„Abgespeckte“ Haftstrafe für Reitlehrer

Die 2. große Jugendstrafkammer des Landgerichts verhängte eine Haftstrafe gegen den Reitlehrer. - Foto: dpa

Meinerzhagen - Zu einer Haftstrafe von drei Jahren und neun Monaten verurteilte die 2. große Jugendstrafkammer des Landgerichts einen 66-jährigen Reitstallbetreiber aus Meinerzhagen. Ein Monat dieser Haftstrafe gilt zudem wegen der langen Verfahrensdauer als verbüßt.

Damit bestätigte die Kammer im Wesentlichen das Urteil, das die 1. große Jugendstrafkammer vor einem Jahr gegen den Angeklagten verhängt hatte. Wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes in zwei Fällen und schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes in drei Fällen wurde er damals zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt.

Gegen dieses Urteil hatte der Angeklagte erfolgreich Revision beim Bundesgerichtsgerichtshof (BGH) eingelegt. Der BGH beanstandete die Festlegung des Strafmaßes, nicht aber die Feststellungen des angefochtenen Urteils über das, was sich in dem Reitstall abgespielt hatte.

Zeugen mussten deshalb nicht mehr vernommen werden. Die Aussagen der jungen Zeuginnen hatten auch nach Auffassung des BGH im ersten Verfahren glaubwürdig bestätigt, dass der Reitstallbesitzer das bestehende Vertrauensverhältnis ausgenutzt hatte, um sich mindestens einem der Mädchen, die in dem Reitstall ein- und ausgingen, sexuell zu nähern.

Der 1. großen Jugendstrafkammer war bei der Festlegung der Länge der Haftstrafe jedoch ein Versehen unterlaufen: Es hatte Straftaten auf anderen Gebieten zu Ungunsten des Angeklagten gewertet, die dieser zum Zeitpunkt der Übergriffe in dem Reitstall noch gar nicht begangen hatte. Die 2. große Strafkammer minderte das Strafmaß deshalb um insgesamt drei Monate.

Das ursprüngliche Strafverfahren hatte die erwachsenen Zeugen stark polarisiert. Viele von ihnen kritisierten das selbstherrliche Herrschaftsgebaren des Angeklagten gegenüber den Pferdeliebhabern und eine „sektenähnliche“ Sozialstruktur. Einige erwachsene Zeugen berichteten auch von kompromittierenden Beobachtungen in den Räumen der Anlage. Entscheidend für die Verurteilung waren jedoch die Aussagen der jungen Zeuginnen. - von Thomas Krumm

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