Haftstrafe für gebürtigen Meinerzhagener

Das Schöffengericht in Lüdenscheid verurteilte den gebürtigen Meinerzhagener zu einer Haftstrafe.

MEINERZHAGEN ▪ Vielleicht hätte der in Meinerzhagen geborene Angeklagte lieber Apotheker werden sollen.

Als die Polizei am 10. Dezember 2009 einen 26-jährigen Tatverdächtigen in dessen Herscheider Wohnung verhaftete, fanden die Beamten in einem Tresor Marihuana, Amphetamin, Anabolica, Testosteron, Viagra-Tabletten und eine halbautomatische Signal- und Schreckschusspistole, die unter das Waffengesetz fiel. Nicht wegen der potenzsteigernden und der Doping-Mittel, wohl aber wegen Drogenhandels musste sich der seitdem inhaftierte Mann am Donnerstag vor einem Schöffengericht des Amtsgerichts Lüdenscheid verantworten. Zwei Jahre und sechs Monate wegen des illegalen Handels mit Betäubungsmitteln und illegalen Waffenbesitzes lautete am Ende das Urteil. Außerdem wurden 4900 Euro eingezogen, die als mutmaßliche Verkaufserlöse bei dem Zugriff in der Wohnung des Angeklagten sichergestellt worden waren. Die Haftstrafe erhöht sich noch um neun Monate, die aus einer auf Bewährung ausgesetzten Reststrafe stammen. Im Jahr 2005 war der Angeklagte schon einmal wegen des schwunghaften Handels mit Betäubungsmitteln zu einer 26-monatigen Haftstrafe verurteilt worden und hatte den größten Teil davon verbüßt.

Umfassendes Geständnis

Dass der Bewährungsversager relativ glimpflich davon kam, hatte er seinem umfassenden Geständnis zu verdanken, das deutlich über das hinausging, was die Polizei wissen konnte: „Er hat sich selber stärker belastet, als er es hätte tun müssen“, staunte Amtsrichter Jürgen Leichter. „Er hat nichts beschönigt.“ Seinem Geständnis zufolge fuhr der Angeklagte im Laufe des Jahres 2009 dreimal nach Bremerhaven und kaufte dort jeweils 200 Gramm Haschisch. Zweimal brachte er von diesen Touren zusätzlich 100 Gramm Amphetamin mit.

Frage nach dem „Warum“

Rätselhaft blieb, warum der Angeklagte überhaupt straffällig geworden ist. Trotz der dadurch drohenden Strafverschärfung beteuerte er, als reiner Händler tätig gewesen zu sein: „Ich konsumiere nicht.“ Auch das Einkommen, das er als Reinigungskraft in einem Kernkraftwerk erzielte, war durchaus ansehnlich und stellte keinen Anlass dar, straffällig zu werden. Im Sitzungssaal des Amtsgerichts Lüdenscheid weinten gleich vier Angehörige, die den Angeklagten in einer Verhandlungspause kurz in die Arme schließen durften. Seine Freundin war nicht dabei: Angeblich will die Mutter seines siebenjährigen Sohnes sich vom Angeklagten trennen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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