Lob und Kritik zur Berufsfelderkundung

Die Geschäftsführer von Otto Fuchs, Dr. Hinrich Mählmann und Richard A. Hussmanns, begrüßten Vertreter des Kreises, der Agentur für Arbeit sowie des Evangelischen Gymnasiums.

Meinerzhagen - Irgendwann endet sie, die Schulzeit. Das weiß wohl jeder Schüler – und freut sich mitunter auch über diese Gewissheit. Aber: Was dann? Eine Hilfestellung bei Beantwortung dieser Frage soll das Programm „Kein Abschluss ohne Anschluss“ liefern, das jetzt auch im Märkischen Kreis angelaufen ist. Teilnehmer unter anderem: das Evangelische Gymnasium Meinerzhagen (EGM) und die Firma Otto Fuchs.

Von Frank Zacharias

Insgesamt 117 Achtklässler des EGM erhalten Einblicke in heimische Betriebe, um sich ein Bild von unterschiedlichen Berufen zu machen. Allein 16 Schüler schauten sich am Donnerstag einen Tag lang Ausbildungsmöglichkeiten in der Firma Otto Fuchs an. Ob Produktion, Qualitätsprüfung oder kaufmännischer Bereich: Die Achtklässler erhielten einen umfassenden Einblick in den Tagesablauf eines Fuchs-Mitarbeiters. „Berufsfelderkundung“ nennt sich diese Form des Kurzzeitpraktikums, das das im kommenden Schuljahr folgende Betriebspraktikum nicht ersetzen, sondern ergänzen soll, wie Birgit Schroeder vom Regionalen Bildungsbüro des Märkischen Kreises erklärte. Gemeinsam mit vielen weiteren Akteuren in Sachen Ausbildung und Berufswahl stellte sie gestern die Bemühungen in Meinerzhagen vor.

Und auch Landrat Thomas Gemke war vor Ort, um für das Konzept der Berufsfelderkundung zu werben. Die sei allerdings auch eine „Riesenherausforderung“ für die kommunale Koordinierung, die neben Birgit Schroeder auch Michael Herget sowie Michael Czech für das Projekt übernehmen. Schließlich gelte es, nach der umfangreichen Potenzialanalyse, die in den Schulen erfolgt, die passenden Plätze in Unternehmen zu finden. Allerdings zeigte sich Michael Herget zufrieden mit der Resonanz der Arbeitgeber: Allein über das Internetportal www.berufsfelderkundung-mk.de seien der Koordinierungsstelle 1200 Plätze angeboten worden. Ein Erfolg, der allerdings mit Blick auf das kommende Jahr noch auszubauen sei – dann werden sämtliche Städte im Kreis an dem Programm teilnehmen. Bislang gehört Meinerzhagen zu sieben beteiligten Kommunen.

Konkret geht es bei der Berufsfelderkundung darum, Schülern frühzeitig Möglichkeiten ihrer Zukunft aufzuzeigen und dabei auch Branchen aufzutun, die nicht unbedingt im Bewusstsein der Jugendlichen sind. „23 Prozent der Auszubildenden im Kreis brechen ihre Lehre ab. Von diesem Wert müssen wir runterkommen“, sagte Landrat Thomas Gemke. Und die Hausherren der gestrigen Präsentation, die Otto-Fuchs-Geschäftsführer Dr. Hinrich Mählmann und Richard A. Hussmanns, freuten sich, ihren Teil zum Gelingen des Projekts beitragen zu können. Wenngleich das Unternehmen Fuchs bereits jetzt intensiv mit dem Evangelischen Gymnasium zusammenarbeitet und auf eine erfolgreiches Ausbildungsprogramm blicken kann: 85 „Azubis“, 19 Trainees und 17 Praktikanten sind nach Firmenangaben derzeit bei Otto Fuchs beschäftigt.

Kritische Töne gab es gestern dennoch: EGM-Schulleiter Sven Dombrowski und Frieder Dangendorf, an der Schule Ansprechpartner für die Berufsorientierung, stehen zwar zu ihrem Engagement in Sachen Berufsfelderkundung, hinterfragten aber den Zeitpunkt – und den zeitlichen Aufwand angesichts eines engen G8-Lehrplans. „Die Frage ist doch, ob Schüler der achten Klasse überhaupt schon einen Blick dafür haben“, gab Dangendorf zu bedenken. Man habe sich aber bewusst nicht von dem System „Kein Abschluss ohne Anschluss“ abkoppeln wollen, da es in drei Jahren ohnehin auf alle Schulen zukommt.

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