hagen Rether erinnerte daran, dass die Amerikaner „uns den Hitler vom Hals geschafft“ haben. Und dass es jene, die in den USA nicht durch Schusswaffeneinsatz gegen sich oder andere starben, schwer haben. Sie müssen zwischen Kältewellen, Hurricans und Regierungsshutdowns überleben. 

Grundsätzliche Fragen warf das jüngst von der Parteizentrale in Berlin geklaute C der sogenannten „christlichen“ Parteien auf, die gefühlt „seit Jahrhunderten“ an der Macht seien. „Eher geht ein Kamel durch’s Nadelöhr, als dass ein Reicher ins Himmelreich kommt“, verkündete Jesus einst. Hagen Rether präsentierte die elegante Lösung der Parteien, die dieses C als historischen Ballast mit sich herumschleppen: „das riesige Nadelöhr für Kamele“. 

Die amtierende Bundeskanzlerin kam bei all dem vergleichsweise gut weg: „Können Sie sich vorstellen, dass Merkel nach Dienstschluss bei Blackrock anschaffen geht?“, lautete der Seitenhieb auf den millionenschweren Nebenjob des mittelständischen, potenziellen Kanzlerkandidaten Friedrich Merz. 

Um Grundsätzliches ging es Hagen Rether auch bei der Klärung zentraler Begriffe des menschlichen Zusammenlebens: Natürlich brauche man auch „Verbote, Kontrollen und Gesetze – sonst haben wir Barbarei!“ Wer vernünftig handelt, brauche bekanntlich weniger davon. Der Gast machte in diesem Sinn den Begriff „Verantwortung“ stark. 

Unter der Überschrift „Warum sind wir so elend draufgekommen?“, zog der Vegetarier gegen Massentierhaltung, Naturzerstörung und den Turbokapitalismus zu Felde. Nachdem die erste Banane gegen 23.30 Uhr gegessen war, verabschiedete er sich mit Improvisationen über den Klassiker „Over the Rainbow“, der Verteilung der restlichen Bananen und einem Appell: „Seien Sie gut zu Ihren Kindern!“

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