Haftstrafe für Brand im Intimbereich

Das Gericht verhängte eine Haftstrafe in Höhe von zwei Jahren und sechs Monaten.

MEINERZHAGEN ▪ Ein Brand im Intimbereich brachte einem jungen Mann aus Meinerzhagen heute ein Ticket in den Knast ein.

Dort wird er nun zwei Jahre und sechs Monate Zeit haben, darüber nachzudenken, was im Spätsommer vergangenen Jahres in ihn gefahren war, als er zu Deo und Grillanzünder gegriffen hatte.

Am 5. September 2009 besucht der 22-jährige Meinerzhagener einen Bekannten in Lüdenscheid. Als er in der Wohnung des Kumpels ankommt, befinden sich noch der Geschädigte und eine Freundin mit im Wohnzimmer. Alle Anwesenden hatten schon ordentlich tief ins Glas geschaut. Der Angeklagte setzt sich dazu und genehmigt sich ein Bier. Plötzlich verpasst er dem Geschädigten einen Faustschlag ins Gesicht. Aufgrund des Alkoholpegels des Opfers, stolze 2,46 Promille, setzt der sich nicht zur Wehr. Dann fällt zunächst nichts weiter vor.

Als der Geschädigte jedoch von einem Toilettengang wiederkehrt, passiert das Unfassbare. Weil er seine Hose offen gelassen hatte, präsentierte sich dem Angeklagten ein Anblick, der ihn offensichtlich nicht gerade in Euphorie versetzte. Mutmaßlich provoziert durch das Bild, rückt er dem Opfer zunächst mit einem Deospray auf den Leib. Dann nimmt er etwas Spiritus dazu – und zündet das Ganze an.

Schnell entfacht beim Geschädigten ein Feuer. Durch den Alkohol kommt es jedoch auch hier, ebenso wie beim Faustschlag vorerst zu keiner Reaktion. Als es dem Opfer dann allerdings doch zu heiß wird, versucht der junge Lüdenscheider verzweifelt die Hose vom Körper zu bekommen und den Brand zu löschen. Erst jetzt werden auch die anderen aktiv. Mittels einer übergeworfenen Decke bekommen sie das Feuer unter Kontrolle- können es ersticken.

Als es dem Geschädigten kurz darauf auf einmal sehr schlecht geht, alarmiert der Gastgeber den Rettungswagen. Im Krankenhaus wird schließlich das ganze Ausmaß der Aktion sichtbar. Im Bauchbereich und an beiden Oberschenkeln zeichnen sich großflächige Verbrennungen ab.

Sechswöchige Behandlung

Insgesamt muss das Opfer knapp sechs Wochen in stationärer Behandlung bleiben. Aber auch nach der Entlassung sind weiter medizinische Maßnahmen nötig.

Das Amtsgericht Lüdenscheid verurteilte den Meinerzhagener dafür im Februar wegen schwerer Körperverletzung zu zwei Jahren und sechs Monaten Haft.

Gegen diese Entscheidung legten sowohl der Angeklagte, vertreten durch Rechtsanwalt Friedhelm Wolf, als auch die Staatsanwaltschaft Berufung ein. Heute nun befasste sich das Hagener Landgericht mit dem Fall. Es wurde eine kurze Sitzung. Denn nachdem der Vorsitzende Richter, dem bereits wegen Körperverletzungsdelikten vorbestraften Angeklagten klar gemacht hatte, dass er mit dem Urteil ganz gut bedient sei, zogen beide Seiten ihre Berufung zurück.

Für den Angeklagten ist der Spuk nach der verbüßten Haftstrafe vorbei. Der junge Lüdenscheider hingegen wird sein Leben lang bei jedem Blick in den Spiegel an den 5. September 2009 erinnert werden. ▪ jape

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